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Vittoria so kaltblütig gemordet hatte, wurde auf grausame Art öffentlich hingerichtet, mit Zangen gezwickt, und ihm ebenso, wie er getan, ein Dolch lange und oft im Busen umgekehrt, so dass er wohl eine halbe Stunde diese Martern litt, ehe der starke, kräftige Mann seinen Geist aufgab. Vielen wurden die Köpfe abgeschlagen, die andern gehenkt. Niemals noch hatte Padua so viele Hinrichtungen gesehen. So ward das Weihnachtfest dort im Jahre 1585 gefeiert.

Camillo, der weniger schuldig war, und den Mord zuerst freiwillig angegeben hatte, wurde nur auf zwei Jahr auf die Galeeren verdammt. –

Als der Papst diesen ernsten Hergang und das strenge Gericht erfuhr, forderte er vom staat von Venedig diesen Marcello, welcher am Morde des Peretti teilgenommen hatte. Der Senat meinte, die ernste Forderung nicht zurückweisen zu dürfen. Sixtus liess ihn in Rom hinrichten.

So war das ganze Geschlecht der Accoromboni, einst so bekannt, erloschen, untergegangen und bald vergessen. Die Verleumdung verdunkelte den Namen der einst so hoch gepriesenen Vittoria und nur mangelhafte, zweideutige Zeugnisse werden von den Zeitgenossen und den Nachkommen ihrem Namen beigefügt. Nur zu oft wird das Edle und Grosse von den kleinen Geistern so verkannt und geschmäht.