verkauft, aber kein Geld. Er habe es gegeben, wie es im Handel üblich sei, auf halbjährigen Kredit, hatte er flüchtig gesagt. Das wollte Joggeli eben auch nicht am besten gefallen.
Vierundzwanzigstes Kapitel
Von einer andern Fahrt, welche durch keine
Rechnung fährt, sondern unerwartet eine schliesst
Das fiel der guten Mutter alles bei und dass dazu Uli und Vreneli fort wollten, dass dann der Tochtermann das Heft ganz in die Hand kriege, dass sie die Haushaltung machen solle mit Nichts, gegen die Armen schmürzelen, dass man ihr jede Kelle Mehl nachrechnen werde und alle ungeraden Male, wenn sie das Kücheln ankäme – und da kam sie ein Elend an, dass sie niedersitzen und weinen musste, dass man die hände hätte waschen können unter ihren Augen, so dass selbst Joggeli hinauskam und sagte, sie solle doch nicht so plären, es hörten es ja alle Leute und könnten meinen, was sie hätte. Was er gesagt habe, sei ja nicht der wert, sie wisse ja wohl, dass er allbe einist etwas sagen müsse. Auch Vreneli tröstete und sagte, sie solle das nicht so schwer nehmen, es gehe ja am Ende alles leichter, als man denke. Sie aber schüttelte den Kopf und sagte, man solle sie ruhig lassen, sie müsse sich selbst fassen können, das Reden helfe ihr nichts. Sie suchte nach Fassung manchen Tag. Man sah sie umhergehen schweigend, als ob sie Schweres im kopf wälze, sah sie hier und dort, wo sie sich unbemerkt glaubte, absitzen, die hände in den Schoss legen hie und da den Zipfel des Fürtuches ergreifen und mit der Rückseite die Augen trocknen.
Endlich schien es ihr zu leichten, das Ungewisse schien verschwunden, sie sagte: Es hätte ihr viel gewohlet, aber es düech sie, sie möchte neuehin, sie sei so blange, es besserete ihr, wenn sie einen Tag oder zwei fort könnte. Joggeli hatte diesmal nichts darwider, seine Alte hatte ihm selbst Kummer gemacht. Sie könne ja zum Sohn oder zur Tochter fahren, wohin sie wolle; Uli solle sie führen, er hätte jetzt wohl Zeit, meinte er. Nein, sagte sie, dahin möge sie nicht, da sei ein ewiges Gchär, und wenn sie die Säcke mit Neutalern füllte, sie hätte doch noch zu wenig. Aber es dünke sie, sie mochte einmal zu Vetter Johannes; man hätte es ihm schon lange versprochen, nie gehalten, und sie sei nie dort gewesen. Sie sehe da einen neuen Weg, eine unbekannte Gegend und könne vielleicht am besten vergessen, was sie drücke. Sie wolle Vreneli mitnehmen, das sei auch lange nie fortgewesen. Ans Hochzeit habe man es nicht mitgenommen, und es sei doch auch billig, wenn das Meitschi zuweilen eine Freude hätte. Gegen das Letztere hatte Joggeli Manches einzuwenden, indessen diesmal, der Alten zulieb, gab er nach und wollte zwei Tage sich leiden.
Uli freute sich, als er hörte, wohin er mit der Frau fahren sollte. Vreneli dagegen wehrte sich lange, hatte hundert Grün, de dagegen und gab erst nach, als die Base sagte: "Du bisch mr doch es wunderligs Greis, und kurz und gut, du kommst mit, ih befiehles."
Es war in den ersten Novembertagen eines schönen Herbstes an einem Samstag morgens, als das Sitzwägeli vor dem haus stunde, der Kohli herausgenommen, im Schopf mit geschäftigen Händen aufgeputzt und endlich von einem zum Fuhrwerk geführt wurde, während nun auch Uli seine Sonntagskutte anzog und stattlich mit der Geissel in der Hand an das Fuhrwerk sich stellte. Nicht lange darauf kam Vreneli, schmuck und schön wie ein aufgehender Morgen, einen kleinen Strauss an der Brust, und packte etwas ein. Dann kam die Mutter, geleitet von Joggeli, dem sie noch manche Anweisung zu geben hatte. "Die Leute werden glauben, ihr seiet ein Hochzeit," sagte Joggeli, "die fahren an einem Samstag im land herum. Ds Vreneli sieht gerade aus wie eine Hochzeiterin." "Öppis Dumms eso," sagte Vreneli und ward rot bis weit hinteren. "Uli muss noch einen Meien haben, dann meinen es alle Leute," rief eine schnippische Jungfrau, riss dem Uli den Hut vom Kopf und sprang damit ins Haus. Zornig war Vreneli aufgesprungen im Wägeli: "Mädi, willst du den Hut geben oder nicht? Was braucht Uli einen Meien? Sei mir nicht ds Hergetts, einen Meienstock anzurühren!" Als Mädi nicht hören wollte, wollte Vreneli ab dem Wägeli springen; aber die Mutter, lachend, dass es ihre ganze Gestalt erschüttete, hielt es am Kittel und sagte: "Was willst du? Lass das doch gehen, das ist nur lustig. Vielleicht sieht man ja mich für die Hochzeiterin an, wer weiss?" Die sämtliche Hausbewohnerschaft nahm an dem Spiel teil und lachte über Vrenelis Zorn, der sich gar nicht wollte besänftigen lassen, während Uli in den Spass eintrat und seinen Hut tüchtig in den Kopf drückte, den Vreneli ihm abzureissen suchte, um den Meien wegzunehmen. Es hätte ihm doch noch denselben abgerissen, wenn nicht die Mutter gesagt hätte, es solle nicht so dumm tun und den schönen Meien verstrupfen. Das wäre doch noch lange nicht das Grüslichste, wenn man sie schon für ein Hochzeit ansehen würde. Es wolle es aber nicht, sagte Vreneli und nahm den eigenen Meien von der Brust und hätte ihn fortgeworfen, wenn die