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du einen von den brävsten Burschen abgeben und es einst haben, wie du nur wolltest."

Viertes Kapitel

Wie eine schlechte Dirne einem braven Meister die

Ohren des Knechtes auftut

Des Ulis Antwort schnitt der Kleb ab, der seine Nöten deutlicher kündete. Es gab nun Arbeit, das Gespräch konnte nicht mehr fortgesetzt werden. Es ging alles gut, und endlich war ein schönes, brandschwarzes Kälbchen da mit einem weissen Stern, wie Beide noch nie eins gesehen und das abzubrechen erkannt wurde. Uli war bei dem Geschäft noch einmal so tätig und aufmerksam gewesen als sonst, und das Kälbchen behandelte er ganz sanft, fast zärtlich, und betrachtete es mit einer eigentlichen Zuneigung.

Als sie fertig waren mit dem Kleb und derselbe seine Zwiebelnsuppe hatte, dämmerte der Morgen herauf und liess keine Zeit zur Fortsetzung ihres Gesprächs.

Die anbrechenden Werktage nahmen sie mit ihren arbeiten hart in Anspruch, auch war der Meister in Gemeindsgeschäften abwesend, so dass sie nicht miteinander weiters redeten.

Aber es schien von Beiden angenommen, dass Uli bleibe, und wenn der Meister heimkam, konnte die Frau nicht genug rühmen, wie Uli sich zu der Sache gehalten und wie sie nicht gebraucht hätte, ihn etwas zu heissen; es sei ihm alles von selbst in den Sinn gekommen, und wenn sie daran gedacht habe, so sei es schon gemacht gewesen. Das freute natürlich den Meister gar wohl und machte, dass er dem Uli immer bessere Worte gab, ihm immer mehr Zutrauen zeigte. Es ist nichts verdriesslicher für einen Meister, als wenn er abends müde oder schläfrig heimkommt und er findet alles im Ungreis und sein Weib voll Klagens, sieht nicht die halbe Arbeit getan, die hätte abgefertigt werden sollen, vieles verpfuscht und schlecht gemacht, dass es besser wäre, es wäre gar nichts getan worden, und muss über das aus die halbe Nacht sein Weib jammern hören, wie die Diensten sich gegen ihn es unbärdig eingestellt, unverschämten Bescheid gegeben und jedes gemacht habe, was ihm gefallen, und wie es ihr erleidet sei, so dabeizusein, und wenn er ein andermal fortgehe, so laufe sie auch fort. Es ist grässlich für einen Mann, der fort muss (und das muss der Mann), wenn ihm auf dem Heimwege, sobald er sein Haus von weitem sieht, die schweren Seufzer kommen: "Was hat es wohl aber gegeben? Was muss ich sehen, was muss ich hören?" und er so fast nicht zum haus herzu darf, wenn er mit Liebe und Freude heimkommen möchte und mit Donner und Blitz einziehen muss in sein aufrührerisch gewordenes Reich.

Bei Uli war etwas Neues erwacht und in die Glieder gefahren, ohne dass er es selbst noch recht wusste. Er musste der Rede des Meisters je länger je mehr nachsinnen, und es dünkte ihn immer mehr, der Meister hätte doch etwas recht. Es tat ihm wohl, zu denken, er sei nicht dazu erschaffen, ein arm, verachtet Bürschli zu bleiben, sondern er könnte noch ein Mann werden. Er sah ein, dass man dieses nicht mit Wüsttun werde und dass, je mehr man wüst tue, man um so mehr Boden verliere unter den Füssen. Es dünkte ihn gar seltsam, was der Meister gesagt von der Gewohnheit und dem guten Namen, die man neben dem Lohn sich erarbeiten könne und so auch immer mehr für sich verdiene, je treuer man einem Meister sei, und wie man nicht besser für sich selber sehen könne, als wenn man recht treu zu des Meisters Sache luege.

Er konnte je länger je weniger ableugnen, dass es also sei. Es kamen ihm immer mehr Beispiele in den Sinn von schlechten Diensten, die unglücklich geworden, arm geblieben, und hinwiederum wie er andere von ihren alten Meisterleuten habe rühmen hören, wie sie einen guten Knecht, eine gute Magd gehabt und die jetzt recht wohl zweg und gut im stand seien.

Nur eines konnte er nicht begreifen: wie er, Uli, je zu Geld, zu Vermögen kommen sollte; das dünkte ihn rein unmöglich. Er hatte dreissig Kronen, also fünfundsiebzig Pfund, bar, zwei Hemden und ein Paar Schuhe zu Lohn. Nun hatte er noch fast vier Kronen Schulden, bereits viel eingezogen. Er hatte es bisher nicht machen können mit seinem Einkommen, nun sollte er Schulden zahlen, vorschlagen, das kam ihm unmöglich vor. Dem natürlichen gang der Dinge nach war er darauf gefasst, seine Schuld jährlich grösser zu machen. Von den dreissig Kronen brauchte er doch wenigstens zehn für Kleider und konnte dabei noch nicht hoffärtig sein; für Strümpfe, Schuhe, Hemden, deren er nur drei gute und vier böse hatte, Waschen usw. gingen doch wenigstens auch acht Kronen darauf; alle Wochen ein Päcklein Tubak (und er brauchte meistens mehr), war wieder zwei Kronen: es blieben noch zehn Kronen. Nun waren fünfzig Samstagsnächte, fünfzig Sonntagsnachmittage, von denen noch sechs extra Tanzsonntage, Märkte, es wusste kein Mensch wieviel, war eine Musterung, vielleicht gar noch eine Garnison, die zufällig sich ergebenden Gelegenheiten zum Hudeln nicht einmal gerechnet, wie Niedersingeten, An- und Aussaufeten, Schiesseten, Kegelten und das wieder einreissende Tschämeln, Abendsitze, die gefährlichste aller Unsitten, Springeten usw. Der Verfassungsabend, der in eine der ärgsten Schweinereien ausartet, wo fünfzigjährige Weibsstücke am Boden sich wälzen auf die unflätigste Weise, war damals noch nicht im Schwange. Rechnete er nun fürs Ordinäre alle Wochen nur zwei Batzen für