, dass ich Ihnen für dies Compliment danken werde;" rief Faustine lachend; "denn erstens ist's eine Fadaise, und zweitens hasse ich die Sclaverei zu sehr für mich, als dass ich sie Andern auflegen möchte. Wer nicht aus freiem Willen bei mir ist, bei mir bleibt – der kann lieber heute' als morgen gehen; Rücksichten und Pflichten dürfen ihn nicht halten. Ich stürbe lieber vor Hunger, als dass ich ein Stück Brot von der Hand annähme, welche ohne überquellendes Erbarmen, ohne antreibende Liebe, nur aus dürrer Verpflichtung es mir darböte. – Gehen Sie doch, Graf Mengen, gehen Sie, wenn Ihre Freiheit durch mich beeinträchtigt wird – ich halte Sie nicht."
"Unbewusst – wie Sie selbst sagten."
"Nun, wenn Sie nicht gehen können, so müssen Sie auch nicht klagen. Man muss Fesseln brechen, nicht gegen sie rebelliren."
"Sind Sie wirklich im Besitz dieser seltenen Stärke in jedem Augenblick, zu jeder Epoche Ihres Lebens?"
"Mein Leben ist so unaussprechlich einfach und einfarbig gewesen, dass ich nur ein einziges Mal gelegenheit hatte, einen unbesieglichen Entschluss zu fassen. Da revoltirte ich freilich, aber es war eine Revolution, aus der eine neue Aera für mich hervorging: deshalb hatte ich ein Recht dazu. Seitdem habe ich, Gottlob! weder Kraft, noch Kämpfe, noch Entschlüsse nötig gehabt, was alles sehr unbequeme Dinge sind. Aber der Mann sollte doch immer unter den Waffen stehen! er ist von so verschiedenen Seiten anzugreifen. Leidenschaften, die wir kaum ahnen, beherrschen ihn oder versuchen es wenigstens; er muss nach allen Seiten auf der Hut sein. Wir haben es immer nur mit der des Herzens zu tun, was aber freilich auch die Sturm- und Wetterseite ist."
"Charakter haben – Wort und Tat, Meinung und Handlung in die genaueste Uebereinstimmung, und beide dahin bringen, dass sie Eins, dass sie unsere Wesenheit, dass wir selbst charakter werden: darin liegt die ganze menschliche Würde, und um sie stets zu behaupten, ist oft eine übermenschliche Kraft erforderlich."
"Mag sein übermenschlich!" rief Faustine mit strahlendem blick, "doch zweifle ich nicht, dass sie im entscheidenden Moment Ihnen zu Gebot stehen würde. O, Mengen, wenn Ihr klares, herrliches, entschiedenes Antlitz im Widerspruch mit Ihrem Wesen wäre, so wär' es mir ein Schmerz. Sie dürfen nicht lügen! nicht von der gemeinen Wortlüge rede ich, sondern von der feinen, welche im Sein nicht hält, was die Erscheinung verspricht. Nicht wahr, Sie werden immer ganz Sie, und so sein, wie ich Sie erkannt habe?"
Sie bog sich vor, und sah ihm fest ins Auge, und ihr blick berührte den seinen wie der Strahl der aufgehenden Sonne das Meer. Am liebsten wär' er vor ihr niedergekniet und hätte ihr ewige Huldigung gelobt. Aber er begnügte sich, ganz leise mit den Lippen ihre feine Hand zu berühren, die erst gegen ihn ausgestreckt, nun vor ihm auf dem Tische lag. Darauf sprach sie:
"Ich habe das Gelübde verstanden und nehme es an."
"Doch nun," rief Mengen, sich zusammennehmend, um nicht das Gefühl ausbrechen zu lassen, "nun müssen Sie mir irgend etwas geben, was mich stets daran erinnert, was mich nie verlassen wird."
"Das ist billig!" sagte sie. "Herzog Christian von Braunschweig trug stets einen Handschuh von Elisabet von der Pfalz am Barett. Ich denke, mein gelber Handschuh würde von sehr gutem Effect auf Ihrem schwarzen Hut sein."
Mario war aufgestanden und ging aus dem Salon in Faustinens Zimmer, an ihren Schreibtisch. Da stand eine kleine, sehr schöne, flache etrurische Schaale und in derselben lagen Ringe und Petschafte. Mario nahm diese Schaale und brachte sie Faustinen. Sie liess den Inhalt durch ihre Finger gleiten und wählte endlich einen einfachen, starken Ring mit einer grossen Perle und der Devise: "Qui me cherche, me trouve." – Sie fragte: "Ist Ihnen der Ring recht?"
Statt der Antwort hielt Mengen seine Hand hin und bat sie, den Ring ihm anzustecken und zwar an den sogenannten Ringfinger. Sie wollte es schon tun, da besann sie sich plötzlich und sagte langsam:
"Nein, der Finger wird dereinst einen andern Ring tragen, welchem der meinige weichen müsste. Gönnen Sie ihm einen Platz, von dem er nicht verdrängt werden kann. – Keine Einwendungen!" rief sie lebhaft; "ich bin eigensinnig! ich will meinen eigenen Platz! sei er so klein wie möglich – ich will meinen eigenen, unantastbaren Platz – oder gar keinen. Sie haben die Wahl."
"Sie haben zu befehlen," erwiderte Mario. "Ich meine nur, dass Sie jeden Platz zu einem unantastbaren machen."
"O ja, wenn ich mich gleich auf einen solchen stelle, der nicht mit den Ansprüchen der Welt in Collision kommt. – Sehen Sie, an Ihrem kleinen Finger nimmt sich der Ring ganz hübsch aus," setzte sie hinzu und schob ihn an.
"Nun erzählen Sie mir auch seine geschichte," bat er.
"Leider hat er keine", entgegnete sie lachend. "Vor Jahren hab' ich ihn mir ausgedacht, ihn machen lassen, ihn drei Tage getragen – dann bei Seite gelegt. Er bezeichnet nur meine damalige Seelenstimmung