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und hinüberkommen. Aber Joggeli wollte nicht. Dem Schminggel laufe er nicht nach, er begehre ihn nicht zu sehen, er wolle nichts von ihm und hätte nichts mit ihm, man solle ihn ruhig lassen; er könne wieder gehen, wo er hergekommen. So könne er doch nicht tun, sagte die Mutter, gerade wie wenn er nicht halb witzig wäre. Mit ihm reden müsse er, und er solle sich in acht nehmen, was er mache. Sie wolle nichts gesagt haben, sich in gar nichts mischen, aber sie wolle dann auch nicht schuld sein, wenn das Meitschi z'lätz tue. Er wisse wohl, wie es sei. Und wenn es etwas Unwatlichs machen würde, so müsste man sich ein Gewissen machen in Zeit und Ewigkeit. Das begehre sie nicht, sie begehre ruhig zu sterben. Damit ging sie hinaus, und hart schlug hinter ihr die tür zu.

Joggeli brummelte fast eine Stunde lang mit sich und über die Weiber, die an nichts schuld sein und doch alles regieren wollten. Unterdessen schenkte Elisi dem Baumwollenhändler ein, sagte, so streng es konnte: "Näht doch, näht doch, trinkit!" Endlich längte Joggeli nach dem Halstuch, band es um und sagte, eine andere Kutte ziehe er nicht an, seine sei für so einen Schminggel gut genug; dann nahm er den Stock, trätschete zwischen Haus und Stöckli einigen Bäumen nach. Drinnen sah ihn der Baumwollenhändler und fragte: Ob das der Vater sei? Als Elisi Ja sagte, sagte er: So wolle er hinaus, ihn zu grüssen. Joggeli wollte eine halbe Wendung links machen, allein er entrann nicht mehr. Er sei so frei, sagte der Baumwollenhändler, und komme, zu sehen, wie seiner Frau Gemahlin und seiner Jungfer Tochter ihre Kur im Gurnigel zugeschlagen; dort hätte er die Ehre gehabt, ihre Bekanntschaft zu machen, und die glücklichsten Tage seines Lebens verlebt. Joggeli sagte: "He ja, es wird so sein!

Ihr werdet krank gewesen sein, dass Ihr ins Bad habt müssen?" Nein, eigentlich nicht, sagte der Baumwollenhändler, aber er hätte Ruhe nötig gehabt. Nun erzählte er von seinem grossen Geschäft und seinen weiten Reisen und wie er mit Extrapost Tag und Nacht von Petersburg gekommen usw., dass dem Joggeli der Verstand fast stillstund und der Respekt sich einstellte. Reden kann der, dachte er, wie druckt, und wenn nur das Halbe wahr ist, so ist das ein ganzer Bursch. Gezogenes Werch gab dem Händler Anlass, zu fragen: Ob er wohl den Hanfsamen selbst ziehe? Als Joggeli Nein sagte, verbreitete er sich über die Orte, wo man ihn am besten kaufe: von Basel, von Freiburg im Breisgau, redete von den Pflanzungen aller Art, die man dort sehe, was für Samen dort gewonnen werden und wie viel sie dem Land eintrügen und wie viel auch hier damit zu machen wäre, wenn man nur die Sache verstehen wollte und nicht zu fast am Alten hinge. Er garantiere: auf einem grossen Gut könnte man leicht zwei- bis dreitausend Pfund aus allerlei Sämereien lösen, wenn man nur wollte. Dr Tüfel dachte Joggeli, wenn nur das Halbe wahr ist, so wäre das der wert, und sein Respekt nahm zu. Als die Mutter im Vorbeigehen fragen konnte: "Nun, wie gefallt er dir?", sagte er, so für einen Herrn sei er noch nicht der Dümmste; er wisse doch noch, dass die Kühe Hörner hätten und die Pferde keine und wo Bartlome Most hole.

Der Baumwollenhändler wusste, was er zu rühmen hatte. Das schöne Tischzeug bot ihm viel Stoff; dann kam er vom geräucherten Fleisch auf Hamburg, von der Hamme auf die westfälischen Schinken, vom Bratis auf die Kälber in St. Urban und was die Bandweber in Baselland für Kalbfleisch essen, und endlich brachte ihn der gute Wein aus der weissen Flasche auf den Wein überhaupt. Hier legte er so viele Kenntnisse an Tag, wusste so viel Sorten zu nennen, die verschiedenen Unterscheidungszeichen anzugeben, dass Joggeli dachte: Gegen den ist Johannes nur ein Löhl. Wenn der den Neuenburger kennt und den Weltschen, so ist es allen Handel. Er sei doch schon an mancher Kindbett gewesen, aber so einen Kurzweiligen habe er selten angetroffen, die Zeit gehe einem um, man wisse nicht wie, und brauche man doch nicht viel dazu zu sagen. Die Mutter vergass fast das Nöten ob all dem Reden, und Elisi, das nicht begriff, was der Herr wollte, wurde ganz böse, dass er immer mit dem Vater redete und sich nicht mit ihm abgab. Es plärete fast und sagte der Mutter draussen: Es glaube, es wolle nichts mehr von dem, er sei so unhöflich und unmanierlich wie der gröbste Knecht und hätte während dem ganzen Essen nichts mit ihm geredet. "Du dumms Elisi," sagte die Mutter, "du bist doch immer der gleiche Tätsch! Merkst du nicht, dass er beim Vater in Hulden kommen muss, wenn er Ja sagen soll? Du weisst ja, wie er wüst getan." "Was geht ihn der Vater an?" sagte ds Elisi. "Er will mich heiraten, und wegen dem Vater kann er mir den Kummer überlassen; dem wollte ich es reisen, wenn er etwas darwider haben wollte." "Schweig doch," sagte die Mutter, "es dünkt mich,