Felsenkessel, von Schierling, Bilsenkraut und giftigen dunkeln Blumen umgeben, hausten in der Einsamkeit weibliche Dämonen. Ihre Freude war Unglück, Verderben, Krankheit. Das aufschlagende Feuer, das die Hütte des Armen verzehrte, war ihnen, wenn es durch die Nacht hin leuchtete, ein Freudenzeichen; der Verzweifelnde, wenn er ihnen begegnete, war ihnen ein Narr und Geck, an dem sie sich belustigten. Sie hatten oft den schwarzbraunen schönen Prinzen gesehen, sie liebten ihn alle, weil er so herrlich war, und alle wollten sich gegen ihre natur, ihm gefällig beweisen. Bald kam ihm die eine als Zigeunerin entgegen, um ihm wahrzusagen, bald kam eine andere als Bettlerin; jene, die Wildeste dort, mit dem ruchlosen Auge, wollte ihm den kürzeren Fusspfad durchs Gebirge zeigen; – aber so sehr sie auch schmeichelten, so fein sie auch sangen, so tief sie sich beugten, so sehr in verwandelten Larven sie ihn anlächelten; er achtete ihrer nicht, und ihre Liebe verwandelte sich in bittere Galle und essigsauren Hass.
'Da braust er heran, auf seinem nachtdunkeln Ross', sagte jetzt Alrune, die mit der gelben Haut, den grossen stechenden Augen und dem langen Rabenhaar. – 'Das Pferd ist auch schön,' sagte Geldrude, die falsche, deren einer langer Zahn weit über den blassen Lippen vorragte. – 'Wie es stampft! die Erde zittert bis hierher!' sprach Gudula, die bösartige, die die kleinen Kinder stahl und sie tot und krank aufgeschwollen den jammernden Müttern wieder in den Weg legte. – Alrune rief kreischend: 'Ich will uns alle an ihm rächen! Gebt acht, er soll den alten Vater, er soll die schöne Braut nicht wiedersehn!'
Sie stellte sich, die Scheussliche, unsichtbar an den Weg. Da, an der Ecke des Waldes, wo kein Kruzifix, kein Bildnis der gottgesegneten Mutter in der Nähe war. – Da braust es heran, da klingt der Felsengrund, da weht der Mantel des schönen Reiters im Frühlingswind, und der Wald duftet, und die Vögel singen laut.
Sie streift, das schreckliche Gespenst, die Gewänder ab. Ein Scheusal zeigt sich den Geistern, denn das sterbliche Auge sieht sie nicht, aber die greulichen Schwestern der Unholdin freuen sich der entsetzlichen Schönheit ihrer Genossin. Wie ein brauner Zweig steht sie an der Waldecke, wie eine aufgerichtete dunkelgelbe Giftschlange, wie eine hoch aufgeschossene ekle Pflanze, vor der sich die Morgenluft scheu zurückbeugt und das Licht Tau niederweint, dass es den Graus beglänzen muss.
Holla! da sprengt der schöne Jüngling heran. Er singt ein fröhlich Lied; die dunklen Locken fliegen ihm spielend nach, und fächeln liebkosend seine braune Wange. Er denkt einen Liebesgesang und ruft: 'Wie schön ist die natur! wie berauschend der Lenz! wie überglücklich ich!'
Nun ist der Reitende dem Grausal nahe. Ihr Auge jubelt. Mit einem Sprunge ist sie hinter ihm, sitzt schrittlings; die braunen Schenkel leuchten von der Schwärze des Rappen abscheulich zurück, ihr schiefer grosser Mund lacht, die weissen Zähne glänzen. Den dürren ausgereckten Arm, an dem die langen Nägel wie Klauen stehen, schlägt sie, um sich festzuhalten, dem Reiter um die Brust. Er weiss nicht, wie ihm geschieht, er sieht sie nicht sein Herz bebt, der Rappe schaudert. – Nun sprengen sie hin, das Pferd sperrt weit die Nüstern und schnaubt, dass die vorüberfliegende Wespe forteilt im Schreck.
'Wohin, mein Rappe?' ruft der bestürzte Jüngling; 'du rennst aus der Bahn.' Das Pferd stemmt sich gegen den Zügel, es gehorcht nicht Sporn, nicht Ruf. Die Schwestern sehen es jauchzend, wie Ross und Reiter dahinstürzen, über hohe und niedere Felsgesteine und bemooste Felsenblöcke; der Reiter blickt sich scheu um, er will die unsichtbare Klammer von seiner Brust lösen, und vermag es nicht. Bein und Fuss schlägt die Wilde in die Weichen des Rosses, das immer toller, immer unbändiger rennt: ihr struppigtes, starres, greises Haar fliegt wie Borsten im Winde, man sieht das Grinsen des Antlitzes, das Zähneblökken. – 'Welch böser Geist regiert mein Pferd!' schreit nun der Königssohn: 'was presst mir so mit eisernen Klammern Brust und Herz, dass ich vor Schmerzen schreien möchte? – So steh denn in der Hölle Namen!' So reisst er mit Riesenkraft sein Pferd herum, der Rappe zittert in allen seinen Fibern wie Espenlaub, doch hinter dem Reiter schlägt die Gelbbraune die Beine schnalzend an die Weichen des Rosses, und nun stürzt es wie rasend zurück, der Hut entfällt dem Reiter, auch seine Haare flattern im Winde ihm nach, nun wüten Pferd und Jüngling heran, dem Zauberkreise, dem Giftbrunnen, das Ross bricht zerschmettert nieder, der sterbende Fürst wirft noch einen, den letzten blick in den lichten, blauen Himmel hinein, und wahrnimmt die kleine Wolke, die, ihn beklagend, sanft vorüberschwimmt. –
Nun stehen sie, die Scheusslichen, mit gierig starren Blicken umher, und freuen sich ihrer Tat. Was kümmert es sie, dass der Vater sich härmt, und am gebrochenen Herzen stirbt, dass die Braut weint, und jeder schöne Jüngling ihr nur als Leiche erscheint? –
Und so jagt manchen ein unsichtbarer Dämon mit wilder Schadenfreude in seinen Untergang. Je schöner, je edler das verfolgte Wesen, je mehr Scheuel und Greuel sein niederträchtiger Feind, der