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die eine Hand auf dem Tische, den breiten Rükken behaglich hinten am stuhl, sagte: "Errate mal, du kennst sie wohl." Uli sah herum an allen Wänden, er konnte das rechte Wort nicht finden, es war ihm, als ob er einen Erdäpfelstock von einem ganzen Sack Erdäpfel im Halse hätte, und Vreneli trippelte ungeduldig hinter die Base und sagte: Sie wollten doch machen und fort, es finstere ja schon. Aber die Base hörte Vreneli nicht, sondern fuhr fort: "kommt es dir nicht in Sinn? Du kennst sie wohl, es ist ein werchbar Mensch, tut aber zuweilen etwas uwatlig, und wenn ihr nicht zusammen zanket, so könnt ihr es sonst recht gut mit einander." Dazu lachte sie recht herzlich und schaute Eins ums Andere an. Da schaute Uli auf, aber ehe er eine Antwort hervorgeworget hatte, fuhr Vreneli dazwischen und sagte: "Geh und spanne an! Base, man kann den Spass auch zu weit treiben. Ich wollte, ich wäre nie mitgefahren. Ich weiss gar nicht, warum man mich nicht ruhig lassen kann. Gestern haben mich die Leute taub gemacht, und heute wollt Ihr es noch ärger machen. Das ist nicht schön, Base."

Uli war aufgestanden und wollte gehen, aber die Base sagte: "Hock doch nieder und los. Es ist mir Ernst, ich habe schon manchmal zu Joggeli gesagt, es schickten sich nie Zwei besser zusammen als ihr Beide, es sei, wie wenn ihr für einander gewachsen wäret." "Aber Base," rief Vreneli, "dr tusig Gottswillen, hört doch auf, sonst laufe ich fort. Ich lasse mich nicht ausbieten wie eine Kuh. Wartet doch nur bis Weih, nacht, da will ich Euch aus den Augen, oder wenn ich Euch so erleidet bin, noch vorher. Was wollt Ihr Euch so vergebene Mühe geben, Zwei zusammenzubringen, die einander nicht mögen? Uli fragt mir gerade so viel nach als ich ihm, und je eher wir von einander kommen, desto lieber ist es mir." Da ging doch Uli der Mund auf, und er sagte: "Vreneli, zürne mir doch recht nicht, ich vermag mich ja gar nichts dessen. Aber das muss ich dir sagen: wenn du mich schon hassest, so bist du mir schon lange lieb gewesen und ich wünschte mir keine bessere Frau. Es muss einer glücklich mit dir sein; wenn du mich wolltest, ich wäre glücklich genug." "So," sagte Vreneli, "jetzt, wo du vom Hof hörst und dass du ihn ins Lehen erhieltest, wenn du eine Frau hättest, bin ich dir auf einmal recht von wegen dem Hof. Du bist mir ein lustig Bürschli. Gell, wenn du nur den Hof kriegtest, so heiratest du jede Luenz ab der Gasse, jeden Zaunstekken aus einem Hag. Aber ohä! Du bist an der Lätzen, es ist nicht, dass ich einen Mann haben muss. Ich will gar keinen, allweg keinen, der jeden Dachen nimmt, wenn nur ein Tröpfli Öl daran hanget. Wenn ihr nicht fahren wollt, so laufe ich alleine heim," und somit wollte es zur tür aus schiessen. Aber Uli fing es auf, hielt es mit starkem Arm, wie es sich auch wehrte, und sagte: "Nein, wahrhaftig, Vreneli, du tust mir unrecht. Wenn ich dich haben könnte, ich wollte mit dir in die Wildnis, wo ich nichts als schwenden und reuten müsste. Es ist wahr, wo mir ds Elisi so flattiert hat, da ist mir der Hof in den Kopf gekommen und ich hätte es nur desstwegen genommen. Aber schwer hatte ich mich versündigt, denn schon damals bist du mir im Sinn gelegen, und ich habe dich immer hundertmal lieber gesehen als ds Elisi. Allemal wenn ich ihn es gesehen, so bin ich erschrocken, wenn du mir aber begegnet bist, so lachte mir allemal das Herz im leib. Frag nur den Johannes, ich habe es ihm heute morgen gesagt: eine Frau, wie du eine gibst, wüsste ich, so weit die Sonne scheint, keine bessere zu finden." "Lass mich gehen," schrie Vreneli, das während der schönen Rede getan hatte wie eine Katze am Hälsig und selbst mit Klemmen und Kratzen nicht schonte. "Ich will dich gehenlassen," sagte Uli, der männlich das Kratzen und Klemmen aushielt, "aber du musst mich nicht im Verdacht haben, als wollte ich dich nur, wenn ich Lehenmann werden könnte. Du musst glauben, ich hätte dich sonst lieb." "Ich verspreche nichts!" rief Vreneli, riss sich los mit eigener Gewalt und floh oben an den Tisch. "Du tust doch so wüst wie eine junge Katze", sagte die Base. "Ich habe mein Lebtag kein solch Meitschi gesehen. Aber tue jetzt vernünftig, komm hock da neben mich! Willst du kommen oder nicht? Ich gebe dir mein Lebtag kein gutes Wort mehr, wenn du nicht eine Minute da hokken und dich stille halten willst. Uli, sag, man solle noch eine Halbe bringen. Halt dich still, Meitschi, und rede mir nicht darein," sagte die Base und erzählte nun, wie es ihr wäre, wenn sie Beide fortgingen, was für böse Tage ihrer warteten, vergoss schmerzliche Tränen über ihre Kinder und wie