well dih! Sellig wett ih zehn an jeden Finger kriegen, ich müsst nicht eine Sellige sein, wie ich bin. Aber wart ume, ds Kuderjoggis Annebäbi, dem will ich sagen was es für eine ist, und ich will nicht lebig dadänne cho, wenn ich dem nicht sein Maul auftue, dass man es zu Merligen für ein Tennstor brauchen könnte. Das verflucht Mönsch dich so gegen mich aufzureisen! Aber du kannst es noch machen, wie du willst; kömmst du hinecht, wohl und gut, so will ich dirs vergessen und dir auftun! Kommst du aber nicht, so lueg de, was geht, und ich will keine gesunde stunde mehr haben, wenn ich dir noch einmal auftue! Jawolle, so wüst zu tun und so dr Gring z'machen!"
Uli wohlete es bedenklich, und er ward ganz trotzig und sagte: Seinetwegen brauch es hinecht nicht auf dem Ellbogen zu schlafen, er bleibe lieber daheim, als dass er Andern ihre Suppe ausessen wolle, und mit einer Selligen wolle er sich nicht mehr bschyssen. Es solle jetzt seiner Wege gehen und ihn ruhig lassen, er hätte genug von ihm. Da fing Anne Lisi aufs neue an wüst zu tun: bald sagte es ihm alle Schande, dann heulte es über die Schlechtigkeit des Mannenvolks, dann rühmte es sein gutes Herz, das so schändlich angeführt werde seiner Güte wegen und weil es so einem Schysshung getraut habe. Dann flattierte es dem Uli wieder auf das zärtlichste und sagte: Es sei ihm noch Keiner so lieb gewesen von denen, die es an sein Herz gelassen; es hätte sich für ihn können lassen lebig schinden, und es dünke ihn es, es well ihm ds Herz zerschryssen. Aber Uli blieb unbeweglich, und als er genug hatte, fuhr er mit seiner Grasbähre nach haus und liess Anne Lisi im Klee stehen. Aber bei sich setzte er hoch ein, dasmal sei er entronnen, und das wolle er sich als Warnung dienen lassen und so müss ihm Keine mehr kommen aus einem Haselhag hervor.
Und seiner gesprengten Fesseln sich freuend, liess er ein Jodeln ertönen, dass seine Kühe in den Bahren fuhren, die Pferde in die Zügel schossen, die Katze ab dem Ofen sprang, der Hund aus seinem Stalle kroch und die Jungfrau sagte: "Was kommt wohl den Uli an, den Göhl, dass er so ablässt? Man hat ihn fry lang nicht gehört."
Bald darauf führten Meister und Knecht Steine zu einem neuen Stubenofen. Auf dem Heimweg kehrten sie ein, da sie einen weiten und bergichten Weg hatten. Da der Meister nicht hundshärig war und vom schlechtesten Wein befahl, wenn der Knecht bei ihm war, und für zwei Personen nur um einen halben Batzen Brot aufstellen liess, so wurde Uli auf dem Rest des Weges gesprächig. Er erzählte dem Meister die Begegnung mit Anne Lisi und wie er froh sei, dass er nun des Kummers und dem Mensch ein für alle Male los sei. Es hätte ihm gewohlet, er könne es niemand sagen wie. Er begreife erst jetzt, was man mit dem Sprüchwort sagen wolle: Es sind mir Zentnersteine ab dem Herzen gefallen. Der Meister freute sich der Nachricht, aber warnte, er solle es nicht machen wie gar Viele, die, solange sie die Folgen ihres Lasters fühlen, reuig seien, dann aber wiederum um die Sünde herumfahren wie die Fliege um ein Licht, bis sie sich die Flügel verbrannt und vielleicht ein für alle Male. So kenne er manchen Trunkenbold, der allemal, wenn er sein Geld ver- und einen sturmen Kopf ertrunken, sich vornehme, sich nie mehr so zuzuputzen – und das nächstemal, wenn er zum Wein komme, sei er wieder ein volles Kalb. So gehe es Manchem mit dem Weibervolk: die, welche meinen, die Listigsten geworden zu sein, die gebe es oft am wüstesten. "Nein, Uli, halt dich jetzt, so kannst du noch einen Mann abgeben, wie ich es dir ausgelegt habe," sagte der Meister.
"Los, Meister," sagte Uli, "ich habe der Sache nachgesinnet, und der Pfarrer, wo dich unterwiesen hat, ist nicht ganz ein Narr gewesen; aber was ein Baurenknechtli für Lohn hat und was er braucht, davon hat er nichts gewusst; er wird gemeint haben, ungefähr so viel als ein Vikari. Aber du solltest es besser wissen und solltest es wissen, dass es aus sei mit Fürhusen und Reichwerden. Ich habe manchen Tag lang gerechnet, dass es mir fast den Kopf obenabgesprengt hat; aber ich habe immer das Gleiche herausgebracht: aus Nichts wird Nichts, und nüt von nüt geht auf." "Wie hast du denn gerechnet?"
sagte der Meister. Uli machte ihm die ganze Rechnung punktum wieder durch, und als er fertig war, fragte er spöttisch den Meister: "Und jetzt, was sagst du dazu, ist es nicht so?" Der Meister sagte: "Deiner Rechnung nach macht es allerdings so viel; aber man kann noch ganz anders rechnen, Bürschli. Los einmal, ich will dir jetzt auch eine Rechnung machen auf meine Art; es nimmt mich wunder, was du zu dieser sagen wirst."
An dem, was du für deine Kleidung angesetzt hast, will ich nicht viel ändern. Es ist möglich, dass du, wenn du dich ordentlich instand stellen und namentlich Hemder haben willst,