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Sie bringe ihre armi türi nichts mehr hinunter; wenn sie noch ein Brösmeli essen sollte, es würde sie versprengen.

Während Uli anspannte, drückte sie des Vetters Kindern neues Geld in die hände, gäb wie die sich wehrten und ihre Eltern die Base mahnten, sie solle sich doch nicht solche Kosten machen, und den Kindern zusprachen, sie sollten doch nicht so unverschämt sein und es nehmen. Wenn sie es doch nahmen und zu der Mutter eilten und ihren Schatz zeigten, so hiess es: "Nein, es hat kei Gattig, wir müssen uns ja schämen." Und dann sagte die Base: Es sei ja nicht der Rede wert und sie sollten doch recht bald zu ihnen kommen und es ein, ziehen, was sie ihnen in den Kosten gewesen sei. Das werde sich schon geben, erhielt sie zur Antwort, aber sie hätte nicht so pressieren und noch einen Tag bleiben sollen. So unter vielen Reden kam sie endlich auf ihr Sitzwägeli und setzte oben das Reden fort, Vreneli alle ihre gemachten Betrachtungen mitteilend, deren in der Tat nicht wenige waren. Denn sie hatte manches gesehen, von dem sie sagte: "Wenn ich jünger wäre und noch besser möchte, das müsste mir auch sein."

Zu allem redete Uli nichts, war mit seinem Kohli beschäftigt, den er tüchtig traben liess, so dass endlich die Frau sagte: "Uli, fehlt dir etwas? Machst es dem Kohli nicht zu stark? Er ist nicht gewohnt, so zu laufen." Uli versprach sich und erhielt den Befehl, etwas über em halben Weg zu halten. Es sei ihr nicht nur wegen dem Kohli, sagte sie, sondern auch wegen ihr selbst. Hamme und Küchli zusammen machten ihr immer Durst. Vreneli sagte, auch ihm sei es recht, es hätte es gerade wie die Base, und heute werden sie doch in ein Wirtshaus können, ohne für ein Hochzeit gehalten zu werden. Man werde eher glauben, sie kämen von einer Gräbt, so mache Uli ein Gesicht. Er hätte keine Ursache, ein anderes zu machen, sagte Uli, am allerwenigsten seinetwegen. Am Samstag sei es nicht recht, wenn er lache, und am Sonntag nicht recht, wenn er nicht lache, es sei bald bös z'breiche. "Du bist puckt, Uli" sagte Vreneli, "ich habe nicht gewusst, dass man dir nichts mehr sagen darf." "So, zanket recht," sagte die Base, "das gefällt mir; was sich liebt, muss sich zanken, und ihr machet exakt wie Zwei am Tage nach der Hochzeit." Eben darum wolle es ja nicht heiraten, sagte Vreneli. Solange es ledig sei, mache es ein Gesicht für sich, wie es ihm gerade an, ständig sei. "Ich mache meine Gesichter auch für mich," sagte Uli, "und du brauchst sie gar nicht zu sehen, wenn sie dir nicht anständig sind. Habe nur noch ein wenig Geduld, so wird dir mein Gesicht nicht mehr im Wege sein." "Nit, nit!" sagte die Base. "Machet einander nicht zu guter Letzt noch böse und kommt mir taub heim. Man muss aus Spass nicht gleich Ernst machen, sonst kommt man nicht durch die Welt.

Und wenn man gleich so aufbrennen will, ach bhüetis, so ist es allerdings besser, man bleibe ledig! Ich bin als Meitschi auch aufbegehrischer natur gewesen und habe nichts leiden wollen, aber wenn ich bei meinem Joggeli so hätte bleiben wollen, so lägen er oder ich oder Beide im grab. Ich habe bald gesehen, dass eins nachgeben, sich ändern muss, und da ist die Reihe dazu an mich gekommen. Nit dass Joggeli nicht auch ein Gleich gemacht, er hat sich auch in manchem gebessert. Ich glaube nicht, dass Zwei zusammenkommen auf der Welt, die sich nicht mehr oder minder ändern müssen, wenn sie glücklich bleiben wollen." "Darum ist es am besten, man bleibe ledig", sagte Vreneli, "da kann man bleiben, wie man ist, und es grännet einen niemand an für nichts und wieder nichts." "Eh, Vreneli, sinnest denn nicht an Gott und dass der will, dass wir uns ändern und alle Tage besser werden? Ist dir der auch zu wenig, dass du um seinetwillen kein ander Gesicht machen willst, als dir anständig ist?" "Aber Base," sagte Vreneli, "wie kommt Ihr mir auch! Wir reden von einem Mann und Ihr kommt mir mit Gott, da ist doch ja gar keine Gleichheit. Wie einem Gott in Sinn kommen kann, wenn man von einem mann redet, begreife ich nicht. Wenn man von Männern redet, so sollte einem immer der Teufel in Sinn kommen, denn der ist ja auch ein Mann, und er hat das Weib verführt; wenn er nicht gewesen, so wären wir glücklich geblieben. Von einer Frau Tüfelin habe ich noch nichts gehört; das ist mir ein sicher Zeichen, dass der Teufel unter dem Weibervolk Keine seinesgleichen gefunden hat, sondern nur unter dem Mannenvolk. Unter dem gibt es ja ganze Legionen, wie es in der Schrift heisst." "Versündige dich nicht, Vreneli," sagte die Base, "du weisst nicht, was dir bestimmt ist. Ich glaube, du redest nicht, wie es dir ums Herz ist, sondern wie alle