er wieder die Hand auf das Haupt des Knieenden legte; "er erfülle deine Hoffnungen. Du weisst es aber selbst, Francesco, dass ich dich nicht mit Reichtümern ausstatten kann, ich kann jetzt nur wenig für dich tun. Sprich mit der Mutter, die man als eine kluge, verständige Frau rühmt. Bringe mir ihre und der Tochter Einwilligung. Vielleicht entspringt dein und unserer Familie Glück aus dieser Verbindung, wenn sie möglich ist. Dass sie den grossen, mächtigen Orsini ausschlägt, gibt mir von ihr einen guten Begriff, dass sie sich einen einfachen sanften Mann wünscht, zeugt von ihrem verstand, und dass ihr ein kleines stilles Glück höher steht, als Glanz und Pomp. Geh, wir sprechen uns wieder."
Der junge Francesco war so entzückt, dass er nicht wusste, wie er aus dem haus gekommen war, als er sich auf der Strasse sah. Einer seiner vorigen wilden Bekannten wollte ihn anreden er wies aber den unnützen Burschen mit der grössten Verachtung zurück, ohne ihn eines Wortes zu würdigen. Er flog nach dem haus der Accoromboni.
Hier war die Mutter allein in ihrem Zimmer, und hatte ihre Fassung mehr errungen, indem sie mit einiger Ruhe ihr Schicksal und ihre mögliche Zukunft überdachte. Sie wollte sich im äussersten Fall in die Abruzzen zu einer wohlhabenden Muhme begeben und bei dieser in der Einsamkeit mit den Trümmern ihres Vermögens leben. Zwar graute ihr vor der Lebensweise dort, die sie schon kannte, wenn ihre Phantasie sie ihr ausmalte, und sie sich aller Umstände errinnerte, die sie vor Jahren gesehen und beobachtet hatte. Sie grübelte dann wieder, weshalb sie, die Ältere, eine so viel grössere Scheu vor dem tod, als ihre widerspenstige Tochter habe, sie entsetzte sich weniger, wenn sie sie auch nicht begreifen konnte, vor diesen ketzerischen Ansichten von der Ehe, dem guten Ruf und allen diesen hergebrachten Regeln des Anstands und der Tugend, die sie doch in ihrem Leben so oft von den höchsten, edelsten Männern, sowie von den geistreichsten und vorzüglichsten Weibern hatte verletzen sehen. Ihr graute vor diesen Verirrungen, und dennoch schien ihr die Tochter auch nicht ganz unrecht zu haben, wenn diese die gewöhnliche, rechtliche Bahn des Lebens, wie so viele Menschen sie wandelten, eine trübselige, unbefriedigende nannte. Ihre eigene Jugend erschien ihr wieder in einem lebhafteren Lichte, und viele Erinnerungen und Gefühle, die sie längst abgestorben wähnte, tauchten mit neuer Gewalt aus ihrem Herzen auf.
Es war ihr daher, wie ein Wink des Schicksals selbst, wie die glücklichste Wendung, die sie nur hätte ersinnen können, als Francesco Peretti mit seinem Liebesantrage hereinstürmte und in seiner Hast zugleich die errungene Einwilligung seines Oheims meldete. Die Mutter antwortete dem jungen Menschen sehr freundlich, und gab ihm alle Hoffnung. Er erschöpfte sich in Dank und Entzückung, und konnte es nicht müde werden, die schönen hände der kündigen Schwiegermutter immer wieder und wieder zu küssen. Sie versprach, mit der Tochter zu seinem Besten zu reden, und mochte sich gern selbst überzeugen, dass sie dem Jüngling sichre Hoffnung geben könne.
Sie ging nach dem Zimmer Vittorias; diese aber war nicht zugegen, und wahrscheinlich in der Kirche, oder zum Besuch einer Nachbarin. Francesco nahm Abschied, um noch vor Abend wiederzukommen, und sich die Bestätigung seines Glückes zu holen. "Vergesst aber nicht, junger Mann", rief ihm die Mutter nach, "dass mir die Eminenz einige Punkte bewilligen muss, die nicht unbillig sind, ohne welche aber die Vermählung nicht vor sich gehen kann, wenn auch meine Tochter selbst ihre Einwilligung gibt."
Es hatte sich im haus ein seltener Gast eingefunden, der Pfarrer aus Tivoli nämlich. "O seht, Freund Guido", sagte die geschwätzige Amme zum alten Diener, als der Priester eingetreten war, "seht da den verehrten geistlichen Herrn; o der ist so schrecklich gelehrt, dass er lauter unvernünftiges Zeug spricht was kein Mensch versteht. Ach, das ist überhaupt der Nutzen vom Studieren, dass der Mensch die Gabe erhält, ganz fliessend und hintereinander so recht geläufig, ohne nur zu stocken, lauter Unsinn zu sprechen, wo unsereins über jedes Wort tagelang grübeln müsste."
Der alte Priester legte seinen breiten Hut auf den Tisch, setzte sich nieder und sagte: "Ist das Geschwätz bald zu Ende?"
"Was verschafft uns denn die Ehre?" sagte Ursula, indem sie sich vertraulich zu ihm niedersetzte. Guido legte den Hut beiseite und stellte vor den alten Mann ein gutes Glas Wein und einige Früchte hin. Indem der Priester nur gleichgültig mit einem Nicken des Kopfes dankte und trank, fing er so an: "Ich war hier in der Stadt bei den armen Eltern des Camillo Mattei. Sie sind in Verzweiflung, die elenden Personen. Der junge Bengel ist schon seit lange von mir fortgelaufen, aber nicht nach Rom wie ich mir einbildete; Vater und Mutter haben ihn, seit er zu mir kam, gar nicht wiedergesehn. Nun wollte ich Euch fragen, liebe verständige alte person, ob er zu Euch hierher geraten sei. Eure herrschaft ist keine vornehme und angesehene, das weiss ich wohl, also wird er hier keinen Haushofmeister, Sekretär, oder Cabinetsrat vorstellen können."
"Nein", unterbrach sie ihn, "solche Würden kennen wir hier in unserm haus gar nicht."
"Richtig", fuhr der Priester kaltblütig fort, "ich dachte auch nur, ob