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Bestien, haben viel Aehnlichkeit mit den Weibern, müssen gehorchen lernen, auf den Wink, der geringsten Bewegung. Es gehört viel Verstand dazu, ein tiefes Studium und ernste Beharrlichkeit, ihnen Gehorsam einzuimpfen."

"Den Weibern oder den Pferden?"

"Beiden! Der Umgang mit diesen ist gleichsam die Elementarschule zum Verkehr mit jenen."

"Ich gratulire Deiner künftigen Gemahlin, lieber Centaur."

"Hat noch Zeit! bin noch nicht firm genug" – war die Antwort.

"Da kommt Feldern mit einem Fremden, wahrscheinlich Graf Mengen," unterbrach Jemand das geistreiche Gespräch.

"Richtig, er ist's!" rief der Centaur; "ich parire, er ist ein excellenter Reiter."

Neben dem kleinen, blonden, schmächtigen, zierlichen Feldern, der hände hatte, weiss und zart wie ein Frauenzimmer, und ein Gesicht freundlich lächelnd, wie ein vierzehnjähriges Mädchenging ein grosser Mann, schlank und dunkel wie eine Tanne, vom Scheitel bis zur Sohle ernst und fest wie aus Erz gegossen; aber die ganze Erscheinung wunderbar gelichtet, erleuchtet fast, durch seine Augen, welche Lichtstreifen auf den Gegenstand zu werfen schienen, den sie anblickten; übrigens aber vornehm gleichgültig, zerstreut selbstbewusst in Haltung und Manierenkalt übersehend, spöttisch abwehrend in Wort und Ausdruck für die Masse, jedoch dem Einzelnen nie Huldigung oder Bewunderung versagendso trat Graf Mario Mengen auf.

Feldern machte ihn mit all den jungen Männern bekannt. Einige empfingen ihn neugierig zudringlich, Andere taten gleichgültig gegen den Fremden, den Uneingeweihten in das Geschwätz und die Interessen ihrer Coterie. Mario liess Alle schwatzen, gähnen, rauchen, setzte sich mit untergeschlagenen Armen, und blickte in die lachende Gegend hinein.

"Da zeichnet ja die Gräfin Faustine" – sagte Feldern plötzlich.

"Aber wo ist denn Andlau?" fragte Einer; "fast eine Stunde ist sie allein hier, mich wundert, dass er das zugiebt."

"Dass er es erträgt!" rief ein Andrer.

"Nun, nun!" sagte der immer begütigende Feldern, "sie sind ja nicht Beide aneinander geschmiedet."

"Glauben Sie nicht, Feldern, dass sie heimlich verheiratet sind?"

"Nein, denn sie könnten es ja wohl öffentlich sein, wenn sie wollten."

"Wer kann's wissen! das Ding hat gewiss seinen Haken."

"O ganz gewiss!" rief ein Dritter; "z.B. den eigenwilligen Kopf der Gräfin Faustine selbst, die, um etwas ganz Apartes zu haben, in der Stille bestimmt tausend Martern ertrügenatürlich ohne sich selbst oder Andern zu gestehen, dass es in der Tat Martern sind."

"Es ist wahr, sie hat ihre eigenen und eigentümlichen Allüren" – sagte Feldern.

"Ein Beispiel hat mich ungeheuer frappirt, entgegnete der Andre. "Sie trug den ganzen Winter hindurch in allen grossen Soireen ein und dasselbe Kleid."

"In a l l e n Soireen! sie geht doch wenig in die Welt."

"Kann sein! aber w e n n sie ging, so trug sie ihr himmelblaues Atlaskleid. Zuerst war das ganz gut; aber es ist doch wunderlich, öfter als drei- bis viermal genau im nämlichen Anzug zu erscheinen. In Italien herrscht die Sitte, dass Mütter ihre Kinder unter den besonderen Schutz der Madonna stellen und sie deshalb in deren Farbe, hellblau, kleidenein Jahr, eine Reihe von Jahren, immer, je nachdem sie es gelobt haben. Ich fragte die Gräfin Faustine, ob sie ein solches Gelübde getan. Nein, sagte sie, aber das der Bequemlichkeit. – Ist dies natürlich bei einer Frauich frage!"

Indem erhob sich Faustine, gab dem Bedienten das Zeichenbuch und nahm den Sonnenschirm. Dann stand sie ungefähr eine Minute lang an der Balustrade der Terrasse. Sie trug ein ganz schlichtes weisses Percale-Kleid, den Hals umschliessend, auf die Füsse herabfallend. Kein buntes Band, keine Schleife, kein Shawl zerschnitt die Gestalt und störte den harmonischen Eindruck ihrer statuenmässigen Proportionen. Ein tiefer weisser Tafftut verbarg ihr Haar, fast ihr Gesicht. Sie wandte sich langsam. Es sah aus, als bildeten die grünen Bäume ein Laubdach für Andere, einen Tempel für sie. Sie ging mit dem Anstand einer Königin an den Männern vorüber, die sie freundlich grüsste, als sie Bekannte unter ihnen wahrnahm.

"Wer war die Dame?" fragte Graf Mengen lebhaft.

"Eben die Gräfin Faustine, von der wir sprachen."

"Eine Fremde?"

"Ja; doch seit einigen Jahren hier etablirt."

"Verheiratet?"

"Gewesen. – Vielleicht. – Man weiss nicht. – witwe. – Unverheiratet." – Erscholl es von allen Seiten.

Mengen warf den Kopf herum: "Die Herrn sind guter Laune."

"Auf Ehre! reine Wahrheit was wir sagen!"

"Das Wahrste und Einfachste," sprach Feldern, "ist indessen doch, wenn man sagt, dass Gräfin Faustine Obernau witwe ist."

"Kennst Du sie?" fragte Mengen.

"Recht gut."

"Ist sie liebenswürdig? kann ich sie auch kennen lernen? – Nimm nicht übel, dass ich die insipideste aller Conversationen, eine fragende, mache! Dem Fremden muss man das verzeihen."

"über diese Frau," nahm ein Anderer das Wort, "könnte man noch