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verabredet, und wenn Ihr ihn gut bezahlt, so lässt er das Leben für uns."

"Freund!" rief Farnese, "hütet Euch vor diesem verwegenen Menschen! In welchem Lichte würdet Ihr erscheinen, wenn ihn die Häscher in Eurem haus aufheben sollten!"

"Sorgt nicht", antwortete Peretti, der nun nach und nach nüchtern geworden war. "Wir sind beide zu vorsichtig. Aber auf meinen Plan zurückzukommen, so ist es dieser, der gar nicht fehlschlagen kann. Ich habe mit meiner Familie verabredet, dass wir in wenigen Tagen alle wieder auf einige Wochen nach Tivoli hinübergehen, um dort das kleine Haus, ein Eigentum der Familie, zu bewohnen. Nun fährt die stolze Vittoria dann in dem einen Wagen ganz allein, wie sie es immer tut, nur etwa zwei Kammerfrauen mit ihr, ich folge mit der Mutter nach. Da will ich es schon so einrichten, dass der zweite Wagen Schaden nehmen soll, und wir bedeutend zurückbleiben. Halben Weges, auf dem wüsten feld, können Eure verkappten Leute, oder Eure Freunde des Gebirges, die freien Menschen, sie leicht entführen und schnell auf eins Eurer Schlösser, oder zu einem sichern Freunde bringen. In Tivoli selbst ist sie auch leicht aus dem kleinen haus wegzurauben: oder von einem Spaziergange, weil sie es liebt, oft ganz allein umherzuwandeln. Ist sie nun erst in Eurer Gewalt, so muss sie sich, ihrer eignen Wohlfahrt wegen, bald ergeben. Denn sonst lasse ich ihr mit einem Prozesse drohen, dass sie mich böslich verlassen, dass sie sich freiwillig von irgendeinem Eurer Kastellane oder Stallmeister, wegen bewussten Ehebruchs von diesem ihrem Liebhaber habe entführen lassen: dann wird ihr gesagt, wenn sie ruhig bei Euch bleibt, sich die Geschenke von Euch, Reichtum und Wohlleben mit Euch gefallen lässt, so werde ich gänzlich schweigen, und tun, als lebe sie von mir, mit meiner Bewilligung, getrennt."

"Lieber Mann", sagte Farnese jetzt, "Ihr seid viel klüger, als ich geglaubt habe. Meldet mir nur, an welchem Tage und in welchen Stunden die Reise nach Tivoli vor sich geht, und ich will mich gar nicht mehr hier sehen lassen, um allen Verdacht um so mehr zu entfernen. Bei dieser Abrede soll es also bleiben: sie soll glücklich, reich und vornehm werden, und Euch werde ich so belohnen, dass Ihr selber über meine Grossmut erstaunt denn meine leidenschaft zu ihr ist eine unendliche. – Aber jetzt lasst mich, nach Euerm törichten Benehmen im Rausch, wieder unbemerkt aus dem haus: denn ich fürchte, der Morgen dämmert bald herauf."

Er nahm seine Umhüllungen wieder auf, und Peretti suchte den Schlüssel des Hauses hervor. Kaum hatten beide mit der Kerze den Saal verlassen, als Bracciano, der jedes Wort vernommen hatte, sich aus seinem engen Cabinet behutsam herausschlich, die Tür wieder andrückte, und den beiden mit leisen Schritten nachging. Der Saal stand offen, auf dem Gange folgte er dem Lichtschein in der Ferne. Nun standen jene beide an der Tür des Hauses und Peretti fügte den grossen Schlüssel ein, um zu öffnen. Auf tat sich leise und langsam die Tür, und Farnese schlüpfte auf die Gasse, im selben Moment aber blies Bracciano, der jetzt dicht hinter Peretti stand, die Kerze aus, gab diesem einen kleinen Stoss, und sprang aus dem haus, sich nach der entgegengesetzten Seite wendend, als wo er den Verhüllten im aufdämmernden Dunkel wandeln sah. Peretti wusste nicht, wie ihm geschehen war, zitternd und halb ohnmächtig verschloss er die Tür, begab sich in sein Gemach, und konnte sich lange von seinem Schreck und Grauen nicht erholen.

Viertes Kapitel

Peretti musste noch viel darüber sinnen, wer jener Fremde gewesen sei, der ihn so erschreckt und sich so verdächtig in seinem haus versteckt habe. Er riet auf viele, konnte aber nirgends eine sichere Vermutung finden. In seiner Verlegenheit und Angst war er unklug genug, dem Kardinal Farnese den Vorfall zu erzählen, und wurde noch verwirrter, als dieser in Schreck und Zorn ihn heftig anliess, dass dergleichen in seinem haus möglich sei. "Wie?" rief er aus, "Ihr verlockt mich in stiller finstrer Nacht in Euer Haus, ich folge Euch in unziemlicher Verkleidung, weil ich Euch mein unbedingtes Vertrauen schenke; – und in unserer Nähe lauert ein Mörder, oder wenigstens ein Verdächtiger, ein Unbekannter! Wie leicht war es ihm, so ohne Diener, unbewaffnet, wie wir waren, uns zu ermordenund welchen Ruf erwarb mir dann in der Welt dieser verdächtige Tod! Bedenkt, Peretti, ob es mir wohl zu verargen wäre, wenn ich Euch selbst für einen verruchten Bösewicht und Verräter hielte, der im Komplott meiner Feinde, mir boshafte Schlingen legt, und mir nach dem Leben stellte. Erinnere ich mich Eures sonderbaren Benehmens, so wird der Argwohn fast zur Wahrscheinlichkeit. Wie? Ihr beredet mich, Euch verkleidet nach jenem Festino zu folgen, um mir dort wichtige Entdeckungen und Vorschläge mitzuteilen? Damals wart Ihr noch nicht berauscht, und konntet also wissen, dass Ihr mir etwas Unmögliches versprachet und verhiesset. Nun also waren wir auch bei der spätern Beratung, als Ihr etwas mehr zur Vernunft gekommen wart, nicht allein: sagt selbst, ob ich im Unrecht bin, wenn ich Euch für einen Verräter halte?"

Peretti bereute herzlich seine unbesonnene Mitteilung, denn statt Rat und hülfe bei