Huld, Überredung, und tausend solcher Herrlichkeiten zur Tat getrieben sei, von jenen, die er angedeutet habe, die er aber auch bestimmter bezeichnen könne."
"Redet ganz aus", rief die Mutter, schon ausser Fassung gesetzt.
"Ihr wisst", fuhr Caporale mit bewegter stimme fort, "dass Ihr nach den Gesetzen hier in diesem haus nicht bleiben könnt, denn da Peretti ohne Erben gestorben ist, so fällt es mit allem Zubehör an Montalto zurück. Euch bleibt also nichts übrig, als Euch in Eure frühere wohnung zu begeben, oder Euch beide unter den Schutz des Bischofs, Eures ältesten Sohnes zu stellen, der jetzt das Haupt der Familie ist."
"Auf keinen Fall!" rief Vittoria und stand empört vom Sessel auf; "als Sklavin wäre ich dann verhandelt. Ich habe mir längst gedacht, was die elenden Menschen vermuten und ausschwatzen werden, und die am giftigsten, die am besten die Wahrheit wissen."
"So ist es", sagte Caporale; "den Mächtigen, der es vor seinem Gewissen verantworten mag, was er getan hat, wird man nicht beschuldigen, man wird es nicht wagen, in diesem Prozesse nur seinen Namen zu nennen. So ergiesst sich dann die ganze Flut der Schmähung auf arme, wehrlose Weiber, die ohne Schutz dastehn, ganz preisgegeben dem Sturm und Unwetter der Verleumdung. Da Ihr so ganz ohnmächtig seid, und Euer kleines Haus Euch kein Asyl geben kann, so müsst Ihr Euch durchaus unter den Schutz eines Grossen stellen. Doch ist der tugendhafte Farnese, der jetzt der Gewaltigste wäre, ganz von Euch abgefallen."
"So bleibt uns nur", rief Vittoria aus, "der Palast des Herzogs von Bracciano übrig.
Das war auch mein Gedanke", antwortete Caporale. –
"Wird er uns aber in dieser Bedrängnis aufnehmen, und seinen Namen preisgeben wollen?" –
"Ich komme von ihm her, meine Angst um Euch trieb mich zu ihm: er öffnet Euch seine Tür, und Ihr seid dort wenigstens für den Augenblick vor Schimpf und Gewalttat sicher." –
Die Mutter irrte verwildert im Saal umher und rang die hände. – "So wird es ja aber", rief sie aus, "nur bestätigt, dass er der Urheber des Frevels ist, dass wir um ihn wussten und ihn bewilligten, dass meine Tochter seine Geliebte ist, dass ich Alte, Unglückselige, die Kupplerin vorstellte, und mein Jüngster, Flaminio, sich auch deswegen hat abkaufen und bezahlen lassen. Nun sind ja Ottavio und Farnese die Tugendhaften und wir die Verbrecher. O Himmel! Himmel! wie hart, wie grausam bestrafst du meinen Stolz, mit dem ich früher auf meine Kinder hinsah. Wohin, wohin hat uns das Notwendige, Gute, wohin das Schicksal geführt, dass wir nun in diesem ehernen Netze gefangen liegen, und alle unsre Glieder tödlich gelähmt sind. O du unbefleckter Ruf meines tugendhaften Hauses! – Es bleibt uns nichts als Verzweiflung und Untergang."
"Fassung, Mutter", sagte Vittoria in ihrer grossartigen Weise; "das Nächste, Notwendigste müssen wir auch jetzt ebenso wie damals ergreifen. konnte ich den Entschluss zu jener unglückseligen Vermählung fassen, weil es die unerbittliche notwendigkeit so forderte, so kann ich mich auch jetzt diesem Zwange beugen. Verleumdung! befleckter Ruf! O wohl ist Ehre und guter Name ein unschätzbares Kleinod, aber Freund und Feind hat uns so in diese fürchterliche Enge hineingezwängt, so an die Felsen gedrückt, dass weder Vorschritt noch Rückweg möglich ist, dass ich mich gefangengebe. Nur sterben will ich nicht, nicht jetzt endigen, wie ich es ehemals vermocht hätte, weil ich das Leben kennengelernt habe, und weil ich es von der Zeit erwarte, die oft billig und selbst gerecht ist, dass sie mich und die Meinigen wieder läutre. – Wir nehmen also den grossmütigen Schutz Braccianos an, und werden uns als Flüchtige in dieser Stunde noch in seinen Palast begeben."
So geschah es. Farnese wütete, als er diese Kühnheit erfuhr, weil er geglaubt hatte, weder der Herzog noch die eingeschüchterte Familie würde eines solchen Entschlusses fähig sein: er hatte gehofft, die armen Unterdrückten würden ohne alle Bedingung seiner Gnade und Gewalt anheimfallen müssen.
Bracciano war auf eine gewisse Art erfreut, die Geliebte in seinem haus und Schutze zu wissen, doch täuschte er sich auch nicht über die Gefahr, der er selber ausgesetzt sei, wenn die Regierung jede Rücksicht fallenlasse und die Untersuchung mit Strenge auf das Äusserste treibe. Indessen sprach er Vittorien Mut ein und verhiess, dass er alle seine Gewalt daransetzen wolle, dass nichts Schreckliches eintreten könne.
Die Gerichte durften es nicht wagen, seinen Palast zu betreten, aber der Governador erschien selber bei ihm, um Vittoria zu dem geistlichen Gericht der Kardinäle vorzuladen.
Im saal des Vatikans hatten sich die Richter versammelt. Voran als Präsident der Kardinal Farnese, ihm zunächst Karl Borromäus und Ferdinand der Medicäer. Noch waren andre Kardinäle und Bischöfe zugegen, so wie einige Schreiber und Richter der Kurie. Man wollte vorläufig die Angeklagte und scheinbar Schuldige verhören, um nach den Aussagen und Bekenntnissen nachher den eigentlichen Prozess zu beginnen. Durch Protektion war es dem Ritter Carre gelungen, auch bei diesem Verhör zugelassen zu werden, denn er war sehr begierig, diese Vittoria, von der ganz Rom sprach, über welche die Aussagen so verschieden lauteten, persönlich kennenzulernen.
Alle erstaunten, als sie