den edlen Mann lasst zu seiner Heimat sicher und ungefährdet zurückkehren. Das sei das letzte Zeichen eures Wohlwollens für mich, eures ehemaligen Vertrauens, dass ihr mich statt seiner, als freiwilliges Opfer annehmt."
"So sei's fürs erste!" schrie der Unbändige mit schäumendem mund, und so war es in einer Sekunde um Ascanio, und wohl auch um den Grafen geschehen, wenn nicht in demselben Augenblick schnell wie ein Blitz vorspringend, ein schöner schlanker Jüngling vor dem Wütenden gestanden hätte. -"Steckt eure Degen und Dolche ein", rief er mit lauter, wohlklingender, aber doch gebietender stimme; "ich habe alle eure Reden vernommen, ich war noch kürzlich selbst in der Stadt, und kenne die Umstände genau; ich weiss, Ascanio ist unschuldig, und ganz im Recht, ihr wart im Begriff einen Mord zu begehn, anstatt ein Strafurteil zu vollziehen. Willst du, Ascanio, nun wieder zu uns treten, oder darfst du es wagen, für dich selbst dein Leben zu führen, uns unbekannt, und keinen kennend, wer dir auch von uns jemals wieder erscheinen wird?"
"Das letzte ist mein Wunsch, edler Hauptmann", sagte Ascanio mit bittender stimme.
"Und Ihr, Graf", fuhr der Jüngling fort, "wünscht Euren alten Vetter wiederzuhaben, und selbst ungefährdet aus diesem zornigen Kreise zurückzukehren?"
"So ist es", antwortete Pepoli.
Der junge Mann entfernte sich hierauf mit dem Grafen tiefer in den Wald, wo sie von niemand gehört werden konnten. "Ihr seid mir dankbar", fing er an, "wenn ich Euern Wunsch erfülle?"
"Ohne Zweifel."
"Und was tätet Ihr wohl, wenn das alles in Freundschaft, und selbst ohne das mindeste Lösegeld erfüllt würde?"
"Alles", antwortete der Graf, und sah ihn mit Verwunderung an.
"Es geschehe", fuhr jener fort, "wenn Ihr mir Euer Ehrenwort gebt, niemals, von allem, was Ihr gesehen und gehört, zu irgend jemand zu sprechen, keinen von uns zu kennen, wo Ihr ihn auch wieder treffen mögt, oder ihn gar auf diese begebenheiten anzureden – und, zweitens, wenn Euch jemand diese Chiffer bringt, ihn aufzunehmen, einige Stunden zu verbergen, und heimlich und sicher weiterzuschaffen. Wenn Euch diese Kleinigkeit ein Äquivalent ist für jenes Alten und Euer eigenes Leben so reicht mir die Hand an Eides Statt, dass Ihr diese nicht schweren Bedingungen erfüllen wollt."
Der Graf gelobte.
"So geht denn mit Eurem Ascanio zur kleinen Stadt zurück ruht und erholt Euch dort im Gastofe, binnen einer Stunde wird der Alte, der so lange entfernt war, bei Euch sein"
So geschah es. Der Alte ward zu seinem Verwandten, der um ihn so viel gewagt hatte, unbeschädigt und ziemlich wohl hingeführt: die Freude, sich wiederzusehn, wurde von beiden nicht ohne Tränen gefeiert. Man machte Anstalten, bequem nach Rom zu reisen, Ascanio aber, der eine sehnsucht zu den Seinigen hatte, die im Florentinischen lebten, wollte auf dem kürzesten Wege zu diesen eilen. Der Graf gab ihm die ganze Summe zum Geschenk mit, die er für die Auslösung seines Verwandten bestimmt hatte.
Langsam und bequem ward jetzt mit dem kränkelnden Alten die Reise nach Rom unternommen. In der Nähe der Stadt stieg der Graf vom Wagen, um zu Fuss durch das Tor zu gehen. –
Am frühsten Morgen schon hatte Donna Julia den feinsten und zierlichsten Brief vom Kardinal Farnese empfangen. Er sagte in diesem: der sicherste Beweis, welche leidenschaft ihn schon seit lange für Vittoria entzündet habe, sei die rohe Ungezogenheit, zu welcher er sich in seinem vorgerückten Alter habe hinreissen lassen, wodurch er sich und seinen Stand entwürdigt, sowie seine liebste und teuerste Freundin gekränkt und verletzt habe. Wie es aber edlen Seelen anstehe, dergleichen traurige Augenblicke, in welchen wir uns nicht selbst angehören, zu vergessen, so sei er auch überzeugt, die Grossmütige habe ihm schon vergeben, und sein Bestreben solle sein, durch alle nur irgend möglichen Beweise der Freundschaft sie auch diese schwarze Stunde vergessen zu machen. Er hoffe also, als ein Zeichen der Vergebung die Erlaubnis erneuert zu sehen, ihr Haus besuchen zu dürfen, um Zeuge des Glückes zu sein, und seinen Geist, wie es immer geschehe, an diesen herrlichen Gemütern der beiden Frauen zu erheben und zu erfrischen. –
Es war beschlossen, das fest der Vermählung nur mit wenigen der vertrautesten Freunde zu feiern. Der Kardinal fühlte sich zu unwohl, um zugegen sein zu können, doch war der alte Caporale eingeladen, einige Edelleute mit ihren Frauen, und der Graf Pepoli, von dem man aber erfuhr, dass er verreist sei und keiner den Tag seiner Wiederkehr bestimmen könne. Jetzt trat aber Graf Pepoli umgekleidet vor die Kirchentür, indem der Zug der Hochzeiter sich aus dem übervollen Tempel drängte, denn Adel und Unadel waren zugegen gewesen, um die Zeremonie anzusehen. Der Graf begrüsste die Mutter nicht ohne Bewegung, indem er sagte: "Wie glücklich ist dieser junge Bräutigam, wie sehr könnte ich ihn beneiden!" – Die Mutter flüsterte ihm entgegen: "Wenn Ihr mir früher im Ernst so gesprochen hättet, wäre ich auch wohl glücklich." – Pepoli stutzte. Geputzt, mit dem frischesten Ansehn der Gesundheit zeigte sich Marcello mit dem Bruder Flaminio. Die Braut erschien als ein Wunder, so gross und