1840_von_Hahn_Hahn_135_18.txt

sagte Faustine. "Hätte ich eine Tochter, und ein Mann bewürbe sich um sie, weil er doch eben eine Köchin oder, wenn's hoch kommt, eine Wirtschafterin braucht: so würde es mich sehr kränken."

"Mit Unrecht!" rief Adele, "gemeinsame Sorgen verbinden so herzlich."

"Ich glaube selbst, dass es törig ist," entgegnete Faustine gelassen, "und der Himmel hat mir diese Torheit erspart, indem ich keine Tochter habe. Allein daran hab' ich nie gezweifelt, dass sorge und Mühe, zusammen durchkämpft, zusammen getragen, die Herzen aneinander binden. Ich will ja auch sehr gern Haushälterin sein und Magd und Allesaber ich will nur, dass der Mann mich als Faustine begehre mit all meinen Fähigkeiten, und nicht als Magd." "Ich erstaune!" sagte Walldorf, und liess die Hand mit der Pfeife sinken. "über meine verständigen Ansichten?" fragte sie. "Nein; dass Sie nicht grade heiratslustig, aber doch heiratsfähig sprechen, – das überrascht mich unaussprechlich." Faustine war äusserst belustigt durch ihren Schwager. Sie lachte sehr und fragte: "Warum sollte ich nicht heiratsfähig sein? finden Sie mich zu alt?" "O," sagte er mit einer verbindlich sein sollenden Verbeugung, "eine so schöne Frau wird nie alt." "Bravo! Sie üben sich in der Galanterie. Also jung und schön genug wär' ich! – doch nicht reich genug etwa?" "Nebensache, das! aber .... nehmen Sie's nicht übel, ich dachte, Sie wollten ganz auf gleichem Fuss mit dem Mann lebenund das geht doch nicht an. Darum mein freudiges Erstaunen bei Ihrer demütigen Aeusserung, die vom Gegenteil zeugt. Ja gewiss! der Mann muss herrschen und die Frau gehorchendazu ist sie geboren."

"Gott," rief Faustine, "wie komisch sind die Männer! ganz ernstaft bilden sie sich ein, der liebe Gott habe unser Geschlecht geschaffen, um das ihre zu bedienen!"

"Zu beglücken!" verbesserte Walldorf.

"Das kommt Euch gegenüber auf Eins heraus! Der gute Gott schuf nicht das Lamm, damit der Wolf es fresse; und nicht die Fliege, damit der Vogel sie erschnappesondern Lamm und Fliege, weil sie in seine Schöpfung gehören und auch ihre Lust am Leben haben sollen. Und die eine Hälfte des Menschengeschlechts wäre geschaffen, damit die andre sie brutalisire?!"

"Welch ein Ausdruck ...." –

"Ihr wollt winken, und wir sollen kommenein Wort sagen, und wir sollen anbetenlächeln, und wir sollen auf die Knie fallenzürnen, und wir sollen verzweifelnAlles auf allerhöchsten Befehl, den ihr von Gottes Gnaden decretirt. Was ist das anders als uns brutalisiren? – ich frage. Das ist Euch schon zur natur worden! in diesem Sinn richtet Ihr die bürgerlichen Verhältnisse ein, erzieht Ihr die Kinder, schreibt Ihr Bücher. Himmel! wenn ich neuere Romane aufschlage, besonders französische, was erdulde ich für Aerger! In ewiger Anbetung, wie der Pater Seraphicus im Faust, schweben die Frauen vor ihren Geliebten, und die lassen es sich gnädig, zuweilen auch ungnädig, gefallen. Könnt' ich nur Bücher schreibenich kehrte das Ding um, und brächte den guten alten Sprachgebrauch, der jetzt ganz widersinnig ist: "Er ist ihr Anbeter" – wieder zu Ehren. Ich werde es auch gewiss noch tun, nur um meiner Empörung Luft zu machen, und vielleicht gibt mir der Aerger liebliche Inspirationen."

"Willst Du denn, dass die Frauen das Regiment führen?" fragte Adele.

"Nein, ich will nur, dass die Männer mit ihnen umgehen wie mit ihres Gleichen, und nicht wie mit erkauften Sclavinnen, denen man in übler Laune den Fuss auf den Nacken stellt, und in guter Laune ein Halsband oder ähnlichen Plunder hinwirft. Das demoralisirt die Frauen, es stumpft ihr Zartgefühl ab. heute lassen sie sich eine Brutalität gefallen, um dafür morgen einen neuen Hut zu bekommen. Ich war einmal bei einer Freundin, ihr Mann kam von der Jagd heim, sehr verdriesslich, weil die Schnepfen sich nicht hatten wollen schiessen lassen. Er warf sich aufs Sopha und commandirte: "Charlotte!" – sie stellte sich. "Knöpfe die Kamaschen ab!" grosse, schwere, plumpe, beschmutzte, lederne Kamaschen! Sie tat es. Hernach sagte ich ihr: "Ich war recht verwundert, dass Du nicht den Bedienten riefst." – Sie antwortete: "Das hätte meinen Mann noch verdriesslicher gemacht, und er würde mir nicht den Gefallen tun, meine Rechnung bei dem Juwelier zu bezahlen, was ganz notwendig ist." – Ich rief: "Du bist ja wie Esau, verkaufst Dein Erstgeburtrecht für ein Linsengericht!" – Diesen Vergleich mit Esau hat sie mir, beiläufig gesagt, nie vergeben. Aber diese Behandlung verdirbt die Frauen so, dass, wenn der Mann spricht: "Ich habe Kopfweh, bleibe doch heute Abend zu haus" – so entgegnet sie: "Sehr gern, allein dafür bekomme ich doch dies oder das?" – Clemenswandte sie sich plötzlich an diesenwenn Sie dereinst nicht Ihre Frau als ein Wesen Ihrer Art behandeln, so sage ich Ihnen die Freundschaft auf."

"Als ein