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Verkündigung alsobald erfolgen könne. Man müsse die gute Jahreszeit profitieren, um noch eine rechte Hochzeitreise zu machen, wohin es seine Elise gelüste. Nun erst begann Elisis jubel, und dann plärete es wieder über den Aufschub, es hätte die Reise gleich jetzt antreten mögen.

So verrann der Tag. Der glückliche rüstete sich zum Aufbruch und wollte mit Pomp, dahinfahren. Dem Vreneli wollte er einen Zehnbätzler in die Hand drücken, es wandte sich rasch weg und sagte, es nehme kein Geld. Vor der Küche traf er auf die, die sein Ross zäumten, denen Uli zu hülfe kommen musste, weil es den Kopf gar hoch hielt. Da druckte er unversehens Uli auch einen Zehnbätzler in die Hand. Wie der sah, was er hatte und wer es gab, liess er es, ohne ein Wort zu reden, fallen, wie wenn es ihn gebrannt hätte, machte den Zaum zurecht und tat, als wenn der Herr und sein Geld gar nicht da wären. Derselbe las den Zehnbätzler wieder auf und dachte bei sich: Das sind mir puckte Leute, denen will ich es eintreiben.

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Von nachträglichen Verlegenheiten, welche statt des

Friedens aus der Verlobung kommen

Als er endlich fort war und die Leute wieder zur eigentlichen Besinnung kamen, fanden sie sich schweren Herzens, Elisi ausgenommen. Was wird Uli machen, was wird Johannes sagen, wie wird alles gehen? rüttelte die Leute gewaltig aus ihrem ruhigen Leben auf. Zu ihrer grossen Verwunderung sagte Uli nichts und tat so kaltblütig, als ob ihn das nichts anginge, und wenn seine Mitdiensten ihn aufziehen wollten, so schmunzelte er, dass die Leute nicht wussten, woran sie mit ihm waren. Ja mehr und mehr konnte er es auch von ganzem Herzen tun, denn jetzt, da die Sache vorbei war, war es ihm, als ob er, aus schwerem, dummem Traum erwacht, viel leichter geworden sei. Das Geld, das Gut hatte ihn wie mit einem Blendwerk umstrickt, er musste die Sache nun von dieser Seite ansehen und übersah Elisis Persönlichkeit mehr und mehr. Jetzt, da ihm diese wieder ins grelle Licht trat, jetzt ging er mehr und mehr dem Standpunkt zu, auf welchem er Gott danken musste, dieser Gefahr entronnen zu sein. Mehr und mehr begriff er, wie unglücklich ein Mann bei allem Gelde sein müsse mit einem solchen Ding zur Frau. Jetzt erst begann er seinen alten Meister zu fassen, und er dachte manchmal, wenn er nur bald zu ihm käme, dass er ihm sein Misstrauen abbitten könnte. Indessen stunde es in ihm fest, den Dienst aufzusagen, da wollte er nicht mehr bleiben; er wartete nur eine gelegenheit ab, es zu tun. Wo ein solcher Halunk Tochtermann sei, da sei seines Bleibens nicht, dachte er, und dass der Baumwollenhändler ein Halunk sei, das sagte ihm immer deutlicher sein eigenes Bewusstsein, so wie ihm die Gründe immer klarer wurden, warum er selbst Elisi eigentlich gewollt. Er musste sich sagen, dass wenn er nur die Hälfte des Zehntens gehabt, welchen der Schminggel vorspiegle, er an Elisi nie gedacht hätte.

Nicht so kaltblütig benahmen sich Johannes und seine Frau. Elisi wollte hin, es ihnen anzukündigen und seine Uhr zu zeigen, allein weder der Vater noch die Mutter wollten mit, und alleine durfte Elisi es doch nicht wagen. Man schrieb. Wie aus einer Kanone kam das Ehepaar dahergefahren mit Schnauben und Tosen. Gepläret, geflucht wurde an selbem Tag in der Glunggen wie vielleicht seit hundert Jahren nie. Es war kein Schimpfname, den Johannes dem Bräutigam nicht gab, kein Laster, das er nicht haben sollte, kein Fluch, mit dem er ihn nicht belegte, und Trinette fügte noch unter Schluchzen und Schnüpfen bei, was Johannes vergass. Ds Elisi sparte auch sein Maul nicht, wäre aber von dem Bruder geprügelt worden, wenn die Mutter nicht gewehrt. "Da hast dus jetzt," sagte Joggeli, "da siehst dus, wies geht; da kann ich die Suppe ausessen helfen, die ihr eingebrockt." Johannes übergab sich unzählige Male dem Teufel, wenn er je wieder einen Fuss in die Glungge setze, wenn sie einem solchen Donners verfluchten Saufötzel ihre Tochter geben würden. Jetzt suchte er Uli wieder auf und fluchte auch bei ihm sich aus. Er verfluchte sich hunderttausendmal, dass wenn der Donners Plätter doch einen Mann hätte haben müssen, er hunderttausendmal lieber Uli zum Schwager gehabt. natürlich, ledig wäre ihm das Mönsch am liebsten gewesen, sagte er, was brauche es das Geld zu vermannen! "Aber wie die Schelmen haben sie an dir gehandelt. Gäll, wärest du zu mir gekommen! Aber du kommst noch, bei den verfluchten Donnern bleibst du nicht!" Uli gab wenig und ausweichenden Bescheid und war froh, als Johannes mit Schnauben und Tosen von dannen gefahren war. Der arme Teufel hatte von dem Tage nichts, als dass seine Frau ihn um eine solche Uhr und Kette plagte, bis sie dieselbe hatte.

Joggeli hatte noch andere Erkundigungen eingezogen, sie waren ungünstig, ausweichend, oberflächlich gut. Er sei ein Windbeutel, dem nicht zu trauen sei, zeige viel Geld und habe keins, wenn man von ihm wolle, sagten die Einen; man wisse nichts Genaues über ihn, er scheine Geschäfte zu machen, aber man sei nicht in direktem Verkehr, die Zweiten; er sei ein artiger, gewandter junger Mann, der seinen Weg