Du bist mir auch das leichtsinnigste geschöpf von der Welt," sagte die Base oft. "Wo ich habe Hochzeit halten sollen, da habe ich manchmal ganze Tage lang pläret, und wenn mich Joggeli hat anrühren wollen, dass es die Leute gesehen, so bin ich zur tür aus gelaufen, und kein Mensch hätte mich wieder hineingebracht. Ich weiss nicht, wie das gehen soll." Und wirklich schüttelte sie manchmal bei sich selbst den Kopf und dachte, sie verstehe sich nicht mehr auf die heutigen Meitschi, aber wenn das so fortgehe, so komme das nicht gut. Vreneli falle nicht gut aus, und Uli sei mit ihm geschlagen, mit dr Narre Trybe werche man keinen Hof. Diesen geheimen Kummer vermehrte Joggeli noch, der ihr alle Tage sagte: "Du kannst sehen, wie das kommt; das geht nicht ein Jahr, so sind sie am Haufen. Aber ich vermag mich dessen nichts, ich habe es genug gesagt, es komme nicht gut. Aber man glaubt mir nichts, man hat mir nie geglaubt, darum ist auch alles so gekommen. Ich habe es mit dem Elisi von Anfang an gesagt, aber es wollte mich damals niemand hören."
So rückte in banger Stimmung die Zeit heran, wo Uli das Lehen übernehmen sollte, das ihm das Zutrauen um seiner Anstelligkeit und Treue willen übertrug. Vorher sollte er mit Vreneli Hochzeit halten. Schon seit dem Neujahr war davon die Rede gewesen, aber das Meitschi hatte immer Gründe zum Aufschub. Bald hatte es nicht Zeit gehabt, recht daran zu sinnen, bald hatte es eben daran gesinnet und gefunden, es sei besser, noch einen Sonntag oder zwei zu warten. Dann sagte es, es wolle vom Hochzeit gleich als Meisterfrau eintreten und nicht erst noch Magd sein, oder der Schuhmacher hätte seine Sonntagsschuhe, in den Holzböden könne es doch nicht wohl zum Pfarrer gehen, das Hochzeit anzugeben. So strich ein Sonntag nach dem andern vorbei. Da sass an einem stürmischen Sonntagsnachmittag die Base hinter dem Tisch und sagte: "Vreneli, gib mir doch die Brattig, sie hanget dort auf." Sie blätterte darin, weit von den Augen sie haltend, zählte mit dem dicken Finger die Wochen, zählte wieder und schrie endlich: "Weisst du, dass es bis zum fünfzehnten Merz, wo ihr das Leben antreten müsst, nur noch fünf Wochen sind? Du wüests Meitli hast die Sache bis dahin verdreht! Auf der Stelle geht mir jetzt und gebt mir das Hochzeit an! Das ist mir eine schöne geschichte! Jawolle!" Vreneli wollte es nicht glauben, zählte nach, fand es endlich noch eine Woche zu früh und meinte, wenn sie nur einen Tag oder zwei vor dem Fünfzehnten Hochzeit hielten, so wäre es lange früh genug. Aber davon wollte die Base nichts hören. Uli schlug sich auf ihre Seite, und wenn schon nicht selben Sonntag, so sollte doch in selber Woche das Hochzeit beim Pfarrer zu Üfligen angegeben und derselbe ersucht werden, in Beider Heimat zu schreiben, damit es auch dort verkündet werde. Am Montag hatte aber Vreneli seine Schuhe noch nicht vom Schuhmacher, am Dienstag schien ihm der Mond zu heiter. Alle Leute würden es ja kennen durchs Dorf ab, sagte es. Am Mittwochen war das Zeichen ihm nicht gut genug, auch sei der Mittwochen ja eigentlich kein Tag, behauptete es. Es stehe an diesem Tag ja kein Jungfräulein ein, und sei das Hochzeitangeben noch wichtiger, als einen Dienst anzutreten, wo man ja das ganze Jahr daraus könne, wann man wolle. Endlich am Donnstag gingen alle mit Ernst hinter ihn es und sagten ihm, das sei kreuzdumm getan. Es hätte sich der Sache doch nicht zu schämen und einmal müsse es sein, gäb es geschehe einen Tag früher oder später, und es sollte froh sein, wenn es einmal geschehen sei.
Glücklicherweise hatte der Schuhmacher die Schuhe gebracht, und der liebe Gott sandte ein grässliches Schneegestöber, dass kein Mensch mit offenen Augen ein Dutzend Schritte gehen konnte, und eine Nacht legte sich zwischen Himmel und Erde, wie keine noch so dick und schwarz gewesen war. Als es nun so recht strub machte, Schnee und Riesel an die Fenster prätschten, fingershoch an den Rahmen hingen, der Wind schaurig durch das Dach pfiff, die Nacht dick und finster zu den Fenstern ein kam, das Lämpchen selbst sich ihrer kaum erwehren mochte, die Katzen schaudernd die Feuerplatte suchten, der Hund an der Küchentüre kratzte und mit dem Schwanz zwischen den Beinen unter den Ofen kroch, da sagte Vreneli endlich: "Jetzt, Uli, mach dich zweg, jetzt wollen wir gehen, jetzt guggen uns die Leute gewiss nicht nach." "Du bist mir doch das wüstest Gret", sagte die Base. "Nein, bei solchem Wetter käme ich dir auch nicht, wenn ich Uli wäre, da könntest du alleine gehen." "Das kann er machen, wie er will", sagte Vreneli, "aber wenn er heute nicht kommt, so gehe ich nachher nicht mehr. Und wenn seine Liebe so gross ist, wie er sagt, so tut ein solches Wetter ihm nur wohl." "Wohl, ich wollte dir, wenn ich Uli wäre!" sagte die Base. "Aber so nehmt doch das Wägeli, Hans kann euch führen, ihr kommt ja um in solchem Wetter." "Warum nicht gar, Base, auf