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, krank, mit verletztem guten Namen, verwundet kehrst du von diesem Gesindel zu mir zurück, und kannst, wenn dir ein Funke von Gefühl blieb, unmöglich erwarten, dass ich mich nicht gegen schändenden Missbrauch zu gut dünken sollte. So wie du lebst und denkst, wäre diese Vertraulichkeit nur schmachvoller Ehebruch, die Entweihung alles Göttlichen in mir. – Ich werde zu niemand, auch zu meiner Mutter nicht sprechen, keiner braucht zu ahnen, welche Übereinkunft wir getroffen haben. Solltest du aber klagen, unzufrieden sein, so sei versichert, Peretti, dass ich mich sogleich in ein Kloster, oder zu den Tieren des Waldes flüchte, um deiner loszuwerden. Oder öffentlich aller Welt von dir erzählen, und lieber in der Barbarei als Sklavin dienen, als deine Gemahlin heissen."

Francesco sah sie von der Seite an, drückte dann die Augen zu und murmelte etwas von Gehorsam des Weibes und ehelichen Pflichten, die allen auferlegt wären, und welche die Kirche geheiligt hätte.

Vittoria stand auf und sah ihn von oben herab mit einem tödlich verachtenden Blicke an. "Soll ich dich verlachen", sagte sie dann, "oder dich mit Ekel hassen, wie ein widerwärtiges Gewürm? Darfst du ein solches Wort in unserm Verhältnis nennen und noch ein Mensch sein wollen? Das wäre also ein Sakrament, was ich abwechselnd mit der schmutzigsten Kreatur teilte? – Und wäre ich verworfen genug, in mehr als tierischem Leichtsinn so Leben und Gefühl zu vergeuden, so darf ich es um so weniger, seit ich erkannt habe, was die Liebe ist, was die Göttlichkeit im mann zu bedeuten hat. Nun wäre es mir Wonne, zu sterben eher, als diesem Gefühl, dieser Weihe, die mein Herz durchströmt, auf so schmähliche Weise abzufallen. Wie danke ich jetzt mit Inbrunst dem Himmel, dass er es nicht zugelassen hat, dass ich nicht fürchten darf, ein Wesen von dir stammend, in die Welt zu setzen: das arme Gewürm würde mir aus unschuldigen Blicken nur meine Verworfenheit entgegenschreien und ich könnte es ermorden, um das Denkmal dieser Erniedrigung zu vertilgen."

"Und dieser göttliche Mann?" fragte Francesco furchtsam.

"Ich sollte ihn dir wohl nennen", antwortete sie, "dass du forschen möchtest mit deinem schwachen Sinne, ob er auch meine Anbetung verdient. Frage ich doch nicht nach deinen Katarinen, oder Euphemien, oder wie diese Wandelnden alle Namen führen, denen du dein Herz zuwendest."

"Und ihm also", fragte er wieder, "dem Ungenannten, willst du dich ganz ergeben?"

"Auch diese Frage ziemt dir nicht", rief sie unwillig: "aber ich bedarf dessen nicht, und er, ich weiss es, wird es nicht fordern, obgleich ich es jetzt erkenne, dass diese Vereinigung in gegenseitiger Liebe und Anbetung der seligste Triumph ist, den die natur zu feiern vermag. Weil dieser Sieg, dies stürmende Gefühl, welches unmittelbar an den Himmel klopft, das allerhöchste alles Erschaffenen ist, ebendarum werde ich es mir versagen können, und nur im Anschaun, in der Bewunderung seiner Hoheit leben und träumen. Verstehn sich unsre Herzen doch ohne Worte. Auch mag in dem allgemeinen Vorurteil doch eine gewisse Wahrheit schlummern und dämmern, dass dem mann mehr erlaubt ist, als dem weib, und dies Gefühl, die achtung vor diesem Aberglauben wird mich bewahren: vorzüglich aber die Furcht, sein Gemüt, (da der edelste Mann noch eine gewisse Roheit in sich hegt,) möchte nicht so geläutert sein, dass er mich nicht nach dieser Hingebung, etwas, wenn auch nur um ein weniges, geringer achten dürfte."

"Wenn ich von meinem Erstaunen erwache", sagte Francesco, "so begreife ich nicht, wie gerade du, Vittoria, so ganz unweiblich sein kannst."

Lachend sagte sie: "Ja wohl, diese eure ganz abgestandenen Redensarten von Unschuld, Mädchenhaftigkeit, Jungfräulichkeit und Weiblichkeit, die ihr uns entgegenhaltet, um unsrer Entwürdigung, indem wir blödsinnig bleiben, oder uns so stellen, schöne Namen zu geben. Ei wie himmlisch steht das unbewusste Mädchen in ihrer Unschuld da, wie die reine Lilienblume. Und sie wird ein Raub des Lüstlings, da man nichts loben will, als diese süsse Einfalt, (die der Frau nicht mehr ziemt,) oder die Frechheit der gesunkenen Metze. Als wenn das nicht höhere Würde, Tugend und Unschuld wäre, so frei zu denken, zu fühlen und zu sprechen, wie es freilich denen nicht erlaubt ist, die die Gemeinheit in ihrem inneren empfinden."

"Wohin aber", rief Francesco aufgebracht, "zu welcher Ehrlosigkeit kann eine solche Gesinnung führen!"

"Sei ganz ruhig, mein Männchen", sagte sie, "ich werde diese deine Ehre gewiss besser bewahren, als du selber. – Ehre! – O Menschen, welche Sprache redet ihr denn? – Ich soll es freilich nicht wissen, aber ich weiss es doch, wie du mit meinem Bruder Ottavio einig bist; wie ihr beide meine und eure Ehre gerne dem grossen mächtigen Farnese verkauftet, wenn ich nur jämmerlich genug dächte, nachzugeben? Nicht wahr? – Schlafe jetzt wohl und zweifle nicht, dass ich meinen Willen durchsetze. Du aber kannst, wie du es schon tatest, jetzt mit meiner Einwilligung so ungebunden leben, wie es deine zügellose und schwache Imagination dir nur eingeben mag."

Sie verliess ihn, und er hatte