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sie noch glücklich werden könnte, wenn es ginge, wie sie in schlaflosen Nächten es sich ausgedacht. Wenn Zwei mit einander glücklich werden könnten, so wären sie es. Sie habe Joggeli manchmal gesagt, sie hätte ihrer Lebtag nie zwei Menschen gesehen, die einander so wohl verstünden in der Arbeit und einander so behülflich seien. Wenn sie so fortführen mit einander, so müssten sie zu schönem Vermögen kommen. Was sie ihnen behülflich sein könnten, das würden sie tun. Sie hätten es nicht wie viele Lehenherren, denen nicht wohl sei, wenn nicht alle zwei Jahre ein Lehenmann auf ihrem Gut zugrunde ginge, und die allemal schlaflose Nächte hätten und am Zins aufschlagen wollen, wenn einmal der Lehenmann zu rechter Zeit den ganzen Zins geben kann, weil sie fürchten, er habe das Lehen zu wohlfeil. "Nein, gewiss," sagte sie, "wir wollten tun an euch, wie wenn ihr unsere eigenen Kinder wäret, und einen Trossel müsste Vreneli haben, dessen keine Baurentochter sich zu schämen hätte." Aber wenn ihr das nicht gerate und Vreneli wüst tun wolle, so wüsste sie nicht, was anfangen, sie wollte lieber nicht mehr heim. Sie wolle ihm nichts fürhalten, aber das hätte sie doch nicht um ihn es verdient, dass es jetzt so wüst tue; sie hätte öppe getan an ihm, was ihr wohl angestanden sei. Und das Wüstmachen tue es ihr express zuleid, sie merke es wohl. Es sei schon lange nicht mehr wie sonst gegen sie. Und gar herzlich weinte die gute Frau.

"Aber Base," sagte Vreneli, "wie könnt Ihr auch so reden? Ihr seid ja meine Mutter gewesen, für eine solche habe ich Euch immer gehalten, und wenn ich für Euch durchs Feuer sollte, ich besänne mich keinen Augenblick. Aber so einem Schnürfli, der mich nicht begehrt, lasse ich mich nicht anhängen. Wenn ich denn endlich einen haben muss, so will ich doch einen, der mich lieb hat und mich meinetwegen nimmt und nicht mitsamt den andern Kühen mich zum Lehen begehrt." "Wie kannst du auch so reden" sagte die Base, "hast du nicht gehört, dass er gesagt hat, er habe dich schon lange lieb gehabt?" "Ja," sagte Vreneli, "das sagen sie alle, Einer wie der Andere; wenn man aber an dieser Lüge ersticken müsste, es würde wenige Hochzeit geben. Er wird auch nicht besser sein als die Andern; wenn Ihr nicht zuerst vom Hof angefangen hättet, Ihr hättet dann sehen können. Und es ist auch nicht recht von Euch gewesen, mir nichts von allem zu sagen und mich da so ungesinnet ihm darzuwerfen wie einer Sau einen Tannzapfen. Wenn Ihr mir zuerst ein Wort gegönnt hättet, so hätte ich es Euch sagen können, was Trumpf ist bei Uli. Er sagt auch: Geld, du bist mir lieb, und dann soll eine verstehen: Gäll, du bist mir lieb!" "Du bist ein wunderlich Gret," sagte die Base, "und tust ärger, als wenn du die vornehmste Herrentochter wärest." "Eben, Base, weil ich nichts bin als ein Meitschi, so steht es mir wohl an, vornehm zu tun und mich da nicht so vorwerfen zu lassen. Ich glaube, ich habe ein grösser Recht dazu als manche vornehme Tochter, sei es dann meinetalb eine Herren- oder eine Baurentochter." "Aber Vreneli," sagte Uli, "was vermag ich mich dessen, und soll ich es jetzt entgelten? Du weisst im Herzen wohl, dass ich dich lieb habe, und ich habe so wenig von dem gewusst, was die Base im Sinne hatte, als du. Es ist daher nicht recht, dass du es an mir auslassest." "Ach," sagte Vreneli, "erst jetzt merke ich, dass das Ganze eine abgeredete Sache war; du würdest dich sonst nicht versprechen, ehe ich dich angeklagt. Das ist erst recht wüst und ich will von der ganzen Sache nichts mehr hören, ich lasse mich nicht so hineinsprengen, wie man die Fische ins Garn sprengt."

Damit wollte Vreneli wieder auf und fort, aber die Base hielt es fest am Kittel und sagte ihm: Es sei das wüstest und misstreust Mönsch, wo an der Sonne herumlaufe. Seit wann sie hinter seinem rücken unter dem Hütli spiele? Das sei wahr, wegen dieser Sache habe sie zum Vetter begehrt und dessetwegen habe sie Beide mitgenommen. Aber was sie im Sinn gehabt, habe niemand gewusst, nicht einmal Joggeli, geschweige denn Uli. Sie habe dem Vetter den Auftrag gegeben, dem Uli die Würme aus der Nase zu ziehen, und es sei wahr, der habe Vreneli grusam gerühmt, so dass der Vetter ihr gesagt, Uli nähme Vreneli lieber heute als morgen, aber er dürfe ihm nichts sagen, er fürchte, es halte ihm ds Elisi vor. Daraufhin habe sie gedacht, sie wolle reden, wenn Uli nicht dürfe, denn dass ihm Uli nicht anständig sei, das überrede sie niemand, sie habe ihre Augen noch nicht am rücken. Er vermöge sich also dessen nichts. "Aber warum kommt er denn heute in die stube, wo ich einpacke," fragte Vreneli, "und will mir ein Müntschi geben? Das hat er noch nie getan."

"He," sagte Uli, "ich will es