, fühlte sich erleichtert und tat dem Tierchen nichts. Dieses wiederholte seine Kur und Bemühung so fleissig, dass der mächtige grosse Tiger in wenigen Wochen vollkommen gesund, und wieder schön und heiter wurde. Seitdem konnte der Hund mit seinem furchtbaren Gebieter tun und beginnen, was er nur wollte und ihm die Laune irgend eingab. Wenn sie beide ihre Fleischportion verzehrten, durfte der Tiger sich dem kleinen Günstling nicht nahn; kamen einmal Fremde und der Tiger war zu träge, um aus seinem hintern Behältnis vorzuschreiten und sich den Neugierigen zu zeigen, so sprang der Kleine so lange auf dem Grossen hin und her, zerrte ihn am Fell, biss ihn in die Tatzen, bis der Tyrann sich erhob; denn der Kleine, Unbedeutende tyrannisierte diesen. Der Fürst stand mit seinem Favoriten vor dem Käfig, als dieses erzählt wurde; sie freuten sich der Naturerscheinung, und der junge Edelmann, halb Freund, halb Narr des Fürsten, erlaubte sich manchen derben Spass über den Hof, die Damen, ja die nächsten Verwandten der Familie, worüber der Fürst herzlich lachte. – Mir war schauerlich zumute, da keiner von beiden (vielleicht der Tierwärter) an die Nutzanwendung dachte. Es waren noch nicht sechs Monate verflossen, so hatte in einem Anfalle von Unmut der Tiger seinen kleinen Freund doch zerrissen und aufgefressen, und der junge witzige Edelmann lag im Kerker eines Schlosses in Ketten und Banden." –
Caporale begleitete den Grafen Pepoli noch durch die Stadt. Sie gingen dem haus der Accoromboni vorüber, und der Graf bemerkte: "Sollte man nicht glauben, dass alle jene ausgezeichneten Menschen durch ihren höhern Geist ein trauriges Geschick fast freiwillig auf sich herabziehn? Oder sind es unsichtbare, neidische Mächte, die in der Menschheit nichts dulden wollen, das sich über die traurige Mittelmässigkeit erhebt?"
"Fast scheint es so", erwiderte der Poet, "der alte Wahrsager in seinem jüdischen Talare dort hat wohl im wesentlichen recht. Und so zittere ich auch für dieses schöne, so vielfach begabte Mädchen dieses Hauses. Sie kann nicht: die gewöhnlichen Wege wandeln, und der schwärmerische Geist der Mutter, statt sie auf die richtige Bahn zu lenken, treibt sie in das Seltsame hinein, aber ihr heftiger Geist wirft sich in den Widerspruch, und sie sucht noch steilere Bahnen und grössere Wunder. Dazu dieser abscheuliche Luigi Orsini, welcher sie mit seiner rohen Liebe verfolgt, dieser Mensch, so schön und wohlgebildet, und doch ein Schandfleck unsers römischen Adels."
Vor der Tür erblickten sie die Leute des Kardinals Farnese; der alte Fürst schritt aus dem haus, sah und erkannte den Cesare Caporale, und lud ihn ein, mit in seinen Wagen zu steigen, weil er mit ihm etwas Wichtiges zu sprechen habe. Das Gespräch, welches beide führten, war sonderbar genug.
Drittes Kapitel
Der Kardinal Farnese hatte das Haus der Accoromboni noch niemals so oft besucht, als jetzt. Man empfing ihn jedesmal, wie es sich von selbst versteht, mit der grössten Ehrfurcht, und doch fühlte es die Matrone nur allzudeutlich, dass sie, ungeachtet der Freundlichkeit des Fürsten, nicht mehr so, wie sonst, auf ihn vertrauen konnte. Man meldete ihn wiederum, und da die Tochter in der Messe war, so empfing ihn die Mutter, und es schien ihm lieb zu sein, sich mit dieser allein unterhalten zu können.
Donna Julia fühlte, so fein auch der Kardinal war, dass er heute etwas Besonderes ihr mitzuteilen habe; denn er war halb zerstreut und doch aufgeregt, sein schönes grosses Auge glänzte mehr als sonst und er fing ein Gespräch an, und liess es wieder fallen, fragte, ohne die Antwort abzuwarten, und zeigte in seiner Miene, die bald ernst, bald freundlich wechselte, dass er etwas Wichtiges vorhabe.
"Was Ihr mir von dem jungen Orsini erzählt habt", so begann er endlich, "hat mich wahrhaft erschreckt, und ich bin in der Tat in Verlegenheit, welchen Rat, oder welche hülfe ich Euch anbieten könnte. Dass Eure Tochter den jungen Bösewicht verabscheut, ist natürlich, und an eine Vermählung mit ihm, so reich und vornehm er auch ist, ist nicht zu denken. Selbst wenn Vittoria nicht dagegen wäre, würde ich doch mit allen Kräften abraten, denn es ist zu fürchten, dass das Schicksal dieses jungen Mannes ein furchtbares sein wird. Er, der jedes Gesetz verachtet, der die Gefahr stündlich herausfordert, der den Rat keines Menschen hört, er muss, wenn er sich nicht einmal völlig umkehrt, tragisch endigen. Und doch – wer ist stark genug, seine Gewalttätigkeiten abzuhalten? Sein Anhang ist gross, hundert verwegne Abenteurer, einige aus guten Häusern sogar, umgeben ihn, die besoldeten Banditen ungerechnet; alle diese sind auf einen Wink von ihm zum Tollsten und Abscheulichsten bereit. Dieses Unwesen unsers Staates ist so mächtig geworden, dass der Heilige Vater und wir alle dem nicht steuern können. Neapel und andere Staaten ermuntern und unterstützen diese freien Banden, um uns zu schaden, der König von Spanien triumphiert, dass wir in dieser ängstlichen Verlegenheit sind, und Florenz ist jenem Monarchen fast dienstbar und widersetzt sich ihm nie. So gross ist das Übel und so furchtbar angewachsen, dass wir alle selbst zuweilen in diesen abscheulichen Verbindungen unsere hülfe suchen müssen, um nicht unbedingt dem fremden feindseligen Einflusse zu gehorchen. Treibt nun ein Orsini, oder ein andrer vornehmer Bösewicht es einmal zum Äussersten, so ist höchstens der