", rief ihnen dieser entgegen, "heute haben wir Neumond, und ihr seid weder zu früh noch zu spät gekommen. Wir gehen hinauf, nach dem Gebirge, denn die Versammlung ist dort. Ihr, Ascanio, kennt den Ort wohl: dort ist schon manches Urteil gesprochen worden, dort hat sich auch schon manche Strafe und Hinrichtung vollstreckt."
Antonio hatte indessen auch eine gewöhnliche Tracht angelegt, und unten im haus trafen sie vier Sbirren, welche als Bauern gekleidet waren. Ascanio betrachtete diese Anstalten mit grossen Augen, denn sie schienen ihm nichts Gutes zu verkündigen, und der Graf, der die Angst seines Reisegefährten wohl bemerkte, fing auch an, unruhig zu werden.
In der Einsamkeit, als sie den Hügel überstiegen hatten, begegneten ihnen immer mehr und mehr Menschen, die sich ihnen anschlossen, so dass nach einiger Zeit ihr Zug ein sehr ansehnlicher war. Ascanio schaute ängstlich um sich, redete diesen und jenen an, da ihm aber keiner antwortete, so schwieg er endlich verlegen und überliess sich gefasst und stumm seinem Schicksal.
Jetzt waren sie mitten im wald, weit abgelenkt von der gewöhnlichen Strasse. Sie standen auf einem runden, grasbewachsenen platz, der mit hohen Felsenstücken steil umgeben war. Hier wurde haltgemacht, und hinter den Felsen traten mehrere Gestalten hervor, die dem Ascanio sehr wohl bekannt waren, die aber alle beim ersten Auftreten sich so fremd gegen ihn stellten, als wenn sie ihn niemals gesehen hätten. Plötzlich sprang ein grosser, rüstiger Mann in ihre Mitte und rief: "Jetzt sind wir beisammen, um Gericht zu halten."
Derjenige, der so rief, war in seiner Gestalt und seinem Antlitz auffallend genug. Er war ganz schwarz gekleidet: ein breiter Hut bedeckte sein Gesicht, auf welchem eine schwarze Feder schwankte. Sein Gesicht hatte den Ausdruck ungeheurer Wildheit, von einer grossen Narbe, die quer über die linke Wange lief, noch mehr entstellt; in seinen Gebärden, wie in seinen Reden war er sehr hastig, so dass er in seiner Eile oft stotterte und manche Worte nur undeutlich zu vernehmen gab.
"Hierher, Ascanio!" schrie dieser unbändige schlanke Mann: "Rechenschaft wird abgelegt, wen du von uns verraten hast, und warum du mit einem ganz fremden Mann ein Komplott geschmiedet hast, um uns alle an das Messer zu liefern?"
Ascanio erzählte alles genau und umständlich: seine zufällige Gefangennehmung, wie man ihn von den übrigen getrennt und auf die Engelsburg gesetzt habe, ein Ereignis, das ganz gewiss von den Anführern der Brüderschaft selber herrühre. Nun sei der bekannte Strada zum tod verdammt, dieser habe dem Grafen Pepoli, der sich um den Gefangenen aus Subiaco grossmütig bemüht, zuerst den Ascanio genannt, weil dieser vielleicht Mittel und Wege angeben könne, den wohltätigen Zweck zu erreichen. Sei irgendein Verrat vorgefallen, oder etwas dem Ähnliches, so sei einzig und allein dieser Verbrecher zu schelten. "Es war wohl natürlich", endete der Sprechende, "dass ich meine Freiheit wünschte, und die gelegenheit ergriff, die mir ein edler Mann anbot, und ihr solltet alle jubeln darüber, weil ich nicht weiss, was die Schwäche meiner menschlichen natur auf der Folter oder die Furcht vor dieser möchte ausgesagt haben. Nun seid ihr dieser Besorgnis los und es gilt nur noch, wegen des alten Gefangenen mit dem Grafen zu unterhandeln, und dabei überdies ein ansehnliches Geld zu verdienen."
"Nein!" rief der grosse, wilde Mensch, und stampfte dazu mit den Füssen; "keine Auslösung, wenn es nach mir geht! Wozu haben wir den alten Graubart dort seinem weichen Bett entrissen? Um ein Beispiel aufzustellen, um die Gerichtshöfe, Häscher und Soldaten einzuschüchtern, dass keiner allzu dreist uns in die Zügel zu greifen wage. Der Preis, den wir festgesetzt, sollte nur dienen, Überkluge, Vorwitzige herbeizulocken, und die kennenzulernen, die uns etwa jetzt oder in Zukunft gefährlich werden könnten. Auch diese wollten wir verderben, und nachher die Glieder des Alten, zum Schrecken und Entsetzen der Gerichte und Häscher, in den Städten und Dörfern als Denkmal unsrer Macht und unerbittlichen Grausamkeit aufstekken. Nun soll alles dies durch Wort und Rede eines schwächlichen Verräters und auf sein Ansinnen vergeblich sein und widerrufen werden? Nein, ihr meine männlichen starken Freunde, lasst euch nicht so arg von einer glatten Zunge betören. Der Fremde, der so vorwitzig unsere Kreise betrat, er falle zuerst, zum abschreckenden Beispiel anderer Überklugen und Anmasslichen. nachher mögen wir untersuchen, ob uns Ascanios Leben oder Sterben nützlicher sei, denn er weiss allerdings zu viel, als dass wir ihn nicht als eines der bedeutendsten Glieder unseres Bundes betrachten sollten. So zieht denn die Schwerter!"
Mit einem wilden tierischen Geschrei waren mehr als hundert Waffen entblösst. Bei diesem Anblick sprang Ascanio wie rasend von seinen Begleitern fort und stellte sich dem Redenden gegenüber. "Halt!" schrie er, so laut er es vermochte: "seid ihr unsinnig? Bist du, Hauptmann, trunken? Diesen Grossmütigen, den harmlosen Fremden wollt ihr in eurer tierischen Wut aufopfern? Und ich soll ihn auf die Schlachtbank geliefert haben? Ich, der Befreite, seinen Wohltäter? Wenn ihr denn nicht Mensch, wenn ihr denn rohes Vieh sein wollt, so nehmt mein Blut zuerst, so treu ich euch und dem Bunde immer war, schlachtet mich zu eurer Sicherheit, der ich um alle eure Geheimnisse weiss, aber ihn,