mit bewegter stimme aus, "wenn man es sieht, wie in unserm armen vaterland der Genius, fast wie ein Hofhund, an den Ketten fürstlicher Gnade gefangen liegt. Ein Spielwerk der Launen, ein Putz für den Hochmut, ohne wahre achtung und noch weniger Liebe: wie das Talent nicht erkannt, und dennoch in Knechtespflicht gehalten wird, dann zufällig aufgeopfert, oft dem gemeinsten Interesse sogar geschlachtet. – Oh, das wäre ein Gegenstand für unsere Tragödie, viel ergreifender und durchdringender, als jene kalten Exerzitien eines Sperone und Trissino."
"Ja wohl", erwiderte Malespina. "Aber er selbst, unser Torquato, ist allzu schwach. Selbst seinen gutgesinnten Freunden zwingt er durch manche Dinge ein halbverachtendes Lächeln des Mitleidens ab. Könnt Ihr es glauben, Verehrte? Er hat sich neuerdings so weit erniedrigt, dass er sich zum Inquisitor begeben, und sich über seine Rechtgläubigkeit hat examinieren lassen. Dieser hat ihm ein Zeugnis ausstellen müssen, dass er ganz mit ihm zufrieden sei, so wie man es wohl Kindern oder jungen Kandidaten gibt. Aber das ist ihm nicht genug, auch nicht, dass gelehrte, ihm wohlwollende Bischöfe ihn einen ortodoxen katolischen Christen nennen: dringend liegt er immerdar seinem Herrn an, dass er ihn nach Rom schikken soll, damit hier sein Glaubensbekenntnis untersucht werde. Er ist auch wiederum, sagt man, zu einem andern Inquisitor gewandert, der wiederum auf sein Flehen seinen ungefälschten Glauben hat bestätigen müssen. Dieser grosse Mann, der den Plato und Aristoteles liest und kommentiert, der selbst so schöne, tiefsinnige Dialogen schreibt dieser fällt so ganz von seiner Würde – oh, nicht wahr, man weiss nicht, ob man weinen oder lachen soll. – Es ist doch zu erbärmlich um diese unsere menschliche Schwäche."
Als diese Worte ausgesprochen waren, stand Vittoria in der heftigsten Bewegung auf und wandelte mit grossen Schritten durch den Saal; dann stellte sie sich hoch aufgerichtet vor Malespina hin und sagte mit Tränen im feurigen Auge: "Mann! Don Celio! Wo kommt Ihr denn her, aus welchem einsamen Winkel des wilden Kalabriens? Wie seht Ihr die Welt und die Menschen an, wie leset Ihr die geschichte?"
Don Celio erschrak sichtlich vor dieser Anrede; die schöne Frau erschien ihm in diesem Augenblicke furchtbar.
"Ihr ein Hofmann?" fuhr sie mit lauter stimme fort, "ein Menschenkenner? O wahrt Euch, wahrt Euch, dass Euch dieses Lächeln über Tasso nicht einmal den Hals bricht. Ihn verlachen, den Ärmsten? Ja, wären noch die zeiten des Julius und Leo des Zehnten, als witzige Lästerer selbst Präbenden für ihren lustigen Ateismus erhielten, als Bembo, der galante, eben wegen seiner Feinheit, Kardinal ward, als Peter, der Aretiner, von Priestern, Päpsten und Kaisern geehrt wurde. – Aber jetzt! habt Ihr es denn gar nicht erfahren (und es ist doch noch nicht so tief in die Vergangenheit entrückt), wie Euer wahrhaft grosser Fürst, der erst vor zwei Jahren gestorben ist, damals dem fromm-wütenden Papst seinen Tischfreund, seinen Vertrauten, den gelehrten Carnesechi aufopferte? Den edlen Mann, der hier in Rom entauptet und verbrannt wurde? Und weshalb ward dieser Busenfreund, den der grosse Cosmus, der so viel Edles und Schönes ausgerichtet hat, so schnöde auslieferte, preisgegeben? Um jenen alten Präzedenzstreit endlich zu schlichten, dass Cosmus vor Ferrara und andern ginge, die Hoheit erhielte, und statt Herzog Grossherzog tituliert würde. Weshalb der Hass Ferraras und der übrigen Fürsten noch fortbrennt. Kann nun Alfons, wenn er sich von seinem Hofdichter beleidigt dünkt, diesen den Religionswächtern in die hände spielen, glauben diese in blindem Eifer wirklich, oder auf höhern Befehl an Tassos Ketzerei, so darf sich der Fürst von Ferrara ohne weitere Bemühung oder Zorn zurückziehen, und nur unsere liebende Kirche walten lassen Möglich, dass Tasso zu ängstlich ist, aber ihn deshalb zu verlachen ist wahrlich keine Ursache."
Der Fremde, der sich nur Don Giuseppe nennen liess, stand auch wie in Begeisterung auf, ging hin und fasste die schöne junge Frau bei der Hand, führte sie zu ihrem Sessel zurück, und sagte mit bewegter, aber sehr wohlklingender stimme: "Ihr habt da ein sehr wahres Wort über die Fürsten gesprochen, und noch mehr, als diese Einsicht, verehre ich Eure Ketzerei. Oh, was wären wir Italiener, wenn viele Tausende so dächten, und diese Million denselben heroischen Mut hätte, es so laut und dreist auszusprechen!"
Die Mutter war erst über die heftige Rede der Tochter erschrocken, jetzt war sie es noch mehr über die Bemerkung des fremden Mannes, und über die Art und Weise, wie er gleichsam, als wenn es so sein müsse, den ganzen Kreis ihrer Familie regierte. Vittoria sah den kecken Mann mit einem ganz eigenen Blicke an, dann senkte sie das Haupt, ward auf ihre seltsame Weise rot und dann viel blasser als gewöhnlich, und man bemerkte, sosehr sie es auch verbergen wollte, dass sie Tränen vom Auge trocknete.
Dem jungen Peretti war alles, was sich jetzt zugetragen hatte, nicht aufgefallen, er sprach eifrig mit Flaminio über eine Stadtneuigkeit. Marcello, dem alle diese gespräche langweilig waren, hatte sich schon längst entfernt, um irgendeine seiner Gesellschaften aufzusuchen, in denen es lauter, wilder und lustiger herging.
Um wieder in die gleichgültige und ruhige Bahn einzulenken, führte Caporale das Gespräch auf die Dichtungen zurück, und