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rückwärts fiel er zurück, fuhr mit der Hand ins Gesicht, und drei ausgeschlagene Zähne rollten ihm entgegen. Nun neuer Lärm von allen Seiten. Des Johannese stimme schallte vor allen in gewaltigem lachen. Ds Elisi wusste nicht, sollte es auf den Mann los oder auf Vreneli und machte nach beiden Seiten hin seine kleberigen Fäustchen. Vreneli rief: "Sag noch einmal, ich lüge, wenn du darfst! Es sind noch mehr Scheiter da!" Die weiche Mutter lief nach wasser und einem Lumpen, Trinette kickerte und sagte: So einen herrscheligen Mann, der meine, alle seien für ihn da, begehre es nicht. Joggeli schüttelte den Kopf, ging ins Stübli und las den Akkord wiederum.

Sobald der Baumwollenhändler das Blut sich ausgewischt und recht wieder reden konnte, begehrte er auf über Vreneli, redete vom Verklagen und wie er es nicht tue, dass es hier auf dem hof bleibe, und Joggeli nickte mit dem kopf dazu. Vreneli aber stunde ungesinnet vor ihm und hätte ihn gleich noch einmal in die Finger genommen, wenn die Mutter ihn es nicht gehalten, aber seine Zunge konnte ihm niemand halten. "Verklag du nur," rief es, "ich will dann mit den andern Jungfrauen kommen; sie können auch sagen, was sie von dir er, fahren, vielleicht wissen die Knechte auch etwas." "Beweise es, dass ich etwas mit dir gewollt oder mit den Jungfrauen. Ich kann beweisen, wie du mich geschlagen." "Du Kuh! Da ist einer nicht ein Esel und nimmt Zeugen mit, wenn er ein Mädchen verführen will. Aber es wäre böse, wenn ein Mädchen sich seiner Ehre nicht mehr wehren dürfte, so stark es mag, oder es hätte Zeugen, und wenn es einem den Grind ab, schlüge und nicht nur Zähne in den Hals!" "Wir wollen sehen, was der Richter sagt", rief der Baumwollenhändler.

"Meinetalben kann er sagen, was er will, und wenn er ein Bock ist wie du und dir recht gibt, so mache ich es ihm wie dir. Wenn das Gesetz für die Hurenbuben und Diebe und Händler und Richter da ist, so schlägt man euch das Gesetz um dGringe, bis ihr gesetzlich zufriedengestellt seid. Ich bin nur ein Meitschi, aber es nimmt mich wunder, ob ich diesen Weg das Gesetz nicht noch viel kräftiger anwenden könnte als so ein abgejagtes Böcklein, wie du bist und mancher Andere. Hast du dich nicht still, so wollen wir sehen!"

Aber der Händler hatte sich nicht still, räsonierte fort und fort, jedoch ungefähr so, wie eine Kolonne, die sich zurück, ziehen will, um so hitziger feuert, um den Rückzug zu decken. Er sagte dem Elisi: In einem solchen Haus bleibe er nicht länger, wo er sei wie vogelfrei und ein jedes Rindvieh auf ihn schlagen dürfe und ein jedes ertaubete Mädchen; dem wolle er es aber zeigen und ihm sagen, wie und mit wem er es angetroffen. Er machte einen Lärm mit seiner Unschuld, dass ds Elisi auch halb taub wurde, begriff, ds Vreneli hätte eigentlich seinen Mann verführen wollen, und eilenden Schrittes ging, diesem wüst zu sagen. Während es sich dort fast Schläge holte, ging er in den Stall, befahl anzuspannen und begegnete dabei dem Uli, der bereits von der andern geschichte wusste, so puckt, dass der ihm sagte, wenn er sich nicht alsobald zum Stall aus mache, so werfe er ihn ins Bschüttiloch, a wolle ihm seine Hitz vertreiben. Derselbe begehrte auf und sagte Uli: Er solle nicht meinen, weil er eine unehliche, schlechte Dirne zöke, die etwas verwandt sei, so sei ihm alles erlaubt; er sei der Knecht und sie ein schlecht Mensch und damit punktum. Da sagte Uli, er wisse ganz genau, welche das schlechter Mensch sei, ob ds Elisi oder Vreneli, und wenn er es hätte machen wollen wie er, so wäre Elisi nicht seine Frau geworden. Aber die Rechten seien aneinander gekommen, sie schickten sich zusammen wie Mist und Mistbähre. Er solle jetzt schweigen und gehen, sonst zeichne er ihn auch noch, obgleich es ihm zuwider sei, einen anzurühren, den ein Meitschi geprügelt. Der Baumwollenhändler wollte vielleicht Streit, aber Uli liess sein Ross herausführen; das trieb den Herrn aus dem Stall, und als er wieder hineinkam, war Uli nicht mehr da. Endlich reisten er und Elisi ab, aber unter vielen Drohungen: Wie man erfahren solle, was man an ihnen getan, und wie man sie nicht mehr sehen werde an einem Orte, wo man sie so behandelt.

Es leichtete allen ordentlich, als sie fort waren, und Johannes versprach dem Vreneli ein Stück Hausrat zur Ehesteuer, es könne auslesen, was es wolle, weil es den Schwager so tüchtig abgeklopft. Er wollte gerne eine Dublone geben, wenn er klagen würde; dem wollte er Sünden einbrocken, dass er daran erstikken sollte.

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie Vreneli und Uli auf hochzeitlichen Wegen gehen

und endlich Hochzeit halten

Von da an ging die Sache vonstatten, viel besser, als Uli gedacht hatte, und er musste manchmal denken, es gehe ihm besser, als er verdient, und musste denken, was sein alter Meister gesagt: der gute Name sei ein eigenes Kapital und mehr wert als Geld und Gut. Der Lehenzins war billig, was aber die Hauptsache ausmachte, das waren