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Farbenpracht und die mystische Tiefe des Orients gleichsam abkühlt und aufklärt in den Krystallfluten ihrer Andacht, sehnsucht und Begeisterung. über die Erhabenheit der Gedanken, über die Weltumfassung der Anschauungen, über den lyrischen Schwung der Darstellungbreitet die Melancholie ihrer Seele einen duftigen, bläulich dämmernden Hauch, wie er in Kirchen schwebt, halb Weihraucharom, halb gedämpftes Sonnenlicht. O sie hat mit einem glorreichen Schwanengesang von der Welt Abschied genommen! So lange sie daran arbeitete, und bis sie das Manuscript zum Druck nach Deutschland schickte, war sie fast so lebendig, so angeregt, so frisch wie in ihrer besten Zeit. Nachdem es fort war, sank sie zusammen: der Erfolg war ihr gleichgültig.

"Ich habe mich erschöpft," sprach sie; "Höheres kann ich nichtGeringeres mag ich nicht leisten. Ich habe das Meine getan! nun ist es genug für die Welt! nun muss ich gehen, mein geliebter Mario, und wie die alten Anachoreten einzig mit Gott verkehren. Ich scheide nicht gleich einer büssenden Magdalene, ich glaube nicht, im Staub und in der Asche mit blutigen Kasteiungen d a s gutmachen zu müssen, was ich gefehlt habe. Ich will nur auge und Seele unmittelbar in Anschauung Gottes versenken, statt, wie bisher, in seinen Werken und Geschöpfen ihn zu lieben und zu verherrlichen, und statt mich durch das Sichtbare an das Unsichtbaredurch das Vergängliche an das Ewige erinnern zu lassen."

Ich erinnerte sie an Bonaventura und an das Glück, worauf sie verzichte durch die Trennung von ihm. Mit einer Glut und Innigkeit, die mich vor dem Gedanken zittern machten, dass all diese Flammen unter dem Schleier lodern sollten, verlodernoder verzehrend sich nach innen wenden; rief sie:

"Die Trennung von Dir überwiegt jede andere! Dich nicht zu sehen, nicht mit Dir die Gedanken auszutauschen, nicht vor Dir die Seele hinzubreiten, nicht für Dich Sonnen, Sterne und Flammen funkeln zu lassen, nicht in dem Liebesglanz Deiner Augen das Herz zu badenMario! Mario! das ist ein wahnsinniger Schmerz, den ich nicht überwinden könnte, wenn ich nicht glaubte, ein Opfer bringen zu müssen."

"Aber Du opferst mich!" rief ich.

"Nicht Dich, nicht mich! .... sondern uns," sagte sie. Sie hielt nach ihrer anmutigen Art meinen Kopf zwischen ihren Händen, und sah mich an mit ihrem seltsam zauberhaften blick, dem kein Mann widerstehen konnte. Er glitt in die Seele wie ein langsamer Blitz, so intensiv zerschmelzend und versengend. Ich hatte ihr oft gesagt, sie brauche nicht für einen dereinstigen Platz im Himmel zu sorgen, sondern nur den heiligen Petrus mit diesem blick anzuschauen, er werde ihr alsbald die Pforte öffnen. Mich überfiel die unermessliche Grösse des drohenden Verlustes, und ich sprach mit harter Bitterkeit:

"Und was willst Du denn eigentlich werden? Soeur grise etwa? und Deine Nerven beben beim Anblick einer Verstümmelung, und die Luft eines Krankenzimmers macht Dich ohnmächtig! – Oder Ursulinerin, die kleinen Kindern das Buchstabiren und das Einmaleins beibringt? .... und Du wirst ungeduldig, wenn Deine raschen Worte und Gedanken nicht schnell genug Verständniss und Antwort finden!"

Sanft und demütig antwortete sie: "Nein, Herz, die irdische Geschäftigkeit war nie mein Gebiet. Du hast ganz Recht: darin bin ich ungeschickt. Ich bedarf eines ganz abgeschiedenen und beschaulichen Lebens, heilige Bücher lesen, Psalmen dichten, die Orgel spielen, viel, viel beten! ich finde, was ich brauche .... bei den Vive sepolte." – Die Vive sepolte! schon der Name macht schaudern! –

Ich besuchte den Pater Gerolamo, und tat ihm einen Eid, dass er die beichte nicht verletze, indem er mit mir von Faustinens innerstem Seelenzustande spreche. Ich sagte ihm genau Alles, wie sie sich über ihr Vorhaben gegen mich äusserte, und er versicherte, dass sie gerade so auch zu ihm rede, und sich durch die Einwürfe nicht stören lasse, welche er ihr anfangs gemacht.

"Es ist eine Vocation, Signor," sprach er gelassen und überzeugt.

Faustine war in ihrem Entschluss so fest und sicher, dass ihre Ruhe zuweilen auf mich überging, und mich ihr Glück, wie sie es nun einmal begriff, hoffen liess, ganz fern, ganz leise. Dass das meine in Trümmer ging, bekümmerte mich am wenigsten, und ich zürnte ihr nicht, weil s i e nicht darauf Rücksicht nahm. Ich sagte mir, ich hätte auf wundersame Schicksale gefasst sein müssen von dem Augenblicke an, wo ich Faustine in mein Leben verwebt; denn unbeseligt und unverwundet bleibe Keiner in dem Verkehr mit solchem Wesen; – Gott habe für ausserordentliche Geschöpfe ausserordentliche Prüfungen und Entwickelungen aufgespart, und Faustine, die sich nie in vaporöser Religionsschwärmerei verloren, möge wirklich im Gefühl der Unzulänglichkeit menschlichen Glückes, prophetisch eine bessere Zukunft für sich wahrnehmen. In Augenblicken der Exaltation wiederholte ich mir, ein Herz wie das ihre könne an keinem Menschenherzen Genüge haben, und nur von Gott, dem Herzen des Alls, verstanden, gewürdigt, erfüllt werden. O ich sann mir erhabene Tröstungen auf undgab meine Einwilligung. Der Papst lös'te unsere Ehe, und erteilte Faustine die Dispensation, ohne Noviziat den Schleier bei den Vive sepolte in Rom nehmen zu dürfen. Sie schritt der Erfüllung ihres Schicksals entgegen, zuversichtlich, hoffnungsreich. Sie ging, wie