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herumschleppten, den Denkenden als sichtbare Zeugnisse, wie die Untreue sich selbsten strafe. Aber so, wie man durch sein Tun sich inwendig eine Gewohnheit bereite, so mache man sich auswendig einen Namen. An diesem Namen, an dem Ruf, der Geltung unter den Menschen arbeite ein jeder von Kindsbeinen an bis zum grab, jede kleine Ausübung, ja jedes einzelne Wort trage zu diesem Namen bei. Dieser Name öffnet oder versperrt uns Herzen, macht uns wert oder unwert, gesucht oder verstossen. Wie gering ein Mensch sein mag, so hat er doch einen Namen; auch ihn betrachten die Augen seiner Mitmenschen und urteilen, was er ihnen wert sei. So macht auch jedes Knechtlein und jedes Jungfräulein an seinem Namen unwillkürlich, und nach diesem Namen kriegen sie Lohn, dieser Name bricht ihnen Bahn oder verschliesst sie ihnen. Da kann eins lange reden und über frühere Meisterleute schimpfen, es macht damit seinen Namen nicht gut, sein Tun hat ihn längst gemacht. Ein solcher Name werde stundenweit bekannt, man könne nicht begreifen wie. Es sei eine wunderbare Sache um diesen Namen, und doch betrachteten ihn die Menschen viel zu wenig und namentlich die, welchen er das zweite Gut sei, mit dem sie, verbunden mit der inwendigen Gewohnheit, ein drittes, ein gutes Auskommen in der Welt, Vermögen, ein viertes, den Himmel und seine Schätze, erwerben wollten. Er frage nun: wie ein elender Tropf einer sei, wenn er schlechte Gewohnheit habe, einen schlechten Namen und um Himmel und Erde komme!"

Daher soll, habe der Pfarrer gesagt, jeder, der in Dienst trete, den Dienst nicht betrachten als eine Sklavenzeit, den Meister als den Feind, sondern als eine Lehrzeit und den Meister als eine Wohltat Gottes, denn was sollten die Armen, das heisst die, welche nur Zeit und Kräfte, also doch eigentlich viel hätten, anfangen, wenn ihnen niemand Arbeit und Lohn gäbte? Sie sollten die Dienstzeit betrachten als eine gelegenheit, sich an Arbeit und Emsigkeit zu gewöhnen und sich einen recht guten Namen zu machen unter den Menschen. In dem Masse, als sie dem Meister treu wären, wären sie es auch an ihnen, und wie der Meister an ihnen gewinne, gewönnen sie selbst auch. Sie sollten ja nie meinen, dass nur der Meister Nutzen zöge aus ihrem Fleiss; sie gewönnen wenigstens ebenso viel dabei. Wenn sie daher auch zu einem schlechten Meister kämen, sie sollten ja nie meinen, ihn zu strafen durch schlechte Aufführung; sie täten damit sich nur selbst ein Leid an und schadeten sich innerlich und äusserlich.

Wenn nun so ein Dienstbote immer besser arbeite, immer treuer und geschickter sei, so sei das sein Eigentum, und das könne niemand von ihm nehmen, und dazu besässe er einen guten Namen, die Leute hätten ihn gerne, vertrauten ihm viel an, und die Welt stehe ihm offen. Er möchte vornehmen, was er wollte, so fände er gute Leute, die ihm hülfen, weil sein guter Name der beste Bürge für ihn sei. Man solle doch nur achten, welche Dienstboten man rühme, die treuen oder die untreuen, solle sich achten, welche unter ihnen zu Eigentum und Ansehen kämen.

"Dann hat der Pfarrer noch ein Drittes gesagt, und das geht dich besonders an. Er hat gesagt, der Mensch wolle Freude haben und müsse Freude haben, besonders in der Jugendzeit. Hasse nun ein Dienst seinen Dienst und sei ihm die Arbeit zuwider, so müsse er eine apartige Freude suchen, und er fange daher an zu laufen, zu hudeln, mit schlechten Sachen sich abzugeben und habe daran seine Freude und sinne daran Tag und Nacht. Sei aber einem Knecht oder einer Magd das Licht aufgegangen, dass sie etwas werden möchten, und der Glaube gekommen, dass sie etwas werden könnten, so liebten sie die Arbeit, hätten Freude daran, etwas zu lernen, etwas recht zu machen, Freude, wenn ihnen etwas gelinge, wachse, was sie gesäet, fett werde, was sie gefüttert; sie sagten nie: Was frage ich dem nach, was geht mich das an? Ich habe so nichts davon. Ja sie hätten eine eigentliche Lust daran, etwas Ungewohntes zu verrichten, etwas Schweres zu unternehmen; dadurch wüchsen ihre Kräfte am besten, dadurch machten sie sich den besten Namen. So haben sie auch Freude an des Meisters Sache, seinen Pferden, seinen Kühen, seinem Korn, seinem Gras, als ob es ihnen gehöre. Woran man Freude hat, daran sinnet man auch; wo man den Schatz hat, da hat man auch das Hetz, sagte der Pfarrer. Hat nun der Knecht seinen Dienst im Kopf, erfüllt ihn der Trieb, so ein vor Gott und Menschen recht tüchtiger Mensch zu werden, so hat der Teufel wenig Macht über ihn, kann ihm nicht böse Sachen eingeben, wüste Sachen, an die er Tag und Nacht denkt, so dass er keinen Sinn für seine Arbeit hat, und die ihn noch von einem Laster zum andern ziehen und innerlich und äusserlich verderben."

"Das hat der Pfarrer gesagt," sagte der Meister; "es ist mir, als ob es noch heute wäre, als er uns das sagte, und ich habe schon hundertmal gesehen, dass er recht hatte. Ich habe gedacht, ich wolle es dir sagen, es passet gerade auf dich. Und wenn du nur glauben wolltest, so könntest