Meitschi, wenn sie noch Keinen haben oder der Rechte ihnen noch nicht gekommen." So wie Vreneli den Mund zur Antwort auftat, fuhr Uli, der ihnen ganz den rücken gekehrt und getan hatte, als höre er von allem nichts, zum bestimmten wirtshaus. Die Wirtin empfing sie und führte sie in eine apartige stube, wie die Base verlangt hatte, nachdem sie dem Uli gesagt, er solle bald nachkommen. Dort befahl sie Wein und auch etwas auf einem Teller oder zweien; das Fahren mache hungrig, sie hätte es nicht geglaubt.
Es war alles da, nur Uli nicht. Die Wirtin war nach ihm ausgeschickt worden, kam wieder mit dem Bescheid, dass sie es ihm gesagt, aber er kam doch nicht. Da sagte die Base: "Geh, Vreneli, und heisse ihn auf der Stelle kommen." Vreneli drehte und meinte, man solle ihn doch nicht zwingen; wenn er hungrig oder durstig wäre, er würde schon kommen. "Wenn du nicht gehen willst," sagte die Base, "so muss ich zuletzt noch selber gehen." Da ging Vreneli hässig und trieb mit hässigen Worten den bei den Keglern stehenden schmollenden Uli, der anfangs nicht kommen wollte, herbei. Seinetalben, sagte es, könnte er bleiben, wo er wäre, aber die Base befehle es. Er solle kommen, es hätte nicht Lust, ihm noch mehr nachzulaufen.
Uli kam endlich, auf die vielen Vorwürfe der Base wenig antwortend. Diese schenkte ihm tapfer ein, nötigte zum Essen und schwatzte allerlei durcheinander, wie es ihr bei Vetter Johannes wohl gefallen und wie sie jetzt wohl merke, wo Uli sei drässiert worden. Er müsste aber auch bsunderbar wohl für sie gewesen sein, denn noch jetzt hingen die Kinder an ihm, und sie hielten ihn ja wert fast wie ein Kind. "Du wirst wohl wieder zu ihnen wollen, wenn du bei uns fortgehst?" "Nein", sagte Uli. "Es ist sonst nicht der Brauch, dass man frägt, aber willst du mir es sagen, wo du hinkömmst?" sagte die Base. Er wisse es noch nicht, sagte Uli, es hätte ihm noch nicht pressiert, einen Platz zu nehmen, obgleich er manchen hätte haben können. "E nun, so bleibe du bei uns, das schickt sich für beide Teile am besten, wir sind jetzt an einander gewohnt." Sie solle es nicht für ungut haben, sagte er, aber er hätte nicht im Sinn mehr, Knecht zu sein. "Hast du etwas anderes?" fragte sie. "Nein", antwortete er. "Wenn du nicht mehr Knecht sein willst: wenn wir dir da unser Gut ins Lehen geben wollten?" Dies Wort traf Uli wie ein Stein. Er liess die mit einem Stück Schafbraten beladene Gabel aufs Teller fallen, behielt den Mund aber offen, drehte seine Augen gross wie Pflugsrädleni der Base zu und starrte sie an, als ob sie aus dem Mond herabkäme. Vreneli, das am Fenster gestanden war und sich über Ulis langes Essen geärgert hatte, drehte sich rasch um und horchte mit spitzigen Augen, was das geben sollte. "Ja, sieh mich nur an," sagte die Base zu Uli, "es ist mir Ernst mit der Frage: wenn du nicht als Knecht bleiben willst, würdest du wohl als Lehenmann bleiben?" "Frau," sagte endlich Uli, "wie sollte ich Euer Lehenmann werden können? Das vermag ich nicht, da muss einer anders hintersetzt sein als ich. Ihr wollt mit mir nur Eure Flausen treiben." "Nein, Uli, es ist mir Ernst," sagte die Frau, "und mit dem Nitvrmögen ist das nichts, das könnte man ja machen, dass das Anfangen dich nichts kostete, die Bsatzig ist da." "Aber was denkt Ihr, Frau," sagte Uli, "wenn das schon wäre, wer wollte mir Bürge sein? Ein einziges Fehljahr brächte mich auf einem solchen Gut zu Boden. Das Geschäft ist zu gross für mich." "He, Uli, das wird sich alles machen, und die wüstesten Hüng sind wir doch nicht, dass wir einen Lehenmann, der uns anständig ist, wegen einem einzigen Jahr zugrunde gehen liessen. Sag nur, du wollest, so wird sich das schon machen." "Ja, Frau," sagte Uli, "und wenn das sich schon machte, wer sollte mir die Haushaltung machen, Das will da was heissen." "He, nimm eine Frau," sagte die Base. "Das ist bald gesagt", antwortete Uli, "aber wo wollte ich wohl eine finden, die gut dafür wäre und die mich nähme?"
"Weisst du keine?" fragte die Base. Da stockte dem Uli das Wort im mund, und werweisend grübelte er verlegen mit der Gabel auf dem Teller. Vreneli aber sagte rasch: Es dunke ihn es, es wäre Zeit für fort, der Kohli habe den Hafer längst gefressen und Uli werde auch bald genug haben, sie könnten ein andermal mit einander Flausen haben. Ohne auf diese Worte zu hören, sagte endlich die Base: "Weisst du keine? Ich wüsste dir eine." Uli machte wieder Pflugsrädli gegen die Base zu, Vreneli sagte, es möchte die auch wissen. Die Base, in ungestörter, schalkhafter Gemütlichkeit,