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Mutter nicht gesagt hätte: Es solle doch nicht so dumm machen. Die, wo am wüstesten täten, die heirateten zuletzt noch am liebsten, wenn es Ernst gelte. "Einmal ich nicht," sagte Vreneli, "ich will keinen Schlufi, wie sie alle sind. Ich wüsste nicht, was ich so mit einem Schnürfli anfangen sollte." "He, öppe was die Anderen!" sagte die Mutter herzlich lachend und fuhr mit dem von nun an schmollenden Vreneli in den schönen Morgen hinaus.

In aller Farbenpracht hing das welke Laub an den Bäumen, im Schimmer seiner eigenen Abendröte, unter ihm streckte sich grün und munter die junge Saat aus, spielte lustig mit den blinkenden Tautropfen, die an ihrer Spitze hingen; geheimnisvoll und düftig dehnte sich über alles der Himmel aus, der geheimnisvolle Schoss der Wunder Gottes. Schwarze Krähen flogen über die Äcker, grüne Spechte hingen an den Bäumen, schnelle Eichhörnchen liefen über die Strasse und beguckten von einem rasch erreichten Ast neu, gierig die Vorüberfahrenden, und hoch in den Lüften segelten in ihrem wohlgeordneten Dreieck die Schneegänse einem wärmeren land zu, und seltsam klang aus weiter Höhe ihr seltsam Wanderlied.

Der Mutter verständig Auge schweifte lebendig über alles, ihre lauten Bemerkungen nahmen kein Ende, und manche kluge Rede ward zwischen ihr und Uli gewechselt. Besonders wenn sie durch Dörfer fuhren, häufte sich das Auffallen, de, und selten ein Haus bot ihr nicht gelegenheit zu einer Bemerkung. Es sei doch nichts, wenn man immer daheim hocke, sagte sie, da sehe man immer das Gleiche. Man sollte von Zeit zu Zeit im land herumfahren: da sehe man nicht nur etwas für den Gwunder, sondern könne auch viel lernen. Man mache die Sachen nicht an jedem Orte gleich und an einem Orte besser als am andern, und so könne man das Beste daraus nehmen. Sie waren nicht viel mehr als zwei Stunden gefahren, als die Mutter schon davon zu reden anfing, dass sie dem Kohli etwas werten geben müssen. Er seis nicht gewohnt, so lange zu springen, und sie wollte lieber ihn gesund wieder heim- bringen. "Halt du beim nächsten Wirtshaus," sagte sie auf Ulis Einreden, "und lueg, ob er nicht ein Immi Hafer nimmt. Es ist mir auch gleich, etwas zu nehmen, es will mich schier anfangen zu frieren."

Dort angekommen, befahl sie Uli: "Wenn das Ross den Hafer hat, so komm hinein." Noch unter der tür kehrte sie um und rief: "Hast du gehört? Komm dann!" Nachdem drinnen die Wirtin mit dem Fürtuch die Bänke abgewischt, gefragt hatte: "Womit kann man aufwarten?", eine gute Halbe und ein wenig Tee befohlen war, setzten sich die Frauen, sahen in der stube herum, machten halblaut ihre Bemerkungen und wunderten sich, dass es an dieser Uhr nicht später sei; aber Uli sei wohl geschwind gefahren, man sehe, es pressiere ihm, hinzukommen. Als endlich das verlangte da war mit der Entschuldigung, es sei wohl lang gegangen, aber das wasser sei nicht warm gewesen und das Holz habe nicht brennen wollen, sagte die Mutter zu Vreneli: Es solle doch Uli rufen, sie wisse nicht, warum der nicht komme, sie hätte es ihm doch zweimal gesagt. Als er da war und gehörig Gesundheit gemacht hatte, wollte die Wirtin ein Gespräch anfangen und sagte: Es sei heute auch schon ein Hochzeit durchgefahren. Da lachte die Mutter gar herzlich auf. Uli lächerete es auch, hingegen Vreneli wurde hochrot und zornig und sagte: Es seien nicht alles Hochzeit, was heute auf der Strasse sei. Es werden andere Leute auch noch das Recht haben, am Samstag herumzufahren, die Strasse werde nicht bloss für Hochzeitleute sein. Sie solle doch recht nicht zürnen, sagte die Wirtin sie kenne sie ja nicht; aber es hätte ihr geschienen, sie schickten sich wohl für einander, ein so hübsches Paar hätte sie nicht bald gesehen. Die Mutter tröstete die Wirtin, sie solle sich nur nicht lange verexgüsieren; sie hätten schon daheim ein grosses Gelächter gehabt und gedacht, es werde so gehen, und schon damals sei das Meitschi so bös geworden. "Das ist nicht schön von Euch, Base, dass Ihr mich auch helfet plagen," sagte Vreneli, "wenn ich das hätte wissen sollen, ich wäre gar nicht mitgekommen." "Es plaget dich ja kein Mensch", sagte die Base lachend. "Du tust so dumm, es würde sich ja manches Meitschi meinen, wenn man es für eine Hochzeiterin ansehen würde." "Ich darum nicht," sagte Vreneli, "und wenn man mich nicht ruhig lässt, so laufe ich noch jetzt heim." "Du wirst den Leuten die Mäuler nicht verbinden können und kannst froh sein, wenn sie nicht etwas Ärgeres über dich sagen", antwortete die Base. "Das ist mir genug, wenn mich die Leute verbrüllen mit einem, den ich nicht will und der mich nicht will."

Vreneli hätte noch lange geeifert, wenn nicht angespannt und weitergefahren worden wäre. Sie rückten rasch vor. Die Meisterin sagte öfters: "Machs nicht zu stark, Uli, wenn es nur dem Kohli nichts tut." Als sie hörte, dass sie nur noch eine Stunde von Erdöpfelkofen seien, befahl sie, im nächsten wirtshaus zu halten. Dort wollten sie etwas zu Mittag