die Zugaben. Einiges, was ihm besonders gefiel, nahm zwar der Johannes zuhanden.
Es sei nichts als billig, sagte er, dass er auch etwas hätte gegen das Korn und Kirschenwasser, das der Schwager ihnen abgeläschlet. Die Zugaben erstreckten sich nicht nur auf den ganzen Viehstand, Schiff und Geschirr, sondern auch auf den Hausrat und die Dienstenbetten. Die Schatzung über alles war billig, so dass sie den Empfänger, wenn die Sachen ein, mal zurückgegeben werden mussten, nicht über Nichts bringen konnte. Es waren einige tüchtige Vorbehälte, die indessen bei dem billigen Zins zu übersehen waren. Uli musste ihnen eine Kuh füttern, zwei Schweine mästen, Erdäpfel genug geben, ein Mäss Flachssamen, zwei Mäss Hanfsamen säen, ein Pferd geben, so oft sie fahren wollten. Wenn man einig ist, so ist selten ein Vorbehalt zu schwer, gerät man aber in Missverhältnisse, so wird jeder Vorbehalt ein Stein des Anstosses.
Uli und Vreneli konnten ihr meistes Geld sparen und brauchten sehr wenig anzuschaffen; der versprochene Trossel blieb ihnen auch nicht aus, ein Bett und einen Schaft erhielten sie, wie man sie selten schöner sieht. Johannes sandte ihnen, ohne ihre Auswahl zu erwarten, eine schöne Wiege, die Vreneli lange nicht ins Haus lassen wollte, behauptend, die sei verirret.
Aber was das dem Uli zu sinnen und zu denken gab, wie er alles anzustellen hätte in Feld, Stall und Haus; wie es ihm angst machte bald um das Korn, bald um den Lewat, bald ums Gras; wie er schon vor Fasnacht, wenn der Bysluft ging, jammerte, es gebe in diesem Jahr nicht Heu; wie hundertmal er rechnete, aus was er den Lehenzins schlagen, wieviel er verspielen, wieviel gewinnen könne, das kann nicht wohl erzählt werden. Es ist aber auch begreiflich, dass es einem jungen Anfänger im ersten Jahr, das ihm den Boden unter den Füssen wegnehmen oder einen Boden darunter gründen kann, etwas bange wird; ein alter, reicher Bauer nimmt es schon kaltblütiger. Da tut es ihm wohl, wenn er oft zu dem auf, sieht, der in seinen geheimen Kammern den Bysluft macht und den Schnee, der Heuschrecken sendet und den Tau fallen lässt. Wenn er aufblickt zu dem da oben, so kommt ihm der Trost ins Herz, dass der den jungen Anfänger so wenig vergessen werde als den Sperling auf dem dach, als die Lilie auf dem feld , sobald derselbe seiner nicht vergisst. Allgemach wird er es lernen, aber nur allgemach, fleissig sein und treu und alles auf das beste tun, dann aber dem Herrn getrost es überlassen, was daraus werde, und kummerlos das Gedeihen erwarten oder das Fehlschlagen; wird mit ergebenem Herzen zusehen können, wie der Hagel die Felder zerschlägt, die Flammen das Haus zerstören, und getrost und ohne Heuchelei sagen: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Uli sah viel auf zu dem, der so schön ihn geführt bis dahin, und vergass keinen Abend seinen innigen Dank; aber das stürmische Meer im Herzen, das Wogen der Gedanken in der Brust wollte sich nicht legen: er war zu neu aufgeregt, zu viel stürmte auf einmal auf ihn ein.
Vreneli klagte gar manchmal, er sei nicht mehr sein alter Uli, habe keinen Spass mehr, keine Worte, keine Ohren. Sie hätten noch so viel abzureden, und da sitze er, staune; es sei, als ob die Worte ihm im Halse gefrören, und es könne manchmal eine ganze Stunde reden, ohne Antwort zu bekommen. Wenn es gewusst hätte, dass der Brautstand so langweilig sei, so hätte es ihn geschickt Band hauen. Statt zuweilen mit ihm zu schätzelen und Flausen zu haben, sinne er darüber nach, was ihm mehr abtrage, eine Füllimähre oder zwei Ferlimore, oder welche Kühe besser Milch geben, die rotschäcken oder die schwarzblöschen. Wenn Vreneli so mit Uli kifelte, so weckte das ihn wohl auf und er tändelte und lachte manchmal eine ganze Viertelstunde lang, bis ihm der Ernst und das Sinnen wieder kam. Vreneli, so leichtfertig es schien, war innerlich nicht minder ernst, konnte es aber verbergen. Es war von den Leuten, die äusserlich immer lustig und leichten Sinnes scheinen, die tiefen Gedanken aber in der Tiefe des Herzens verbergen, so dass man sie ihnen gar nicht zutraut. Es konnte auch halbe und ganze Nächte sinnen, was ihm als Hausfrau alles obliege, wie es dieses und jenes machen wolle, dass es am besten komme, konnte aus vollem Herzen seufzen, ob es wohl der Aufgabe gewachsen sei, konnte mit nassen Augen Gott bitten um seinen Beistand und seine hülfe, seinem schweren amt getreulich vorzustehen und Uli glücklich zu machen. Von diesem allem sieht man am Morgen nichts mehr, der feuchte Glanz in den Augen scheint von dem Rauch in der Küche zu kommen. Es fährt herum wie auf Rädern und trällert seine Liedchen wie ein harmlos Rotkehlchen, und wo es Uli erwischen kann, möchte es mit ihm spassen, ihn necken. Hinter dem Tändeln aber sitzt der ernste, innige Gedanke, Uli glücklich machen zu wollen, und wenn es leichtsinnig mit ihm zu schätzeln scheint, so ist es nur, um einen Augenblick seinen Kopf an Ulis Brust legen, sich seines Glückes reche bewusst werden zu können, eine Seele zu besitzen, ein vernünftig Wesen sein nennen zu können.
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