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machen werde und, so viel man merke, Vermögen besitze, die Dritten. Je näher das Ende des Termins kam, desto schwerer ward das Herz den Alten, besonders der guten Mutter, der Joggeli alles aufbürdete. Sie wären lieber zurückgegangen, ja die Alte hätte Elisi fast lieber dem Uli gegeben; allein so oft davon die Rede war, tat Elisi wie eine Besessene, verdrehte die Glieder, bekam Schaum vor den Mund, dass sie sich vor dem fallenden Weh fürchteten. Als der Termin aus war, an einem Tage, an welchem es regnete und windete, dass man nicht leicht einen Hund zur tür ausgelassen hätte, kam der Baumwollenhändler wieder angefahren. Trübselig wie sein Herbeifahren war sein Empfang. Es zeigte sich kein Knecht, das Ross abzunehmen, Elisi blieb wegen dem Luft zehn Schritte von ihm am Schermen stehen, keine Jungfrau kam mit einem Regenschirm, die Alten zeigten sich nicht. Es ging noch ärger, als wo Uli anlangte als neuer Meisterknecht.

Es ging lange, bis er unter Dach war, nass und fröstelnd, lange, bis er sein Gesicht in die üblichen freundlichen Falten gelegt, und noch länger, bis die Alten kamen, aber auch frostig, so dass alle waren, Elisi ausgenommen, wie wenn sie bei zwanzig Grad Kälte in einem ungeheizten Zimmer einander amüsieren sollten. Nach langen Vor- und Einreden fragte endlich der Baumwollenhändler: Ob er jetzt wohl den Ring, den er mitgebracht, der Jungfer Elise als seiner lieben Braut an den Finger stecken dürfte. Die Alten machten beträchtliche Gesichter. Eins sah das Andere an, endlich sagte Joggeli: Er wisse neue nit, sie hätten allerlei vernommen, und der Sohn sei sich neue gar nicht zufrieden. Das Letztere sei ihm ganz begreiflich, sagte der Händler; aber wenn er die Ehre hätte, ihren Herrn Sohn persönlich zu kennen, so würde er garantieren, dass derselbe nichts gegen ihn hätte als eben, dass er seine Jungfer Schwester heiraten möchte und somit an seinem künftigen Erbe ihm zu schaden scheine. Ebenso begreiflich sei ihm das Andere. Er hätte schon lange viele Neider gehabt, und jetzt seien noch viel mehr derselben entstanden, die ihm sein Glück missgönnten und ihn von Jungfer Elise zu trennen suchten. Nun erzählte er lange Geschichten, was man ihm von ihnen erzählt und wie man ihn abspenstig zu machen gesucht, ihm vorgestellt, wie er betrogen, unglücklich werden werde. Aber er kenne die Leute zu gut, kenne nicht umsonst den Weg von Moskau bis Lissabon, dass er ihn mit verbundenen Augen finden könnte; er wüsste, was die Leute seien und könnten. Sie könnten sich nun denken, wenn man über sie, so ehrbare, honette Leute, die ein so geregeltes Leben auf ihrem Gute führten, solche Dinge erzählen könne, so müsste man sicher von ihm, dem lebhaften jungen Mann, noch viel leichter etwas zu ersinnen wissen. Es seien nie Zwei zusammengekommen, dass den Leuten die Mäuler nicht voneinandergegangen.

Er wisse neue nicht, sagte Joggeli, aber es düeche ihn, es wäre wohl am besten, wenn man sich nicht pressierte und noch so ein Jahr wartete; während der Zeit lernte man sich besser kennen, und Beide seien noch jung, sie veralteten nicht. In zwei oder drei Jahren könnten sie perfekt gleich heiraten wie jetzt und wären Beide um so viel witziger geworden. Man habe ja Beispiele, dass Leute zwanzig Jahre miteinander versprochen gewesen wären, und es heisse, die seien gerade am glücklichsten gewesen, und er glaube es, da habe man der Zeit gehabt, einander dLün abzluegen. Wenn man so zsämefüsslige dareinspringe, so fehle es eim gar gerne. Da fing ds Elisi zu heulen und zu schreien an, und als man endlich vernahm, was es sagte, so waren es grässliche Protestationen gegen solche Verzögerung. Sie wollten es metzgen, schrie es, damit der Kerli zFrevligen desto mehr hätte; aber so wahr ein Gott im Himmel sei, sollte es sie gereuen, es wisse schon, was es mache usw.

Nachdem der Baumwollenhändler diesen Ausbruch hatte wirken lassen, besänftigte er Elisi mit zärtlichen Reden und wandte sich dann in rührsamer Ausdrucksweise an die Eltern. Ob sie das Herz hätten, ihr Kind so unglücklich zu machen und ihn dazu; sie könnten ja sehen, wie sie aneinander hingen. Und warum unglücklich machen ihr eigenes Kind? Wegen neidischen, unbegründeten Äusserungen, die bei jeder Heirat üblich seien? Warum? Weil ein Bruder, der, wie es scheine, viel nötig habe, nicht gerne mit seiner Schwester teilen wolle? Nein, so hart, so unbarmherzig, so steinernen Herzens könnten sie sicher nicht sein! Nein, er wisse, sie seien gute, liebe Leute und glaubten an Gott und an eine Seligkeit, und darum bitte er noch einmal bei seiner und ihrer Seligkeit um die Hand der teuren Jungfer Elise, damit sie miteinander die Pfade der Tugend und der Moral wandern könnten, bis sie Gott einst zu einem seligen Leben hinaufnehme in seinen Himmel, wo sie einander alle wiederfinden und alle in alle Ewigkeit miteinander glücklich sein könnten. Der guten Mutter liefen die Tränen wieder über die roten Backen, und Joggeli sagte: "In Gottsname, wenn ihrs zwingen wollt, so zwingts; aber ich will nicht schuld sein, es mag gehen, wie es will." "In Gottsname," sagte die Mutter, "es hat so sollen sein, und wenn etwas sein soll, da