für die Ewigkeit, soll es ihn dann nicht hin zu dieser Seele ziehen mit Himmelsgewalt, soll es ihn nicht in ihre Augen, die Tore der Seele, hineinziehen, um das Gefühl lebendig zu erhalten, eins mit einer Seele zu sein in Zeit und Ewigkeit? Dieses Einswerden mit einer Seele von ganzem Herzen, ganzem Gemüte und allen Kräften, in welcher Vereinigung alle Ichsucht untergeht, ist das nicht auch ein Vorläufer des Einswerdens mit Gott, welchem ebenfalls unsere Selbstsucht zum Opfer fallen muss? Und wie der, der eins geworden ist mit dem Vater im Himmel, denselben vor Augen hat, wenn die Sonne scheinet und wenn die Nacht Finsternis bringt in jedes Land und jede kammer, soll dann dem, der eine Seele gewonnen, nicht auch vergönnt sein, diese Seele zu suchen und wieder zu suchen, so oft die Räume und Geschäfte der Erde sie ihm aus den Augen tragen? Der tiefe Seelenzug in diesen zeiten wird selten recht verstanden, bringt daher auch selten die rechten Früchte. "Sie machen recht närrisch mit einander," hört man sagen, "sie machen einem Längizyt." Das glaube ich gerne, aber warum gönnt man ihnen nicht die ungestörte Freude an einander? Ach Gott, die Welt und die Furcht der Welt vor ihrem eigenen Fleische! Ach Gott, die Welt und ihre Neugierde, die sehen will, wie Zwei zusammen tun, und dann, wenn sie keinen rechten Sinn zu einander haben, sagt: "Die Beiden lob ich mir, die sind recht vernünftig; wenn man es nicht wüsste, man merkte es ihnen gar nicht an, dass sie Brautleute wären." Ich möchte fast sagen, das sei eine vermaledeite Vernünftigkeit, welche für die Seele und ihr Sehnen keine Empfänglichkeit hat, höchstens für des Leibes Reize, deren Empfänglichkeit man allerdings lieber im Dunkeln zeigt, meistens nur für des Geldes verhängnisvolles Klingen. Vreneli und Uli hätten kaum verstanden, was da geschrieben steht, aber diesen Zug der Seelen empfanden sie. Kaum waren sie getrennt worden, so suchten sie sich wieder, und der Brunnen war die heilige Stätte, wo so oft sie sich suchten und fanden. Noch nie hatte Vreneli so viel wasser in die Küche gebraucht, Uli noch nie so viel zu waschen oder zu tränken gehabt.
Während beim Brunnen ein junges Glück aufging, hielt ein altes Ehepaar im Stübli seine Zwiegespräche. Joggeli und seine Frau erwachten frühe, und den alten Gliedern die nötige Ruhe gönnend, erachteten sie diese Stunde am schicklichsten, ein vertrautes Wort zu wechseln. Nachdem die Frau an Joggelis unruhigem Drehen dessen Erwachen wahrgenommen, fragte sie: Ob er seiter nichts von einem Knechte vernommen, ob gestern keiner dagewesen sei? Weihnacht rücke, so könne das doch nicht gehen. Nun begann Joggeli sein altes Klagelied über Elisis Heirat, an der er nicht schuld sei und die ihm Uli forttreibe. Seit der da sei, trage ihm der Hof jährlich tausend Pfund mehr ein. Wenn doch das Meitschi habe heiraten müssen, so wollte er zuletzt lieber, es hätte Uli genommen als so einen ungefütterten Baumwollenhändler. Er hätte keinen Magen, einen andern Knecht zu suchen; wenn er nur Uli wieder haben könnte, es reute ihn kein Geld.
Sie wisse nicht, wie das gehen solle, sagte die Frau; sie habe mit Uli geredet, allein er habe nichts davon hören wollen, länger hier Knecht zu sein. So hätte mans, sagte Joggeli, die Frauen machten alles, wie sie wollten; sie begehrten alles zu regieren, und wenn etwas krumm gehe, so sollten es die Männer gerade machen. Er hätte vorausgesagt, das käme so, sie könne seinetalb jetzt selbst einen Knecht suchen. Wenn das so gemeint sei, sagte sie, so wolle sie mit allem nichts mehr zu tun haben. Wer am Ende bös hätte, wenn alles schlecht ginge, als sie, die die Haushaltung machen müsste? Das Beste wäre, sie würden das Gut zu Lehen geben; sie wüsste eigentlich nicht, für wen sie bös haben sollte bis ins Grab. Es danke ihr doch zuletzt niemand dafür, sondern je mehr sie zusammengehüselet habe, desto mehr lache man sie aus. Das sei ihm auch recht, sagte Joggeli, er begehre nicht länger zu pflanzen, damit ihr Tochtermann komme, die Sache nehme und das Geld für sich behalte. Aus freien Stücken habe er ihm eine Ehesteuer gegeben, grösser als mancher Landvogt sie gebe; es schiene ihm, der könnte zufrieden sein und ihn jetzt ruhig lassen. Wenn sie ihm einen anständigen Lehnsmann wüsste, so wollte er noch heute mit ihm die Sache richtig machen. Sie wüsste keinen bessern als Uli, sagte sie. "Uli?" sagte Joggeli. "Ja, wenn der besser hintersetzt wäre und eine anständige Frau hätte, so wäre mir der der Rechte, aber so kann er kein solches Gut übernehmen." He, sagte die Mutter, eine bessere Frau als Vreneli wüsste sie nicht, und sie glaube, sie hätten nichts wider einander. Daneben sei Uli auch nicht mittellos, und vielleicht würde Vetter Johannes ihm helfen, wenn man es begehrte; es dünke sie, derselbe habe gar viel auf Uli. "So, so," sagte Joggeli, "es ist also schon alles richtig!" "Was richtig?" fragte sie. "Glaubst du," sagte Joggeli, "ich solle nichts merken? Du bist nicht umsonst nach Erdöpfelkofen gefahren so mir