eingekauft hatte, und in Fröhlichkeit mit seinem redseligen Reisegefährten teilte.
Als sie in die Nähe von Florenz gekommen waren, verweilte Giuseppe in einem Borgo, der nur noch wenige Miglien von der grossen Stadt enfernt lag. Er sagte zu Celio: "Hier, mein teurer Gesellschafter, muss ich mich von Euch trennen: liegt der Ort Eurer Bestimmung doch ganz nahe vor Euch, wo wir ja doch voneinander scheiden müssten. Ich werde hier noch im Gebirge einen alten oheim besuchen, den ich, wenn ich ihn jetzt versäumte, vielleicht niemals wiedersehen würde." – Jetzt erhob sich, indem sie freundlich Abschied nehmen wollten, ein Streit der Höflichkeit, denn der Mailänder wollte dem Florentiner die ausgelegten Reisekosten so reichlich vergüten, dass er sie dadurch wohl ganz allein bezahlte. Malespina weigerte sich, der Lombarde aber war so dringend, empfindlich, ja halb befehlerisch, dass Celio endlich nachgeben musste. -"Ich bin reich", sagte der Lombarde, "wenn mein Geschäft dort nicht ganz verunglückt, gewiss viel reicher als Ihr. Ich habe es wohl gemerkt, dass Ihr einigemal meinetwegen auf der Reise zögertet, dass Ihr hie und da, meiner person zu gefallen, mehr aufgehen liesset, als wenn Ihr allein gewesen wäret, und so dürft Ihr meinetwegen keinen Schaden leiden, denn Ihr seid noch ein junger Hofmann, und Euer Glück noch keineswegs entschieden."
"Alter Herr", sagte Celio empfindlich, "ich habe Euch mehr als einmal daran erinnert, dass Ihr von Höfen nichts wisst. Es ist auch ganz natürlich; denn wenn der reiche Kaufmann auch einmal mit den Herrschaften in Berührung kommt, so kann er immer nur ihre ganz oberflächliche Aussenseite gewahr werden, die doch immer nur eine Maske sein muss."
"Ihr habt nicht unrecht", erwiderte jener, "und doch möchte ich, als der ältere Mann, Euch, dem jüngern, noch zum Abschied einen Rat geben, der weit mehr wert ist, als jene unbedeutende Summe, über welche wir so unnötig gestritten haben."
"Und der wäre?" –
"Sprecht, da Ihr ein Hofmann sein wollt, weniger, erzählt das was Ihr glaubt gesehen und erlebt zu haben, nicht andern, am wenigsten Fremden."
"Alter Herr", rief Celio verdriesslich, "ich sollte Euch für Euern gutmeinenden Rat danken, und doch weiss ich es nicht anzufangen. Ich bin der Sekretär der Chiffer bei meinem gnädigsten Herrn, und ich verdiente gehängt zu werden, wenn ich auch nur das allerkleinste Geheimnis, ja nur eine Nachricht, die mir beim Dechiffrieren früher als jedem andern zukommt, verraten, oder ausplaudern wollte; auch die gleichgültigste. Was ich Euch gesagt habe, und dort in Rom gesprochen, erzählen sich die Kinder auf den Gassen."
"Wenn gleich", erwiderte der Ältere: "man gäbe oft viel darum, auch ein gleichgültiges Wort wieder zurücknehmen zu können. Nur allzuleicht kommt man durch diese Redseligkeit in eine gewisse Abhängigkeit von Menschen, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte; mindestens erzeugt es mit Unbekannten oder Fremden eine gewisse Art von Vertraulichkeit, die uns auch drückend werden kann. Wen man als Redseligen kennt, dem kann der kluge Verleumder auch leicht etwas anheften, und von ihm das glaubwürdig machen, was er niemals gesprochen hat."
So trennten sie sich, beide verstimmt.
Drittes Kapitel
Es war im Beginne des Julius, welcher in diesem Jahre mit ungewöhnlicher Hitze eintrat. In Italien ist es schon oft bemerkt worden, dass in diesen heissen Monaten die meisten Untaten und Verbrechen geschehn. Im Norden will man wahrgenommen haben, dass auch bei anhaltender übermässiger Kälte das Gemüt des Menschen sich verhärtet, und der Grausamkeit zugänglicher ist, als bei milderem Wetter. – In dem schönen Florenz sah man in allen Häusern und Palästen die Vorkehrung, sich eine anmutige Frische und Kühlung zu verschaffen, viele der reichen Familien bezogen ihre höher liegenden Schlösser im Gebirge, und auch der Hof hatte schon beschlossen, einige der angenehmen Paläste auf dem land zu besuchen.
In seinem Palast war der Grossherzog Francesco mit arbeiten beschäftigt. Noch nicht weit in Jahren, fing er doch schon an, stark zu werden. Der Ausdruck seines Gesichtes war milde und freundlich, sein Auge verständig und leuchtend, er affektierte aber gern einen starren, abschreckenden Ernst, wie er in Spanien, wo er lange gelebt hatte, vom Könige und den ersten des Reiches gesehen hatte, die er sich gern zum Muster nahm, wodurch er seinen italienischen Dienern und Untertanen oft unbequem wurde. Sein Sekretär Malespina stand vor ihm, mit dem er zufrieden schien, indem er wohlgefällig dessen Berichte aus Rom anhörte. Es war ihm nicht unwillkommen, alle die Kleinigkeiten zu erfahren, die ihm sein Geheimschreiber von seinem Bruder, dem Kardinal, mitteilen konnte. Mit Schadenfreude hörte er einige Anekdoten aus dessem Privatleben an, und von den kleinen Blössen, die sich doch auch im Eifer oder Nachlässigkeit der Mann gibt, der sich am meisten bewacht.
Ein Kammerherr trat ein und meldete den Herzog Orsini von Bracciano. Francesco erschrak sichtlich und sprach halblaut mit dem Ausdruck des tiefsten Verdrusses im Gesicht: "Bracciano? Wo kommt der ungestüme Mann her? Was will er in Florenz? Das ist ja so plötzlich und unvermutet, wie ein Donnerschlag aus heiterm Himmel."
Er winkte dem Edelmann, dieser ging hinaus, die Flügeltüren wurden geöffnet, und in seinem glänzenden Kleide trat der grosse starke