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trinken? Ich mag nicht, und es scheint mir, die Andern hätten auch genug." Als er gebracht ward, das Stubenmädchen ihn entsiegelt, mit den Händen aufeinander gefragt hatte: "Ihr werdet heute in Blumenstein gewesen sein? Es war gar schön Wetter! Es werden viele Leute dort gewesen sein? Wir haben auch Leute gehabt, dass wir fast nicht zu wehren wussten", dann mit rascher Wendung nach einigem Räuspern den Abzug genommen hatte, begann der Baumwollenhändler in wohlgesetzter Rede: Sie möchte ihm doch ja seine Aufführung nicht übel nehmen, die Freude hätte ihn übernommen. Er sei reich, habe ein gut Geschäft, es hätte ihm nur eine Frau gefehlt, für glücklich zu sein. Viele hätte er haben können, aber Keine sei ihm recht gewesen. Er habe nicht aufs Geld gesehen und nicht auf die Schönheit, er habe eine nach seinem Herzen gesucht, mit der er glücklich sein könne. Erst in ihrer Jungfer Tochter, der Jungfer Elise, habe er gefunden, was sein Herz verlangt. Vom ersten Augenblick an, wo er sie gesehen, sei es ihm wie angetan gewesen: "Die oder Keine!" habe er bei sich selbst gesagt. Je länger je mehr habe er gefühlt, dass er ohne sie nicht mehr leben könne, und es endlich gewagt, sie auf die heutige Partie einzuladen. Im Gurnigel, unter den vielen Leuten, hätte er es nicht wagen dürfen, seine Erklärung zu machen. Er hätte schier nicht dürfen, hätte sein Herz in beide hände nehmen müssen und doch erst nach dem Essen und beim Tanzen die Jungfer Elise fragen dürfen: ob sie ihn nicht verschmähe, ob er glücklich oder unglücklich sein solle in Zeit und Ewigkeit? "Und meine liebe, teure Elise hat mich beglückt, hat meine Hand, mein Herz nicht verschmäht. Oh, da habe ich gefühlt, was es heisst, der Himmel tue sich einem auf! Aber ich bin nicht ruhig gewesen, es hat mich geplagt, bis ich auch der guten Mutter meiner teuren Elise meine Absichten eröffnet, bis meine und meiner teuren Elise Bitten zu ihrem Herzen gedrungen, dass sie mich als Sohn annehmen und mit dem Besitz der unvergleichlichen Elise selig machen wolle schon hier auf Erden."

Der guten Mutter liefen die Tränen die Backen ab während dieser schönen Rede. Sie dachte bei sich, ein solches gutes Herz habe sie noch bei keinem Menschen gesehen. Aber wunderlich müsste doch so ein Herr sein. Sie müsse sagen, wenn ds Elisi schon ihr Meitschi sei, zur Frau wäre es ihr zu wüst und zu hässig; aber in der Stadt sei alles gerade das Gegenteil als auf dem land. Da frässen sie ja auch Schnecken und verachteten Küchleni. Als er endlich geendet hatte und ihre beiden hände gefasst hielt (knien tat er nicht von wegen dem Kasimir an den Hosen), war sie in grosser Verlegenheit, was sie antworten sollte. He ja, sagte sie endlich, das sei wohl gut und schön, aber er müsste den Vater fragen, der hätte zu befehlen, und was der sagen werde, wisse sie nicht, er sei allbets einist ein wenig wunderlich. Es komme darauf an, in was für einem Laun er sei und wie man es ihm breichen könne. Oh, sagte der Baumwollene, das mache ihm gar keinen Kummer, wenn es ihr recht sei, sie ein gutes Wort für ihn einlegen wolle. Sie solle nur Ja sagen, so sei ihm schon geholfen. "Aber Elise, kommt und helft mir die gute Mutter bitten," sagte er zu seiner holden Braut, die unterdessen gar emsig Mandeln gegessen und Haselnüsse aufgemacht hatte. Die gute Mutter war nicht unbarmherzig. Sie dachte an Uli und wie auf diese Weise der Lärm ihr erspart würde, dass die Tochter den Knecht heirate. Der reiche Tochtermann mit seinem guten Mundstück gefiel ihr wohl, indessen sagte sie bloss: He, darwider wollte sie nicht sein, wenn ds Elisi nichts darwider habe und kein Anderer mehr ihm im Kopf sei. Aber versprechen könne sie nichts, das müsse der Mann machen, und dann müsse man doch noch etwas genauer wissen woher er sei und was er wohl für Mittel hätte. Sie zweifle nicht daran, dass alles so sei, wie er sage, aber es habe sich schon Mancher für reich ausgegeben und nachher sei man darübergekommen, dass alles lauter Lügenwerk gewesen. Und bsunderbar an solchen Orten, wie der Gurnigel auch eins sei, gebe es gar allerlei Leute, da müsse man wohl luegen, wem man traue. Sie denke immer an das Sprichwort: es gebe gar viel Beeren, allein es seien nicht alle Kirschen. Da war der Baumwollhändler ganz vergnügt und sagte: Oh, wenn es nur das sei, so sei er glücklich und die Jungfer Elise sein. Er wolle sich ausweisen, dass es eine Art hätte. Sie sollte nur keinen Kummer haben, er mache ein Haus, wie es wenige gebe. Er hätte unter den reichsten Fabriktöchtern im Aargau auslesen können und auch im St. Gallerlande. Man hätte ihm manchmal unter den Fuss gegeben, man möchte gerne ein Geschäft der Art mit ihm machen. Aber er hätte sie nicht verstehen wollen. Die Töchter dort seien ihm alle zu bauelig gewesen. Er handle zwar mit Baumwolle, aber das müsse er sagen, die Töchter habe er lieber sydig als bauelig. Die Alte lachte gar herzlich, nahm einen guten Schluck und vergass fast