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Frau blieben nicht lange da. Auf dem Heimwege öfters einkehrend, wobei aller Rückhalt verloren ging, kramten sie ihren guten Freunden, Kollegen und Kolleginnen die ganze geschichte aus, und ihre Erzählung erhob das Gerücht zur vollen Gewissheit. Der Bruder und seine Frau haben es selbst gesagt, hiess es, und die werden doch etwas davon wissen.

Nicht lange darauf fuhr Uli mit einem Ross zMärit, sah aber bald, dass er es nicht verkaufen könne um das, was er lösen sollte. Da es schlecht Wetter war, so nahm er es ab dem Markt und stallete es in einem wirtshaus ein. Wie er in die Gaststube wollte und um eine Ecke bog, prallte er an seinen alten Meister. Mit unverhohlener Freude bot Uli ihm die Hand und sagte, wie froh er sei, ihn anzutreffen und ein wenig bei ihm zu sein. Der Meister war trockener und redete von vielen Geschäften, gab aber doch endlich Uli ein Stelldichein, wo sie ruhig eine Halbe trinken könnten. Dort, nachdem sie in einem Winkel ziemlich gedeckt sassen, eröffneten sie die Vorrede und Johannes fragte, ob es viel Heu gegeben, und Uli sagte "Ja," und ob bei ihnen das Korn auch schon gefallen wäre, ihres hätte der erste Luft gestossen. "Du bist alle zweg," fuhr der Meister nach einigen weitern Zwischenreden fort, "und was hab ich gehört? Du werdest bald Bauer in der Glunggen werden, sagen die Leute." "So, wer redt das?" fragte Uli. "He, die Leute sagens, es sei weit und breit das Gerede und man rede es für eine bestimmte Wahrheit." "Die Leute wissen immer mehr," sagte Uli, "als die, welche es angeht." Öppis werde doch an der Sache sein, antwortete der Meister. He, sagte Uli, er wolle nicht sagen, dass es es einst nicht geben könne, aber die Sache sei noch im weiten feld; geredet sei noch nichts darüber, und es könnte noch beid Weg gehen. "He," sagte Johannes, "es düecht mih, es sei genug geredet." "He, wieso?" fragte Uli. "He, ds Meitschi ist ja schwanger!" "Das ist eine verfluchte Lüge," sagte Uli, "ich habe es nie angerührt Weg. Ich will nicht sagen, dass ichs nicht hätte können, aber ich hätte mich geschämt, es so zu machen. Es hätten da alle Leute mir schuld gegeben und gedacht, es sei ein Schelmenstreich von mir, wie schon mehr dergleichen geschehen, und das habe ich nicht gewollt. Die Leute müssen mir nicht nachreden, ich sei Weg zu einer reichen Frau gekommen." "So?" sagte Johannes, "das ist dann anders, als ich gehört, und ich habe geglaubt, Uli wolle mich ansprechen, ihm z'best z'reden. Das wäre mir zwider gsi, ich muss es sagen, und deswegen habe ich lieber gewollt, ich hätte dich nicht angetroffen. Es freut mich, dass es nicht so ist, ich hätte auch noch Schmutz davon auf den Ärmel gekriegt. Jedenfalls hätte es mich geärgert, wenn du es auch so gemacht wie andere Lusbueben." Aber öppis werde doch an der Sache sein? He, sagte Uli, er wolle nicht leugnen, dass er nicht glaube, die Tochter wollte ihn und es wäre zu erzwingen, wenn sie recht ansetzten. Und es hätte ihn allerdings düecht, für ein armes Bürschli, wie er sei, wäre das ein grosses Glück, besser machen könnte er es nie. "Das wird doch wohl das bleich, durchschynig Meitschi sy, wo geng ab em Luft muess, wenn er es nit näh soll?" fragte Johannes. "Öppe gar ds Brävst ist es nicht," sagte Uli, "es ist magers und ungsüngs; aber es werde ihm schon bessern, wenn es einen Mann habe, hat der Doktor gesagt; aber hunderttausend Pfund bekömmt es." "Höcklets no geng so da ume, oder rührt es auch etwas an, macht es die Haushaltung?" fragte Johannes. "Werche tut es nicht viel, und in der Küche ist es wenig, aber schön lismen kann es und mit Krällene allerlei Styfs machen. Aber wenn es den Hof einmal bekömmt, so vermag man eine Köchin zu halten. Wenn es nur hie und da nachsieht, es braucht ja nicht selber alles anzurühren," meinte Uli. ", für nachezluege muss man die Sache selbst verstehen; das ist gar dumm, dass man meint, wenn eine Frau bei einer Sache hocke, so sei damit alles getan. Es kann zum Beispiel eine Frau lang in einer Apotek hocke und lismerle, die Knechte können doch machen, was sie wollen," sagte Johannes. "Aber es het mih düecht, es lueg gar ulydig dry und gränn eim nume so an, statt eim auch es freundlich Wort z'." Es fehle ihm viel, sagte Uli und es sei gar ein Empfindliches. Aber wenn es einen freinen Mann hätte und öppe zu tun, so viel es möchte, dass es sich ein wenig vergessen könnte, es würde ihm schon bessern. Es sei doch nicht, dass es dann nie könne freundlich sein. Es könne bsunderbar flattieren, und wenn man den Hof recht werche so könne man darauf