wüst gemacht und er wird denken, er wolle nicht da den Leuten zum Gespött sein und dazu sein Lebtag für Andere werchen, wenn man es ihm am Ende so macht." "Aber was sollen wir jetzt auch anfangen?" sagte die Mutter, "so einen kriegen wir nicht wieder. Er ist manierlich, fromm, arbeitsam, es ist allen wohl dabei, man hat nichts von Streit gehört, und wenn er fortgeht, so ist alles anders; ich darf gar nicht daran denken." "Es geht mir gleich", sagte Vreneli. "So, wie es vorher gegangen ist, mag ich nicht mehr dabeisein. Es ist mir leid, Base, aber ich muss Euch bei diesem Anlass auch sagen, dass ich nicht mehr dableiben kann, ich will auch fort." "Was, du? Was hab ich denn dir zuleid getan? Uli und du werden es abgeredet haben" "Nein, Base," sagte Vreneli, "Uli und ich haben nichts miteinander abgeredet, wir haben nichts miteinander. Ihr habt mir auch nichts zuleid getan, Base, Ihr seid immer eine Mutter an mir gewesen, und wenn alles auf mir gewesen ist, so habt Ihr Euch meiner angenommen; ich werde Euch das nie vergessen, solange ich lebe, und solange ich bete, werde ich für Euch beten, dass der liebe Gott Euch vergelten wolle, was Ihr an mir getan." Und Vreneli weinte und längte der Base die Hand, welcher auch wieder grosse Tropfen über die roten Backen rollten. "Aber warum, du wüests Meitli, willst dann fort, wann du mich lieb hast und ich dir nichts zuleid getan?" fragte diese. "Ich bin an dich gewohnt, du hast mir alles zuvorgetan. Wenn ich etwas habe machen wollen, so war es gemacht; wie soll ich jetzt, wo ich alle Tage älter werde, bald nichts mehr mit mir ist, die schwere Haushaltung machen?" "Base, es ist mir leid, aber ich muss fort; ich habe mich verredet, ich wolle mir von Elisi nicht allemal wüst sagen lassen, wenn es mit seinem Mann kommt. Allemal hält es mir vor, ich wolle ihm den Mann verführen, und halt mir alle Suppenbröckli vor, die ich hier gegessen. So kann ich nicht länger dabeisein. Wenn mich sein Schminggel einmal anrührte, ich schabte mir die Haut bis auf das Bein ab, so gruset es mir ab ihm. Ich habe ihm gesagt, ich wolle ihm aus dem Wege und wolle mir nicht alles vorhalten lassen, ich sei jetzt nicht mehr dr Gottswille da." "Ach," sagte die Mutter, "du musst dich des Elisis nichts achten, du kennst es ja, es ist immer ein Wüstes gewesen, und was es sagt, hat nichts zu bedeuten. Warum lässt du mich entgelten, was es dir sagt?" "dafür kann ich weiss Gott nichts", sagte Vreneli. "Warum kann Elisin niemand in Zucht und Ordnung halten? Ich muss ihm aus dem Wege. Dann ist noch eins, aber ich will es nur Euch gesagt haben. Sein Mann ist allerdings mehr hinter mir drein, als nötig ist, das wüst Böckli! Aber habe er nur sorge: kommt er mir zu nahe, so überschlage ich ihn, dass er mit den Beinen am Himmel bhanget. Ach, Base, das geht jedenfalls nicht mehr gut hier, ich könnte ohne, hin so nicht mehr dabeisein; der Tochtermann macht schon jetzt, als ob nur er zu befehlen hätte und schon alles sein wäre."
Daran war etwas Wahres. Die reiche Fülle, welche bei der üblichen Sparsamkeit in der Haushaltung herrschte, wo es auf eine Mass Milch, ein Pfund Anken, ein Brot mehr oder weniger nicht ankam, über die Eier keine Rechnung geführt, arme, ohne sie zu zählen, gespiesen wurden, hatte er aufs Korn genommen. Manchmal schon in der kurzen Zeit hatte er dem Joggeli vorgerechnet, wie viel er eigentlich sollte verkaufen können, jetzt trage ihm das Gut nicht einmal zwei Prozente ab. Wenn er das Geld für das Gut in seinem Geschäft hätte, so wollte er wenigstens acht Prozent daraus ziehen. Allemal darauf hatte dann Joggeli gemuckelt, über den vielen Verbrauch mit seiner Frau gebalget und gemeint, sie sollte da oder dort abbrechen. Als man ihn in Spycher und Gaden herumgeführt, in Tröge und Schäfte hatte blicken lassen, erstaunte er über die reichen Vorräte. Das trage doch gar nichts ab, sagte er, das verliege ja. In den Sachen liege ein bedeutend Kapital, das nicht nur kein Prozent abtrage, sondern sich am Ende selbst aufzehre. Wenn sie nur das Überflüssigste verkaufen wollten, und gerade jetzt sei ein günstiger Moment, so garantiere er ihnen: wenigstens dreitausend Pfund wollte er lösen. Aber er würde es nicht den Unterhändlern hier verkaufen, die gewöhnlich fünfzig Prozent Gewinn nähmten, sondern direkt den ersten Abnehmern. So hatte er ihnen Garn, Flachs, Tücher, Schnitze, Korn, Kirschenwasser abgeschwatzt, bedeutend Kisten und Kasten ernüchtert, dass der guten Mutter das Herz blutete und sie sich des Weinens fast nicht entalten konnte. Sövli use, sagte sie, syg si nit gsi, sit si heige afa huse. "Bhüetis Gott vor ere tür Zyt, was fing ih a, ih dörft niene warte." Er hatte Nachricht gebracht, dass er alles vortrefflich