Reichern und Vornehmern haben kann, warum sollte ich dann dich nehmen? Das wäre ja dumm. Aber tue nicht so wüst, ich will dir dann z'best reden und Meiner muss dich in seine Handlig nehmen, da kannst du ungwerchet reich werden." Wie Elisi dies sagte, fuhr eine schöne Chaise vors Haus, ein geputzter Herr darin. Wie Elisi ihn erblickte, schrie es: "Da ist er, da ist er!" und lief auf ihn zu. Die Mutter stunde unter die tür und wischte sich verlegen die hände am Fürtuch ab. Joggeli liess sich nicht sehen, und Uli stand im Garten wie Lots Weib.
Es ging geraume Zeit, ehe er wusste, was er machte und was er machen wollte. Fast bewusstlos hatte er gesehen, wie ds Elisi den Menschen empfing und ins Stöckli führte. Dann ballte er die Fäuste und sagte: "Dem Donner will ich es recht sagen, der muss wissen, was für eine er hat, und dann will ich fort, keine Stunde bleibe ich länger da." Wie er so in einem Satz vom Garten auf die Terrasse springen will, wird er festgehalten am Hemdärmel, dass er fast in zwei Stükke zerriss. Zornig aufziehend, dem unerwarteten Halter eins zu versetzen, sah er Vreneli neben sich unerschrocken stehen und ihn festalten. Er schlug nun nicht, aber schnellte ein zorniges: "La mih gah!" "Nein, ich lasse dich nicht gehen", sagte Vreneli; "lueg mich nur an, wie du willst, aber gehen sollst mir nicht. Du daurest mich, Uli, es macht dirs wüst, aber eben deswegen musst du jetzt der Witzigere sein. Bleib da und tue dergleichen, als gehe dich alles nichts an, das macht es am täubsten. Tust du wüst, so lachen sie dich aus, und das täte ich ihnen an deinem Platz nicht zu Gefallen." Uli wollte lange dieses nicht begreifen und klagte bitter, wie wüst Elisi ihms gemacht. "Sei du froh," sagte Vreneli, "ich habe nichts sagen mögen; aber danke Gott auf den Knieen, dass es so gegangen ist. Wenn du Elisi kenntest wie ich, so nähmtest du es nicht, und wenn die ganze Welt sein wäre." "Das mag jetzt sein, wie es will," sagte Uli, "so will ich hier fort auf der Stelle; meinetalb kann der neue Tochtermann ihnen den Hof arbeiten." "Das wäre noch dümmer," sagte Vreneli, "dann erst würden die Leute zentum lachen und brüllen, wie es dir ergangen. Die einen würden sagen, sie hätten dich fortgejagt, die andern, du seiest zum Narren gehalten worden, du hättest dir eingebildet, du seiest schon Glunggenbauer, und machten dir Gäbeli. Stelle dich, als gehe dich alles nichts an, als lächere dich die Sache noch, so werden die Leute nicht wissen, woran sie sind, dich nicht nur in Ruhe lassen, sondern noch sagen: Da sieht man jetzt, Uli ist nicht so dumm, wie man geglaubt hat, er hat sie zum Narren gehalten und nicht sie ihn." "Du bist eine Dolders Hex," sagte Uli, "aber der Tüfel soll mich nehmen, wenn ich länger da Knecht bleibe" – "als du gedinget hast," setzte Vreneli hinzu. "Zu Weihnacht kannst du meinetalb gehen vielleicht gehe ich auch. Aber jetzt gehe nicht. Tue es mir und der Mutter nicht zuleid. Was macht doch das dem Elisi, wenn du gehst? Im Gegenteil, es ist ihm noch das Rechte. Die ganze Bürde fällt auf die Base und mich; der Vetter nimmt sich ja der Sache nur an, um zu branzen. Was vermögen wir uns Beide, dass es so gegangen? Aber zähl darauf, du wärest unglücklich geworden, und der Herr wird es auch, zähl darauf. Vielleicht aber betrügt Eins das Andere. Gehe jetzt in Stall, sieh zum Mutzschwanz, gib ihm Haber, mach, wie wenn es dir ganz anständig ginge, und zähle auf mich, du wirst sehen, es kommt am besten so. Man kommt am besten durch die Welt, wenn man oft die Welt nicht merken lässt, wie es eim ist." "Du magst etwas recht haben," sagte der in der langen Zwiesprache etwas abgekühlte Uli, "aber wenn man nicht zuweilen ausdonnern könnte, es würde einem zuletzt versprengen. Es gehörte sich, dass man einer solchen Täsche auch einmal die Sache sagte." "Das kannst du eben am besten, wenn du hier bleibst, da wird es sich dir wohl einmal viel besser schicken als heute. Und wenn du hättest müssen den Weg gehen, wo ich, so wüsstest du, dass man mit dem. Ausdonnern wenig gewinnt. Ausdonnern heisst nicht klug sein wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Die Not hat es mich gelehrt. Aber gehe jetzt, ich werde dem Herrn kücheln und brägeln müssen, und ich tue es ihm von Herzen gern."
Während die hier so verhandelten und Uli endlich gehorchte wider Willen, fand eine andere Verhandlung statt im Stöckli. Dortin hatte die Mutter Käse und Wein und weisses Brot gebracht, nachdem sie Vreneli umsonst gerufen. Dann war sie zurückgeeilt zu Joggeli, hatte ihm gesagt, wer da sei, und nun sollte er die Sonntagskutte anziehen, ein Halstuch umlegen