Bravo! im Ehecontract die Scheidung zu bedenken – das gefällt mir! das ist eine Vorsicht im grandiosen Styl."
"Ich nenne das gemein" – sprach Faustine ruhig.
"Eltern können aber wirklich kaum mehr ohne jede mögliche hypotekarische Sicherheit ihre Töchter einem mann anvertrauen. Nach zwei, drei Jahren ist die Sache zu Ende, wie ein Schauspiel, und die ganze Zukunft eines Mädchens zerstört."
"Ich weiss wohl!" entgegnete sie; "aber ich finde es entadelnd für ein Mädchen, wie ein Ballen Waaren assekurirt, hin und her spedirt zu werden. Kaufmännisch gemein, gehört diese Institution ganz einer Zeit an, die gleich der Schlange, nach der Edda, an den Wurzeln des Baumes nagt, der den Himmel und die Götter trägt. Das Gefühl wird an der Wurzel untergraben. Ein Mädchen soll die Zuversicht haben, dass weder Himmel noch Hölle sie von ihrem künftigen Gatten trennen können. Hat sie die nicht, so heirate sie ihn nicht."
"Aber sie hatte sie oft, und verliert sie nur später."
"Ich meine bloss, dass ich einen Kaufmann nicht achte, der auf seinen Bankerott speculirt, um reicher zu werden, als er vor demselben war."
"Verteidigen Sie denn gar nicht Ihre arme Cousine?" wurde ein junger Mann gefragt.
"Nach zehn Jahren werde' ich es tun! so lange Zeit brauche ich, um die Wendung der Dinge zu beobachten! in zehn Jahren müssen sie sich auf eine oder die andere Seite geneigt haben, und dann kann man etwas Anderes vorbringen, als Mutmassungen und Voraussetzungen."
"Ich finde auch wirklich die Zumutung etwas stark," sagte Faustine lachend, "dass wir alle Dummund Torheiten unserer Verwandten vertreten und verteidigen sollen. Ich danke Gott, wenn es mir bei meinen eigenen gelingt."
"Wie können Sie sich selbst so verleumden!" rief Feldern.
"Keine Verleumdung!" antwortete sie; "aber das Wort Dummheiten ist Ihnen zu kräftig, nicht wahr? also will ich lieber sprechen: meine allerliebsten kleinen Torheiten machen mir so viel zu schaffen, dass ich nicht Zeit habe, die anderer Menschen wahrzunehmen. Allerliebste kleine Torheiten, bester Feldern, können Sie nun doch einmal Ihrem Schützling, dem Menschengeschlechte, nicht wegleugnen, so viel Mühe sich auch Ihr gutes Herz deshalb gibt."
"Es ist wirklich wahr, der Herzog von *** hat auf einem Maskenball in Pilgertracht dem Herrn *** ein bairisches Adelsdiplom überreicht – selbst überreicht, en masque! ist das nicht himmlisch?" sagte einer der Herren.
"Ein Scandal ist es! eine Entwürdigung! – Nicht himmlisch, sondern himmelschreiend! – Eine verbesserte Auflage von der altmodischen Form: besser Ritter, als Knecht!" – rief man durcheinander.
"Warum denken die Fürsten nicht Belohnungen aus, welche auf ihre Kosten gehen?"
"Weil es ihnen bequemer ist, auf die unsern zu geben."
"Und weil der Belohnte so sehr viel lieber "von" v o r seinen Namen schreibt, als "Ritter des und des Ordens neunundneunzigster klasse" – h i n t e r denselben der Kürze wegen!"
"Der Adel sollte beim Bundestage einkommen gegen diesen Missbrauch."
"Den die Fürsten treiben! wir sind keine Reichsritterschaft mehr und müssen uns Alles gefallen lassen, vom Plebs des volkes und der Fürsten."
"Und dann," sagte Faustine, "klingt Herr von Fischer von Schmerlenbach und Herr von Schwarz von Mohrenland so durch und durch plebejisch, dass es keiner Seele einfallen wird, sie in einer alten Chronik oder einem Turnierbuch zu suchen; und das ist ja der alleinige Spass, den wir noch von unsern Namen haben."
"Ich verlange keinen Spass von meinem Namen, gnädigste Gräfin, sondern Ehre."
"Dass weiss ich, Graf Kirchberg," antwortete sie freundlich; "weil Letzteres lediglich von unsrer Persönlichkeit abhängt, so hat es ja gar keinen Einfluss auf Sie, ob der Herr Peter – Baron von Petershausen wird. Dalberg und Berlichingen klingen doch anders, nicht bloss für unser Ohr, auch für das unsrer Gegner und Rivale, und das eben, dass etwas Unfassbares darin liegt, etwas Idealisches, tönender als der Geldbeutel, gewichtiger als Berge von Akten, zauberhafter als die schwarze Kunst der Industrie – das ist mein Gaudium! Ich bitte um Verzeihung wegen dieses Studentenausdrucks, aber ich bleibe beim Gaudium! – Die Leute zucken die Achsel über den leeren Schall des Wortes: er ist von Adel; sie machen sich lustig über den Adel, sie suchen bald ihn mit Füssen zu treten, bald ihn zu überflügeln, sie coudoyiren ihn – hier mit der sterilen Aufgeblasenheit des Reichtums, dort mit dem würdigern Bewusstsein des Verdienstes, und wenn ihnen die Möglichkeit eröffnet wird, in die Reihen der gehöhnten Kaste einzutreten, so wischen sie den plebejen Schweiss von der Stirn, holen Atem, lassen sich nieder, kurz, sie zeigen, dass sie am Ziel sind. Meine lieben Freunde, ist denn das kein Gaudium für uns?"
"Man kann sich freilich über Alles lustig machen," sagte Kirchberg, "aber diese Sache hat doch auch ihre sehr traurige Seite. Freilich lassen diese Leute, eingedrängt und eingeschoben – gleichviel! sich zwischen uns nieder, und dafür drängen sie uns, wie der Kukkuck den Hänfling, aus dem Neste. Sie bekommen den Grundbesitz in die hände. Viehhändler, Fabrikanten,