sie sehen, dass man etwas absolut machen sollte, sie absolut etwas anderes wollen und einen versäumen, wie sie nur können. Aber doch ist es etwas hochmütig und kanns nicht vergessen, dass es aus einer vornehmen Familie ist, wenn es schon unehlich ist. Wenn ihm einer nur von weitem zu nahe kommt, so schnauzt es ihn an, als ob es ihn fressen wolle, und öppe Gspass mit ihm zu treiben und es auch etwas in den Finger zu nehmen, wie an vielen Orten der Brauch ist, das wollte ich Keinem raten. Es hat schon Mancher eine wüste Täschen herausgenommen." "Aber das will noch gar nicht sagen, dass es dich nicht nehmen würde", sagte Johannes. "Wenn es sich schon nicht von jedem will fingerlen lassen, so kann ich ihm das nicht für übel nehmen." "Ja, dann ist noch eins", sagte Uli. "Ich darf jetzt nicht mehr an Vreneli sinnen. Würde es mir nicht sagen: Gäll, jetzt, wo du die Reiche nicht haben kannst, jetzt soll ich dir gut genug sein! Hast du mir ja das grüne, gelbe Elisi vorziehen können, so will ich dich jetzt auch nicht; ich mag nicht einen, der so mit einem verschlampeten Bärentalpenstengel geschätzelet hat. Das muss es mir zur Antwort geben, und doch habe ich auch während der geschichte mit Elisi mehr an Vreneli gesinnet als an ds Elisi. Erst jetzt merke ich, dass mir Vreneli immer lieber gewesen ist. Und wenn ich das Meitschi hätte, ich wollte ausbieten, einen Hof zu übernehmen und darauf mehr zu machen als irgend ein Anderer. Aber jetzt ist es zu spät, es nimmt mich nicht, es ist gar ein Eigeliges." "He," sagte Johannes, "man muss nie den Mut verlieren, solange ein Meitschi noch ledig ist. Das sind wunderliche Greiser und tun gewöhnlich gerade das Gegenteil von dem, was man ihnen zutrauet. Wenn die Sache so ist, so wollte ich anhoschen, das Meitschi gefällt mir." "Nein, Meister, nicht um hundert Kronen wollte ich das Meitschi fragen. Ich weiss wohl, es zerschreisst mir fast das Herz, wenn ich von ihm muss und es nicht mehr alle Tage sehen kann. Aber wenn ich es fragte und es würde mich verachten, Nein sagen, ich glaube, ich hinge mich an die Bühnisleiter. Beim Dolder, ich könnte es nicht sehen, wenn es ein Anderer zur Kirche führte, ich glaube, ich würde ihn erschiessen. Aber das heiratet nicht, das bleibt ledig." Da begann Johannes gar herzlich zu lachen und fragte: Woher er wisse, dass ein solches Meitschi, dreiundzwanzig Jahre alt, ledig bleiben werde. "Oh," sagte Uli, "es nimmt Keinen; ich wüsste nicht, wer dem gut genug wäre."
Da sagte Johannes, sie wollten doch machen, dass sie heimkämen, ehe die Kirche aus sei, er möchte nicht in die Kirchenleute laufen. Uli folgte ihm, wenig redend, und was et redete, klang immer gegen Vreneli zu, bald dieses, bald jenes, und Johannes sollte ihm versprechen, ja kein Wort über seine Lippen zu lassen von dem, was er ihm gesagt. "Du Gäuchel du," sagte Johannes, "wem sollte ich etwas davon sagen?"
Die Base hatte daheim schon lange vor Ungeduld gezappelt, und sobald Uli und sein Meister in die stube traten, sagte sie zu Uli: "Geh doch in die stube, in welcher wir geschlafen haben, und sieh, was Vreneli macht. Es soll einpacken, wir wollen fort." Uli fand das Mädchen vor einem Tische stehend, wo es ein Fürtuch der Base zusammenlegte. Uli ging sachte hinter ihn es, schlang den Arm, aber ganz manierlich, um dasselbe und sagte: "dBase pressiert." Vreneli drehte sich rasch um, sah, wie über diese ungewohnte Vertraulichkeit verwundert, schweigend zu Uli auf. Dieser fragte: "Bist noch immer böse auf mich?" "Ich bin über dich nie böse gewesen", sagte Vreneli. "So gib mir ein Müntschi, du hast mir noch keins gegeben", entgegnete Uli und bog sich herab. In diesem Augenblick wand Vreneli sich so kräftig los, dass er in die halbe stube zurückfuhr; und doch war es ihm, als hätte er ein Müntschi erhalten, er glaubte noch deutlich an einem gewissen Fleck Vrenelis Lippen zu fühlen. Dasselbe aber fuhr mutwillig über ihn her: Es dünke ihn es, er sei zu solchen Flausen wohl alt, und wahrscheinlich werde die Base ihn nicht heraufgeschickt haben, um mit solchem Narrenwerk es zu versäumen. Er solle doch denken, was Stini, sein alter Schatz, dazu sagen würde, wenn es dazukäme. Es begehre nicht mit demselben einen Schwinget zu haben wie Ürsi. Dabei lachte es, dass es Uli ganz zerschlagen zumute ward und er die tür suchte so bald möglich.
Die Reise ging später vor sich, als man dachte. Denn als man anspannen wollte, musste man zuerst noch zu einem Mahl, wobei des Johannes Frau ihre ganze Kochkunst, den ganzen Reichtum ihres Hauses aufgeboten hatte. Obgleich die Base in einem fort sagte: "Herr Jeses, wer möchte doch auch von allem essen", so war doch des Nötigens kein Ende, und sie wurde nicht in Ruhe gelassen, bis sie erklärte: