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", sagte sie, "dich aller jener gewaltsamen Taten, aller jener Wildheit völlig zu entwöhnen, die deinen Namen so berüchtigt gemacht haben: ich habe deinem heiligen Wort vertraut und mein Schicksal an das deinige geknüpft; und nun sollen jene schadenfrohen Prophezeiungen meiner Feindinnen dennoch in Erfüllung gehen, dass du deinen grausamen Sinn niemals ändern könntest? Ich beschwöre dich, bleibe dieser abscheulichen Unternehmung fern, verweile bei mir, rate deinen jungen ungestümen Freunden ab, denn deine stimme gilt alles bei ihnen. Wohin soll dieser Aufruhr führen? Und wenn du fällst? Wenn jene siegen und die Regierung dich bannt, oder gefangensetzt, oder gar –"

"Wie!" schrie er im wildesten Zorn, "dulden sollten wir es, wir Fürsten und Barone, dass diese gemeinen, elenden, feigen Söldlinge uns so ungestraft mordeten? Uns wie das Vieh hinschlachteten? Und wenn ich in Stücke gerissen werde, wenn Papst und Kardinäle und Rom untergehn, so müssen wir uns rächen. Dahin sollte es kommen, dass wir die Sklaven von Häschern würden? Und wir die hände in den Schoss legen? O du bist keine Savelli, du bist das hochherzige Weib nicht, für das ich dich erkannt habe, wenn du mir im Ernst eine solche Niederträchtigkeit anraten kannst? Und wo ist die Gefahr? Du wirst sehen, wie leicht, wie schnell dies Gesindel von uns zertrümmert wird."

Er verliess sie und sein Gemüt jauchzte. Er mochte wohl nur eine gelegenheit, einen Vorwand erwartet haben, um seine Wut, die immerdar in ihm brannte, entzügeln zu können. Nun ward die versammelte Menge nach verschiedenen Palästen und Strassen gesendet und plötzlich stürzten die Jünglinge von verschiedenen Punkten, mit Schwert, Dolch und Schiessgewehr bewaffnet, auf Plätze und Gassen hinaus. Orsini lief zuerst auf die Wacht zu, die der Barigell um sich versammelt hatte. Toben, Schreien, das Knallen der Gewehre, die Wehklage der Fallenden, alles erregte den zitternden Bürgern, die aus ihren sichern Häusern der Metzelei zusahen, Schauder und Entsetzen. Mancher der edlen fiel, aber diese Hauptwacht war vernichtet; der Barigell, als er seine Leute fallen sah, entfloh mit wenigen Lebenden, die sich nach verschiedenen Richtungen zerstreuten.

Aus andern Strassen strömten dem blutberonnenen Luigi fliehende Häscher und ihre Verfolger entgegen. Alle diese Sbirren wurden überwältigt und grausam, schnell, unter Hohngelächter massakriert. "Welche Freude", rief Luigi im Taumel zu seinen Begleitern, "welche Lust muss das vor zehn Jahren in Paris gewesen sein, als man auf diese Weise die Bartolomäusnacht feierte, als jedermann auf diese verdammten Hugenotten loshieb und stach, und von dem verruchten ketzerischen Blut heiss übergossen wurde!"

Wo sich nur ein Häscher zeigte, wurde er diesseit und jenseit der Tiber niedergemacht: es war keine Strasse, die nicht vom Blute des Mordes befleckt wurde. Mancher Wandernde, der nicht in seinem haus geblieben war, ward niedergestossen, weil sich die Wütenden auf Frage und Antwort nicht einliessen, und ihn für einen verkleideten Feind annahmen. Wo sich die Parteien der Rasenden begegneten, drückten sie einander die hände, umarmten sich und frohlockten über ihr gelungenes Werk. – Allentalben lagen Leichen, oder Sterbende, die sich in ihren Schmerzen krümmten und die klaffenden Wunden zu decken suchten. Aber nirgend war Mitleid.

Bracciano sah aus seinem hohen Gemach vieles von diesem Unheil und hatte es den Seinigen streng verboten, aus dem haus zu gehen, und an diesem Mordfeste teilzunehmen.

Als Luigi schon die ganze Stadt durchraset hatte und von allen seinen Begleitern getrennt war, sah er noch einen Häscher in ein kleines Haus hineinspringen, um sich dort zu verbergen. Die wohnung war ihm nicht unbekannt und er sprang dem Fliehenden nach. Dieser rann durch das Vorgemach und stürzte sich in eins der inneren Zimmer: Luigi ihm nach mit dem geschwungenen Dolch. Unter ein Ruhebett wollte der Zitternde sich verkriechen, doch hatte ihn der Wütende schon ereilt, und stiess ihm den Dolch in die Brust. Ein Blutstrom, ein kurzes Röcheln, und er war verschieden. Nun erhob er den blick und sah vor sich auf dem Ruhebette ein Wesen sitzen, das ihn entsetzte, sowenig er Furcht und Grauen kannte. Es war ein Weib, das ihm wie ein Gespenst erschien. Ein schwarzer blick aus dem tief eingefallenen Auge fuhr stechend in das seine, die Wangen aschgrau und eingesunken, das greise lange Haar ungekämmt und ohne Ordnung über die Brust hängend, Nacken und arme vermagert.

"Um des himmels willen", schrie Luigi, und schlug die hände zusammen; "erst jetzt erkenne ich Euch, Ihr seid Donna Julia!"

"Und warum nicht?" antwortete sie mit heiserer stimme: "irgend was muss der Mensch sein, und ich habe diese mühselige Rolle übernommen."

"Ihr Ärmste!" rief Luigi innigst bewegt, "– also so weit ist es mit Euch gekommen? Wo ist nun Euer Glück? Wo die Bewunderer, die hier in diesem Zimmer Eure und Eurer Tochter Gedichte lobpriesen? Nicht wahr, die Vermählung mit diesem Peretti ist herrlich ausgegangen? Eure Klugheit hat Wunder ausgerichtet! Ist das die stolze, herrische Donna, die es damals wagte, mir so herbe Worte zu sagen? Die poetischen Werke Eures Übermutes haben wenig gefruchtet."

"Eines Eurer schönen Werke", antwortete sie, "habt Ihr mir hier überreicht" – sie wies auf den Leichnam – "und Euer Ende ist auch noch nicht gekommen