zuerst z'grechtem davon reden."
So geschah es auch.
Die Weitläufigkeiten der ganzen Unterhandlung zu beschreiben, wäre für manchen Lehenmann belehrend, allein für diesmal aus guten Gründen nur Folgendes. Joggeli war die ganze Sache mehr als recht, und doch machte er Umstände und Vorbehälte, an denen die ganze Sache hätte scheitern müssen, wenn er fest darauf bestanden hätte; aber so wie er erfinderisch war im Ersinnen, so war er wieder schwach im Nachgeben, sobald man ihn zu fassen wusste, und das verstund der Vetter Johannes, der als Mittelsmann und Bürge recht gefällig sich finden liess. Und wenn alle an waren, so wusste Vreneli noch den besten Rat und fand den Ausweg. Joggeli sagte aber oft: Er könne nicht begreifen, warum Uli so eine nähme mit einem blutten Füdle und einem Maul wie eine Schlange. Wenn er so ein Bursch wäre und ein solches Lehen in den Händen hätte, er wollte viel tausend Pfund erwyben. So eine Gexnase würde er nicht mit dem rücken an, sehen, und dreissig Kronen wollte er ihm das Lehen wohlfeiler geben, wenn das Ketzer Meitschi ihm wegkäme; das würde dem lieben Gott Blau für Weiss machen, wenn sie je zusammenkämen, was er aber nicht glaube.
Man war fast richtig, als der Tochtermann die Sache vernahm und einen Mordsspektakel begann. Der wolle erst gar nichts davon wissen und behauptete, sie hätten ja die Verabredung getroffen, dass er ihnen die Produkte abnehme und zu hohen Preisen seinen Bekannten verkaufe. Er hätte deshalb Akkorde getroffen und könne nicht zurück. Endlich wollte er den Hof selbst ins Lehen nehmen trotz seinem brillanten Geschäft, von dem er behauptete, es trage mehr ab als sechs solcher Höfe. Er tat so wüst, drohte auf solche Weise und ds Elisi musste wüst tun und mit allem Grässlichen drohen, dass die ganze geschichte fast rückgängig geworden wäre. Den beiden Alten kam es grässlich vor, wenn sie an einem Unglück schuld sein sollten, wenn ds Elisi mit seinem Mann deswegen in Streit käme oder es krank würde oder es ihm sonst schadete in seinen Umständen. Ein jedes sagte: "Mach, was du willst, aber gib mich dann zuletzt nicht an die Axt, ich will nicht schuld sein." Da gab Vreneli dem Sohn Johannes einen Wink, dass es darauf und daran wäre, dass sein geliebter Schwager Lehenmann in der Glungge würde. Johannes, dem es, seit er Gaden und Spycher durch seinen Schwager gefährdet sah, sehr reche war, dass das Gut in eines Lehenmanns hände kam, und Uli als einen guten Landwirt recht gerne darauf sah, indem er einst den Hof lieber gut als schlecht zuhanden nahm, kam mit Trinette dahergefahren wie eine Bombe und traf es eben, dass ds Elisi und sein Mann auch da waren. Das gab nun Donnerwetter um Donnerwetter, obgleich es mitten im Winter war. Der Tochtermann machte sich zuerst sehr aufbegehrisch und wollte den Johannes von oben herab traktieren und ihn einschüchtern mit Oberarm Dreinreden. Aber Johannes kannte als Wirt diese Sorte von Leuten auch und redete noch mehr Oberarm drein, zudem hatte er eine gewaltige Faust, die dem Baumwollenhändler abging; mit dieser schlug er auf die Tische, dass alle Türen aufsprangen. Auch hielt er dem Baumwollenhändler Sachen vor, die dieser lieber hier nicht gehört hätte, seine vielen Schulden und vielen Streiche. Woher er den Landbau kennen wolle, da er im Bettel aufgewachsen? Sie hätten seinen Vater oft hier in der Glunggen über Nacht gehabt im Stall, sie sollten sich nur an den alten, verhudelten Mann mit der Drucke und den Schuhen ohne Sohlen erinnern. Er möchte nur die Alten aushäuteln, den Lehenzins könnten sie im Himmel suchen. Uli müsste das Lehen haben, und sollte er den Donners Bauelebueb mit eigenen Händen erwürgen, brüllte er und manövrierte demselben mit seinen dicken Händen so nahe am Halse herum, dass alles Zetermordio schrie und ds Elisi sicher ohnmächtig geworden wäre, wenn es gewusst hätte, wie man das mache. Aber der Baumwollenhändler hatte eine zähere natur als seine Bauele. Kaum war er nicht mehr blau im Gesicht, so gab er mit Verachtung den Gedanken, selbst Lehenmann zu werden, auf. Er wollte ein Narr sein, sagte er, ihnen seine hülfe aufzudringen, sein Geschäft trage ihm hundertmal mehr ab als so ein Schyssgüetli. Gerade ihretwegen, damit sie nicht mir fremden Leuten es machen müssten, hätte er es übernehmen wollen. Wenn man ihm seine Guttätigkeit so aufnehme, so könnten sie machen was sie wollten, er sei recht froh darüber. Aber das fordere er, dass man das Gut an eine Steigerung bringe und es dem Meistbietenden gebe, das hätte er das Recht zu fordern. Er wüsste nicht, warum man einem solchen Lümmel, da nicht fünfe zählen könnte, ohne fünfmal zu verirren, den Vorzug geben wolle.
Da ging der Streit von vornen an, in den nun auch Joggeli sich mischte, da er sich vom Sohn unterstützt sah. Das gehe ihn hell nichts an, sagte Joggeli seinem Tochtermann; er könne verleihn, wie er wolle, er sei denn doch noch nicht bevogtet. Solange er lebe, solle in der Glungge keine Steigerung sein, und auch nach seinem tod nicht; er wolle es ihm vermachen, dass es hafte, er sei ihm gut dafür. So einer, von dem man noch jetzt nicht wisse, wo er jung gewesen, solle ihm nicht kommen und ihm hier in der Glunggen befehlen wollen