1840_Tieck_098_31.txt

innigst verbunden, so gebe ich Euch mein fürstliches Wort, ja leiste Euch, wenn Ihr es verlangt, die heiligsten Eidschwüre, meine äusserste Gewalt, ohne alle Rücksicht auf meine Kollegen oder weltliche Fürsten, auf Papst und Kurie, anzuspannen, um Eure und meine Wünsche durchzusetzen. Ihr wisst aus meiner geschichte, dass ich Tage erlebt, wo ich auch schon ohne Furcht und Zagen handelte. Dann seid Ihr reich und mächtig, ich setze alles daran, Euern ältesten Sohn zum Bischof zu machen, Flaminio erhält einen einträglichen Posten, und Euer Marcello, der jetzt in naher Todesgefahr schwebt, wird ein angesehener, wohlhabender Mann. Auf diesem Wege könnt: Ihr Euch erretten und glücklich sein."

"Indem mein Kind eine Buhlerin wird?" rief sie ihm mit gedämpfter stimme entgegen, und warf aus dem grossen feuerstrahlenden Auge ihm einen so zürnenden und verachtenden blick zu, dass er scharf errötete, den Strahl nicht ertragen konnte, und sein Auge niederschlug, indem seine feinen schönen Lippen in Verlegenheit zitterten.

Er fasste sich bald wieder und sagte: "Teure Freundin, Ihr seid in der Welt aufgewachsen, und habt beobachten können. Seht um Euch, und erinnert Euch alter und neuer Geschichten. Wer war Lucretia Borgia, die eine verehrte Herzogin von Ferrara wurde, und vor der selbst ein grosser Bembo in zärtlichen Seufzern kniete? Solltet Ihr denn, die Hochdenkende, so klein bürgerlich gesinnt sein, um jenes Wort im Ernst aussprechen zu können? Hoheit und Glanz versiegelt jede Lippe, und selbst den Armen, Erbitterten, welche lästern möchten, ist es nicht Ernst mit ihrer finstern Tugend. Wäre ich nicht ein Verpflichteter meines Standes, so würde ich Vittorien freien Sinnes meine Hand anbieten, so kann ich ihr nur meine Liebe geben. Und ist dies Gefühl, diese Verbindung, die aus ihm entspringt, nicht die allernatürlichste der Welt? Oh, das müsst Ihr ja selbst erfahren haben, wie könntet Ihr sonst so edel und verständig sein; und wart Ihr denn nicht auch einmal mit dem Grafen Orsini Pittiliano verbunden? – O freilich, Euer Erröten sagt genug. – Nur jetzt keine Antwort so schnell, sie möchte eine Übereilung sein. – Erwägt meine Vorschläge und Freundschaft in einer ruhigen Stunde."

Er empfahl sich mit einem zärtlichen Handkusse, und als man die Tür öffnete, glänzte von draussen die hohe Schönheit Vittorias in das Zimmer herein: sie kam aus der Messe, von Caporale und dem jungen Francesco Peretti begleitet. -"Was macht das junge Flachsgespenst in Eurem haus", sagte der Kardinal, indem er noch einmal rasch umkehrte; "aus dem wird sein eselhafter Oheim, der eingeschlafene Montalto niemals etwas machen können; warum liess er ihn nicht draussen, bei seinen Kälbern und Rindern?"

Zärtlich Vittoria anschauend und mit einem blick der tiefsten Verachtung auf den jungen Peretti verliess er das Haus, indem er noch im Vorbeigehen dem alten Caporale vertraulich die Hand schüttelte, worüber die tief sich verneigenden Diener in das höchste Erstaunen gerieten.

Als sich Donna Julia allein sah, warf sie dem Fortgegangenen eine drohende Gebärde nach und sagte für sich hin: "O du gleissender Priester! du Abscheulicher! Also so hast du es mit uns im Sinne? Oh, welche Welt ist dies! – Und war sie wohl jemals anders? – Der schleichende Fuchs mit der Taubenmiene! – Es bliebe uns also nichts, als dass sich dort das alte Schauspiel mit der Lucretia wiederholen könnte, oder der Decemvir hier mich zwänge, mit dem Stoss eines Messers meine Virginia aufzuopfern. – Was träumte ich mich, (zum lachen!) die Mutter der Gracchen zu sein! – Und doch waren ihre Mörder auch Römer!"

Sie hörte im andern Zimmer ein lautes lachen, und der Ton schnitt ihr durch das Herz. "So ist es", sagte sie zu sich; "laute Fröhlichkeit dort, hier Verzweiflung! und nur eine dünne Wand zwischen beiden! Wie hat er nur, der sich meinen alten Freund nennt, den Mut haben können, mich an die geschichte meiner Jugend zu erinnern! – O nein, er fühlt nicht, wie bei der Erinnerung hundert schartige Messer durch meinen Busen gehen."

Sie öffnete die Tür zum andern Zimmer und rief den alten, bewährten Freund, den einfachen ehrlichen Caporale zu sich. Sie setzten sich, und in krampfhafter Rührung und unter Tränen begann die Mutter den Bericht. "Quält Euch nicht so ohne Not" sagte der Alte, "ich habe schon gestern abend alles erfahren, die hohe Eminenz nahm mich so freundschaftlich in ihren Wagen der Kutscher musste einen Umweg fahren, damit der geistliche Fürst in unserer Einsamkeit nur Zeit genug behielt, mir sein ganzes Herz auszuschütten, und keinen Umstand der weitläuftigen geschichte zu vergessen. So bin ich denn in meinem Alter nolens volens sein Kuppler geworden, denn es war keine Möglichkeit, seinen angenehmen Geständnissen zu entrinnen."

"Und was ist dabei zu tun?" fragte die Mutter bewegt.

"Alles oder nichts." –

"Und was ist die Meinung dieser Worte?"

"Entweder sein Erbieten mit Dank annehmen, oder sich bis auf den Tod widersetzen. Ja, bis auf den Tod, denn es gilt alsdann das Äusserste. So nimmt Vittoria denn den wilden Orsini zum Gemahl, und der wird ihr schon mit Dolch und Feuergewehr vor den andern Unholden Ruhe zu verschaffen wissenoder, sie stirbt, was ihrer starken, aufgeregten