!" entgegnete Mario, "und jetzt begehr' ich den Beweis dieser Liebe."
Sie schlug die erstaunten Augen gross zu ihm auf, als er sie bei der Hand nahm und aus dem Salon nach ihrem Zimmer führte. Da, vor ihrem Schreibtisch, liess er sie los und sagte bittend:
"Jetzt schreibe, Faustine."
"O Gott," ächzte sie und sank in den Lehnstuhl, "ich kann nicht!"
"So muss ich es tun!" sagte Mario gelassen.
"Bist Du wahnsinnig?" rief sie ausser sich; "nein! keine andre Hand, als die meine, soll ihm den Dolch ins Herz stossen; denn das tue ich, das weiss ich!"
"Ja," sagte Mario, "ihm oder mir."
Faustinens Zähne schlugen krampfhaft zusammen und ihre hände waren eiskalt. Mario fuhr fort:
"Die halbe Stunde ist sogleich verronnen, Faustine! schreibe! Du musst Dich entschliessen. Nach dem Entschluss hört die Qual auf. Das Unwiderrufliche überströmt die Schwankungen so beruhigend, wie Oel die tobenden Wellen. Ich will ja nicht Deinen Willen beherrschen; ich will ja nur, dass Du ihn aussprechen sollst. Schreibe, Faustine."
Sie war ganz von ihm beherrscht. Seine Bestimmteit, die sich um seine leidenschaft legte, wie ein Schild vor eine nackte Brust, beschämte sie, die Schwankende.
"Ja," sagte sie, "Du bist zuversichtlich, weil Du ganz göttlich-zuverlässig bist. Aber ich – darf ich mich auf mich selbst verlassen?"
"So verlasse Dich auf mich, Faustine, und schreibe! Sieh, Du kannst ja nichts Anderes tun. Gesetzt, Du stiessest mir den Dolch ins Herz – was wolltest Du hinterher beginnen? gegen Andlau schweigen? das ist Dir unmöglich! überdies würde' er erraten, dass Du nicht die Alte bist, und fragt er, wie willst Du leugnen, lügen können! – Oder Du sagst ihm, was Dir begegnet ist: glaubst Du, dass er im stand sein wird, es zu verschmerzen? Wenn's eine Laune von Deiner Seite gewesen wäre – wenn Du in einem müssigen Augenblick Gefallen an mir gefunden und Dich neckend und lieblich mit mir amüsirt hättest – ja, darüber könnte er lächeln und sich trösten. Kann er das jetzt, Faustine?"
"Nimmermehr," sagte sie, und nahm entschlossen die Feder. Sie schrieb:
"Anastas, Dein letztes Wort beim Abschied ist Wahrheit worden: ich habe Dich vergessen. Nein! nicht Dich, aber mich. Ich meine, ich hab' vergessen, dass ich nur in Dir leben konnte oder wollte. Wir dürfen uns nie wiedersehen, Anastas. Mit dieser Entscheidung ruinire ich Dein Leben! darum wag' ich auch nicht, Dich um Vergebung zu bitten. Du wirst am Besten wissen, wie Du zu denken hast an Faustine."
Ihre Schrift war unkenntlich, keine Spur der sonst so sichern, leichten Hand. Mario couvertirte das Blatt. Dann sagte er:
"Nun die Adresse, Faustine."
"Jetzt mach' ich ein Todesurteil fertig" – murmelte sie, und adressirte nach Nürnberg; denn so hatte Andlau es in seinem letzten Brief bestimmt.
Mario siegelte den Brief mit Faustinens Siegel und steckte ihn zu sich, indem er sagte:
"Morgen früh werde' ich, bei der Post vorbeifahrend, ihn selbst abgeben."
Dies Alles hatte er gelassen und leidenschaftlos gesagt und getan. In seinen Augen war eine andre Handlungsweise unmöglich für Faustine; sie hatte ihren Willen erkannt und ausgesprochen, sie musste ihn tun. Nun aber überstürzte ihn die Fülle des seligsten Bewusstseins wie eine jubel-Symphonie. Er sank vor Faustine nieder, umschlang sie mit beiden Armen und wiederholte immer, als ob er sich mit dem Wort vertraut machen müsse:
"Du liebst mich, Faustine! o, Du liebst mich."
"Das muss wohl wahr sein," sagte sie finster, und liess die hände sinken, mit denen sie bisher das Antlitz bedeckt hielt. Kaum sah sie aber in Marios Augen, so entzündete sich auch in den ihren ein helles Freudenlicht, sie war wieder die glühende, funkelnde Schönheit, wieder das liebedürstige Weib. Sie nahm seinen Kopf in ihre hände und fragte mit jenem Uebermut, den die Liebe so graziös auszusprechen weiss:
"Du bist aber wohl nicht glücklich, Mario?"
"Nicht ganz, Faustine!"
"O, Sie sind nicht glücklich?" sagte sie traurig, und ihre hände sanken wie gelähmt herab; "dann hab' ich gewiss unrecht getan."
Mario stand auf und sah sich im Zimmer um, indem er sagte:
"Als ich Dich in jener Ballnacht heimführte und den tollen Clemens hier fand – als ich dort auf der Schwelle stehen blieb und nicht dies Gemach betreten durfte – ja, damals ahnte ich kaum, welch Glück mir heute beschieden werden sollte! Aber ganz glücklich kann ich erst dann sein, wenn Du ganz mir angehörst, und darum flehe ich Dich an, Faustine, reise morgen mit mir zu meinen Eltern und lass den Vermählungstag meiner Schwester auch den unsern sein."
"Ach, ich soll Dich heiraten?" rief sie ängstlich.
"Wie dann nicht?" fragte er stolz. "Meinst Du, ich würde' es mir gefallen lassen, dass die Frau, der ich mein Leben weihe, meinen