ersuchte seine junge Freundin, über irgendein Tema zu improvisieren; denn Don Giuseppe habe viel von dieser ihrer Gabe gehört, und wie schön sie sich in dieser Übung von Entusiasmus und Begeisterung über alle gewöhnlichen Grenzen fortreissen lasse.
"Der fremde Herr", erwiderte sie, "hat schon gesehen, wie unziemlich ich mich von einem gewissen Dämon kann einnehmen und beherrschen lassen, den Ihr so freundlich Entusiasmus nennen wollt. Darum sei es für heute genug. Besser ist es vielleicht, wenn jeder ein aufgeschriebenes Gedicht von sich mitteilt, um unsern Abend auf echt italienische Weise zu beschliessen. Ich bin es gern zufrieden, dann auch eine Grille herzulesen, die ich neulich gedichtet habe."
Ohne weiter umzufragen, zog Caporale einige Blätter aus dem Busen, und sagte: "So will ich den Anfang machen." – Er las einige Kapitel aus seinem neuen komischen Gedicht über die Gärten des Maecenas, welche alle Zuhörer in eine heitere Stimmung versetzten. Dann gab Flaminio einige Verse zu hören, die die Schwester ihm wahrscheinlich verbessert hatte. Donna Julia nahm aus dem Schrank eine moralische Kanzone, die sie mit wohlklingender stimme vortrug, und der blonde Peretti brachte ein Lied vom Glück des Landlebens herbei, welches er so stotternd und unrichtig vorlas, dass man wohl daran zweifeln durfte, ob es auch von ihm selber herrühre.
Hierauf sagte Don Giuseppe: "Jetzt, meine Damen, da die Reihe an mich gekommen ist, fällt mir dermalen nichts ein, (am wenigsten ein Vers, da ich in meinem ganzen langen Leben noch keinen geschrieben habe,) als eine Stelle aus jenem weltbekannten Kindermärchen von den drei Orangen. In diesem heroischen Zaubergedicht kommt eine eiserne Tür vor, die darüber ächzt und winselt, dass sie so furchtbar knarren und krächzen müsse, weil ihre Angeln, ich weiss nicht, seit wie vielen Jahrhunderten, nicht mit öl sind getränkt worden. So müsste ich auch noch auf irgendeine Muse warten, die mir, um Verse sprechen zu können, die Kehle geschmeidig mache. Nehmt, Verehrte, diese Erinnerung an ein Gedicht für ein Gedicht, und diesen meinen Scherz für Ernst."
Boccalini las in den heiteren daktylisch-gleitenden Versen ein Gedicht, wie der erzürnte Apollo einst den schlafenden Amor überrascht habe. Noch böse über die Liebeswunden, die ihn so oft geschmerzt, habe er den tückischen Bogen des Kleinen zerbrechen wollen. Wie er ihn zusammenkrümmt, ertönt, wie klagend, die Sehne: so biegt der Gott ihn um, und erschafft die Leier. Darum will sie immer nach Liebe tönen, auch oft, wenn der Musengott nach andern Weisen sucht. Der Satyr erprobt nicht selten, wenn Apollo ihm freundlich ist, das Instrument der sehnsucht: in seiner Faust schwirrt es halb zum alten Bogen zurück und schiesst oft bittre, vergiftete Pfeile. Doch unser Satyr, von Vittorias oder Junos Majestät verschüchtert, lässt dem gutmütigen Caporale nur leichte Scherze von der feinklingenden Sehne fliegen, und Apollo und Vittoria lächeln ihm Beifall.
Die übrigen applaudierten und Virginia suchte jetzt, indem sie mehr Caporale als Boccalini mit einem lächelnden Blicke begrüsste, aus einer Sammlung vieler Blätter einige heraus und sagte: "Ich weiss nicht, soll ich diese Erfindung Ballata, oder wie die Spanier Romanze, oder nur Grille betiteln." Sie las, und es waren in Versen ungefähr folgende Worte; –
"Der schwarzbraune Bräutigam.
Der junge Fürst nahm Abschied von der Braut. Sie war ihm seit einem monat anverlobt. Er dachte nur an sie, und ritt jetzt in das Gebirge hinein, um seinen Vater zu besuchen, und ihn auf die Ankunft der Schwiegertochter vorzubereiten.
'Verlass mich nicht', klagte die schöne Braut, 'mir ahnet Unheil. Warum gerade in diesem Augenblicke von mir gehen?' – 'Ich muss', sagte der Prinz, und küsste sie zärtlich: 'unsere Liebe wird diese Trennung nur lächelnd überdauern.'
'Nein!' klagte sie weinend; 'ich sehe dich nicht wieder. Als gestern abend die dunkeln Wolken so eilig durch den Himmel flogen, erblickte ich in ihnen lauter abscheuliche Gesichter, grinsend, in fürchterlicher Schadenfreude verzerrt. Es sind die Göttinnen des Schicksals, oder Dämonen, die dir auflauern. Sie wollen uns trennen, sie wollen dich töten! sie fürchten, die Schadenfrohen, dass du deine Länder beglückken wirst, sie wollen nur Unheil säen.'
'Gespenster', sagte der Liebende, 'sind nichts Wirkliches, darum zittere, darum bange nicht, mein holdes Liebetraut. Dass wir uns lieben, ist Wahrheit: davor weilt und steht kein Dämon. Deine Phantasie ist krank, die Wirklichkeit gesund. Um so viel du in Schmerzen leidest, um so mehr jauchze ich in Lust. Der gute Geist muss Sieger sein.'
'Kannst du es wissen?' sprach sie, und umschlang ihn inniger. 'Sie meinen es nicht gut mit uns, das habe ich in allen meinen Träumen gesehen. Du bist mir Leben, Gegenwart und Zukunft: wenn sie dich fortreissen, wo ist noch eine Zeit für mich?'
Da ward sein schwarzes, hohes Ross vorgeführt, sein Lieblingsross. Wie er dem edlen Tiere gut war, so war das Pferd mit wunderbarer Freundschaft dem Herrn zugetan; es hatte ihm schon oft das Leben gerettet. Und der Herr war dem Rappen dankbar. Die Liebe, die den Menschen an die Tiere knüpft, ist wunderbar.
Im Tale, tief unten, im