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. Er sei sein Lebtag dagewesen, und Vater und Grossvater. So weit man sich hintern besinnen möge, sei der Hof in der Familie gewesen; da solle Keiner kommen, der auf der Gasse jung gewesen, und ihm befehlen, was er auf demselben machen solle. Er solle ihm zahlen, was er ihm weggenommen. Es dünke ihn, er sollte für einmal genug haben und sich schämen, noch mehr zu begehren, und er solle nicht meinen, weil er so herrschelig daherkomme, so könnte er mit ihnen machen, was er wolle. Wenn er die Kleider nicht aus ihrem Gel, de bezahlt hätte, so wisse man nicht, ob er noch solche tragen würde.

Der Tochtermann liess sich aber nicht erschrecken. Er lasse sich das Geld nicht vorhalten, sagte er. Ob sie denn eigentlich so dumm seien, zu glauben, er hätte seine Frau wegen etwas anderem als wegem Geld genommen? Dass sie ein halbwitzigen Schlärpli sei, hätte ihr ja jedermann angesehen. Aber wenn er eigentlich gewusst hätte, was sie für ein wüstes Reib, eisen, eine hässige Krot, eine faule Sau sei, er hätte sie mit keinem Stecklein anrühren mögen, und wenn sie noch einmal so viel Geld gehabt hätte. Jetzt hätte er sie ins Teufels Namen und müsste sie einstweilen behalten; jetzt wolle er dazu sehen, dass er auch zu dem Geld komme, das ihm gehöre. Er lasse sich noch lange nicht absprengen, und sie sollten versichert sein, dass je wüster sie gegen ihn seien, er um so wüster tue und alles seine Plättere entgelten lasse; die wolle er rangieren, dass es des Salzfaktors Jagdhunde besser haben sollten als sie. Da fiel dem Joggeli und der Mutter das Herz, und sie wären vielleicht dem aufbegehrischen Tochtermann hingekniet, aber Johannes war da. "Mach es nur," sagte der, "je wüster, desto besser, wir wollen dir den Marsch bald gemacht haben. Je eher du abgesprengt wirst, desto besser ist es. Denke an die Krone zuund was du da treibst! Du verfluechte Bueb! Mit fünfzig Kronen scheiden wir, und dann wirst du zum Geltstag getrieben, das ist das Beste für einen solchen Donner, wie du bist; dann kannst du ds Land ab und Rüben fressen." Sie erschrecken ihn noch lange nicht, antwortete der Tochtermann. Mit dem Geltstag könnten sie es probieren, wenn sie wollten, sie kämen an den Unrechten. Was bei der Krone gegangen sei, gehe sie nichts an, er wolle es auf eine Untersuchung ankommen lassen, und wenn man zu Frevligen nachfragen wollte, so brächte man vielleicht viel ärgere Dinge heraus. Wenn sie die Schande haben wollten, dass ihre Tochter so bald sich scheiden müsse, so sei es ihm recht, er frage nichts darnach. Er wolle ihnen dann aber den Marsch machen.

Indessen er so aufbegehrisch redete, zog er doch in etwas seine Pfeifen ein, besonders da Johannes sich nun auf seine Worte berief: Sie sollten jetzt sehen, was sie für einen Donner von Tochtermann hätten. Es geschehe ihnen aber recht, sie hätten nichts glauben wollen, und er sollte sie jetzt eigentlich im Stiche lassen mit ihm. Aber es sei ihm auch um seinetwegen; wenn er den Donner machen lasse, so käme es bald dahin, dass die Glungge an eine Steigerung kommen müsste. Davor wolle er sein, er könne darauf zählen. Von einer Steigerung musste der Tochtermann endlich schweigen; aber nun wollte er sich in den Akkord mischen und ihn machen nach seinem Sinn, also auf eine Weise, dass Uli unmöglich hätte eintreten können. Er warf ihn aufs Papier, und Joggeli gefiel er so übel nicht; er fand von manchem, daran hätte er nicht gedacht, die Mutter aber und Johannes widersetzten sich: Was wollte doch so ein baueliger tusigs Donner von einem Lehenakkord wissen: keinem Hund würde man einen solchen machen, und je wüstere Akkorde man mache, desto weniger würden sie gehalten und desto mehr müsse das Gut darunter leiden.

Während man darüber stritt im Stübli, versuchte der Baumwollenherr Privatgeschäfte bei Vreneli, wollte mit ihm so unterhandeln, dass wenn es ihm nachgebe, so wolle er auch mit dem Akkord nachgeben, und liess sich wohl nah zu ihm her, an. Das aber, nicht faul, nahm ein buchenes Scheit, fuhr auf ihn dar wie eine Furie und traktierte ihn jämmerlich. Das gab grässlichen Spektakel. Vreneli schlug, der Tochtermann schrie die ganze Verwandschaft schoss zu allen Türen aus und sah den Herren vor Vrenelis Scheit in alle Ecken fliehen. Die Einen lachten, die Andern schrien, Johannes hatte gute Lust, zuzugreifen; niemand gab Auskunft, es war wie beim Turmbau zu Babel. Endlich schoss der Herr in eine geöffnete tür, und Vreneli wurde vom Verfolgen abgehalten. Wie eine glühende Siegesgöttin stunde es da mit dem Scheit in der Hand oder wie ein Engel mit flammendem Schwerte vor dem Paradiese der Unschuld und rief dem fliehenden, blutenden Baumwollenhändler nach: "Weisst du jetzt, wie ein Bernermeitschi akkordiert und mit was es den Akkord unterschreibt, du keibelige Uflat!" Und frankweg ohne Hehl erzählte es, was der Lumpenhund ihm für Anträge gestellt. Da öffnete dieser die tür und rief: "Du lügst!" Aber ehe das Wort noch recht aus dem mund war, fuhr das buchene Scheit aus Vrenelis starker Hand akkurat durch die geöffnete tür dem Lügner ins Gesicht mitten hinein, und