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nichts dir nichts, dass ich mich fast zu tod gewundert habe, und hast Vreneli und Uli mitgenommen. Du musst doch nicht meinen, dass ich so dumm sei und nichts merke, was hinter meinem rücken abgekartet wird. Aber ich bin auch noch da und es ist nicht bravs von dir, so mich zum Narren zu halten und mit fremden Leuten unter dem Hütli zu spielen gegen mich. Aber warte nur, ich will es dir reisen. Ich will zeigen, wer Meister ist."

Nun bekam die gute Frau keine Antwort mehr, sie mochte vorbringen, was sie wollte, so dass sie endlich sagte: "He nun dann, so sei meinetalben Meister und arbeite meinetalben den Hof selbst und mache die Haushaltung auch noch dazu, ich aber will nichts mehr damit zu tun haben." Brummend wälzte sie sich auf die andere Seite, schlief wieder ein und stunde am Morgen später als sonst, schweigend und schmollend auf. Lustig tanzte Vreneli im haus herum, es war, als ob es über Nacht Federn in die Beine bekommen hätte und eine Mundharmonika zwischen die Zähne. Ganz verwundert sah die Base dem Wesen zu und sagte ihm endlich, als sie allein waren: "Ist es dir über Nacht anders gekommen, willst du ihn jetzt?" "O Base," sagte Vreneli, "wenn Ihr mich zwingen wollt, was will ich dagegen machen als mich zwingen lassen? Und so, wenn Ihrs zwingen wollt, so zwingts; aber ich will nicht schuld daran sein, es mag kommen, wie es will!" "Du bist eine gottlose Dirne, mir den Mann zu verspotten," sagte die Base. "Aber das lachen wird dir schon vergehen, wenn du hörst, dass Joggeli nichts vom Lehen hören will. Er ist bös darüber, dass alles hinter seinem rücken abgekartet wurde, und sagt jetzt, er sei Meister, er wolle es uns reisen." Aber das lachen verging Vreneli nicht, sondern es lachte nur: Der Vetter wolle auch gezwungen sein, wie es zum Heiraten. Am besten käme man zurecht mit ihm, wenn man nichts mehr von der Sache sage und sich stelle, man wolle fort. Es mache ihm jetzt schon angst, was er um Weihnacht anfangen wolle, zu einem andern Knecht könne er sich nicht entschliessen. Wenn er in acht Tagen noch nicht selbst mit der Sache komme, so wolle es den Tischmacher kommen lassen und ihm ein Trögli zu machen befehlen, wie Mägde zu tun pflegen, wenn sie zügeln wollen. Helfe dieses nicht, so müsse man ihm sagen, Uli komme zum Johannes, man habe neuis gemerkt; dann fange er von selbst von der Sache an und sage: "So zwängets, wenn ihrs zwängen wollt, aber ich will an nichts schuld sein, es mag gehen, wie es will." "Du bist eine Tüfels Hex", sagte die Base; "ich glaube, du wärest imstande, ein ganzes Chorgericht zum Narren zu halten. Das wäre mir nie in den Sinn gekommen, und sind wir doch jetzt bald vierzig Jahre bei einander."

Und richtig: wie Vreneli, das dem Uli eingeschärft hatte, es anzusehen, wie wenn er lauter taub wäre, gesagt hatte, ging es. Der Tischmacher brauchte nicht zu kommen. Lange vor Verlauf der acht Tage fing Joggeli mit seiner Alten zu zanken an: Wie sie alles hinter seinem rücken mache, zu allen Leuten Vertrauen habe und nur zu ihm keines; er möchte doch endlich wissen, was sie jetzt mit dem Uli ausgemacht habe. Es wäre Zeit, dass er auch etwas davon wüsste. Da sagte sie, sie habe nichts mit ihm ausgemacht und nichts angefangen, das sei seine Sache, sie mische sich nicht darein. Er habe ja gesagt, er sei Meister. Da begehrte Joggeli noch mehr auf, dass seine Frau ihn so im Stich lasse und sich gar nicht darum bekümmere, wie es gehe; es sei doch ihre Sache so gut als seine und er wüsste nicht, warum immer alles an ihn kommen solle. Er wollte, sie solle gehen und mit Uli reden, und wenn er schon eine andere Frau nähme als ds Vreni, so sei es ihm gleich; das sehe ihn seit einiger Zeit so unverschämt und spöttisch an, dass es ihn schon manchmal gelüstet habe, ihm die Hand ins Maul zu geben. Aber seine Frau wollte nicht, nach Vrenelis Instruktionen; das sei Mannssache, behauptete sie. Da sagte er, wenn sie nicht gehen wolle, so schreibe er dem Tochtermann, er solle ihm einen Knecht oder einen Lehenmann senden, der werde ihm das schon machen. Da liess die Alte das Herz fallen und übernahm den Auftrag. Als sie mit demselben zu Vreneli kam, sagte dieses: "O du gute Mutter, hast du dich zwingen lassen! Aber Mutter, Mutter, wie konntest du glauben, dass es Joggeli Ernst sei, vom Tochtermann einen Knecht oder einen Lehenmann zu nehmen! Hättest du nur noch einmal herzhaft Nein gesagt, so hätte er gesagt: He nun, wenn du mir nichts zu Gefallen tun willst, so will ich mit Uli reden, aber ds Vreni, die Täsche, begehre ich nicht, und es mag herauskommen, wie es will, so bin ich nicht schuld daran, mir wäre es nie in Sinn gekommen. Schicke ihm aber Uli hinein, er soll und muss doch mit ihm