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vollkommenes Vertrauen, aber die Schnäuze gefielen ihm doch fast noch besser. Sövli schön Herre, sagte es, hätte es syr Lebtig no nie gseh, die gingen so graduf, dr Tüfel chönnt se nit chrümme; es glaube, mi chönnt se am ene Bei graduse ha, es miech kene kes Gleich.

Der Baumwollenhändler war nicht dumm, er merkte das und wusste wohl, dass wenn eine Spekulation einem vor die Füsse fällt, man nicht Wochen lang sich besinnen darf, ob man sie aufheben will oder nicht. Als es endlich wieder recht schön Wetter war, lud er Mutter und Tochter ein zu einer Partie nach Blumenstein. Elisi war das gleich recht, die Mutter machte Umstände. Sie ginge nicht ungern einmal nach Blumenstein, sagte sie, aber das gebe grosse Kosten, nur schon das Fuhrwerk sei unverschämt teuer. Wenn sie eins von ihren sechs Rossen herpfeifen könnte, so wollte sie nicht Nein sagen. Das solle ihr keinen Kummer machen, sagte der Einlader, das sei eine Kleinigkeit, nicht der Rede wert. Es würde ein Affront für ihn sein, wenn sie nur noch ein Wort davon reden würde. Die Freude für ihn sei unendlich grösser als die Kosten. Aber sie müsse doch noch einmal davon anfangen, sagte die Mutter, er möge sagen, was er wolle. Sie wolle schon mit ihm fahren, die Kosten werden zwar nicht alles zwingen, allein ihren teil wolle sie tragen. Wo sie ein junges Meitschi gewesen, da hätte sie Mancher zu Gast gehalten, sie wolle es nicht leugnen, aber jetzt sei sie zu alt dazu, jetzt tue sie es nicht mehr. Mein Baumwollenherr war nicht verlegen. Er lachte: Das werde sich schon machen, sie solle nur kommen. Er wolle für ein Fuhrwerk sorgen, sie sollten nur machen, dass sie um acht Uhr zweg seien. Wenn sie nur zur Tafel dort seien! Die dürften sie nicht versäumen, dort wisse man auch, was Kochen sei. Hier meine man, wenn man etwas in einen Hafen werfe, wasser darauf schütte, Feuer darunter mache und das zusammen machen lasse, bis die Essglocke gehe, so sei das gchochet und die Gäste müssten wohl daran leben und doch sei es manchmal ein Fressen, das einem Magenweh machen müsse.

Es war ein recht schöner Sonntag da oben im land. Die sonst etwas dunkle Gegend wurde durch die Sonne fröhlich, und ihre Einförmigkeit wurde ihr benommen durch die vielen Fuhrwerke, die vielen Wandelnden, die dem Gurnigel zueilten oder sonst wohin. In leichtem, schönem Fuhrwerk mit schnellem Rosse eilten sie windschnell durch das Tal nieder, funkelnd in köstlichstem Putze. Der Mutter schönster Putz war das strahlende Hemd auf der breiten Brust. Die Tochter dagegen haue andere Dinge aufzuweisen: Gold, Silber, Seide, doch diesmal nicht schwefelgelbe, sondern schwarze, aber keine breite Brust; dafür aber war ihr Mänteli brodiert und bögelte sich einer Brieftasche ähnlich in die Höhe bis fast zum Kinn. Der Herr vorauf strahlte vor Vergnügen, glänzte in neuen Tüchern mit gelben Handschuhen und schwarzen Stiefelchen, hatte Kasimir an den Hosen, ein seidenes Schnupftuch im Sack und fuhr wie einer, der nie ein eigenes Ross in den Händen gehabt. Die Mutter hatte immer die Hand auf dem Schlage, als ob sie sich halten wolle, und machte allemal, wenn sie an einem Fuhrwerk vorbeifuhren, das ängstlichste Gesicht. So sei sie nie gefahren und doch hätten sie gute Rosse im Stall, sagte die Mutter, aber sie möchte es einem Ross nicht zuleid tun. Wenn eim ein Rad abginge, so führe man ja desus, es wüsste kein Mensch wie weit. Und bsonderbar rainab sprenge er, es hätte kei Gattig, sie möchte ihm kein Ross anvertrauen. Ein Ross sei freilich kein Mensch, aber eben deswegen, weil es ein Unvernünftiges sei, so hätten die Menschen den Verstand, dass sie ihm nicht mehr anmuten sollten, als es wohl erleiden möge. Es lachte der Baumwollenhändler gar sehr über die altväterische Sorglichkeit der Mutter für ein Ross, und er wusste eine Menge Heldentaten zu erzählen, die er auf Kosten von Pferden verübt, wie geschwind er hier und dort gefahren und wie er so ein Ross zu morischinieren wisse wie Keiner. Viel von seines Vaters Rossen wusste er auch zu erzählen, von Engeländern und Mecklenburgern. Er dachte, die wüssten nicht, dass sein Vater Baumwollenzeug in einer Drucke im land herumgetragen.

Im Fluge waren sie im bekannten Blumenstein, wo auf der Laube die zahlreichen Gäste den Besuchern entgegensahen und sie musterten.

Es geht nun splendid zu in Blumenstein. Der Baumwollenhändler spielt den Herren vortrefflich, regiert und befiehlt, dass die Mutter ganz erstaunt sagt: Dem sehe man es an, dass er nicht zNütigen daheim sei; der könne beim Sacker regieren wie ein General, einmal sie dürfte nicht. Die Kellner kämen ja daher, dass ihrereins sich schämen müsste und froh sei, wenn sie eim ruhig liessen. Bei Tische lässt man es sich wohl sein. Kein Wein ist dem Herrn gut genug, er schimpft über jeden, auch der Neuenburger ist nicht recht, obgleich ds Elisi sagt, er sei viel besser als der des Bruders zu Frevligen, und der sei doch auch gut gewesen. Er weiss ganz vortrefflich zu nötigen, und seine Begleiterinnen trinken ein Glas mehr als üblich, ohne dass sie es merken.

Nach Tische geht das Tanzen an, und Elisi fliegt dahin wie im Himmel. Nun will der Baumwollenhändler