seht, wie vorsichtig, wie furchtsam sie sind, welche Haufen sie gegen unsere kleine Schar zusammengetrommelt haben. So fechten wir einen tapfern offenen Kampf in den Strassen, verfolgend und verfolgt, siegend und besiegt, und da gewiss keiner von uns entrinnen kann, und jeder dies sieht, so morden alle wie Verzweifelnde, und die feindliche, gelehrte Stadt wird zum Schlachtfeld, das unsern Namen tragen wird, solange diese Mauern stehen. Aber – wollt Ihr dem Henker verfallen und dem volk zum schadenfrohen Schauspiele dienen, dann habe ich mich sehr in Euch geirrt."
Gewiss war dieser Rat der klügste und eines tapfern Kriegers würdig, so blutig und grausam er auch, wenn man ihn befolgte, für die Stadt ausfallen musste. Aber Orsini war in diesem höchsten und wichtigsten Moment seines Lebens wie betäubt, er zog es vor, zu zaudern, und sich, was doch unmöglich war, hinter den Mauern zu verteidigen.
Plötzlich rollte der Kanonendonner durch die Stadt und schlug als Echo, wie ein nahes Gewitter, zurück. Die ruhigen Einwohner entsetzten sich. Die Kugeln hatten die Säulen und einen teil der untern Mauern niedergeworfen. Aus den Fenstern schossen mit Gewehren die Belagerten, mit geschwungenem Degen sah man ihnen vorbei den wütenden Orsini laufen, der immerdar laut schrie: "Krieg! Krieg! Blut! Vertilgung!" Nun wurden die Kanonen etwas höher gerichtet, aber nur wenige, weil man nicht die Absicht hatte, wie man es wohl gekonnt, das ganze Haus in Grund und Boden zu schiessen. Indessen, da es den Belagerten an Kugeln fehlte, schmolzen sie eilig das Zinngeschirr der Küche, sie hoben die Fenster aus, zerschlugen sie, um das Blei zu gewinnen, und gossen schnell im Hinterhause Kugeln. Es schien sogar, als wollten die Verzweifelten einen Ausfall wagen. Die Angreifer führten zwei grössere Kanonen auf, um schneller zu endigen, ob sie gleich, hinter ihren Verschanzungen ziemlich gesichert, noch keinen Mann verloren hatten. Der zweite Schuss nahm von der Mauer und dem haus ein viel grösseres Stück hinweg, mit dem Schuss stürzte einer der gefährlichsten Banditen, Levonetti, tot mit den Steinen herunter. Er hatte auf Befehl des Orsini viele abscheuliche Mordtaten begangen. Wieder donnerten die Kanonen, und diesmal fiel mit der Mauer zugleich zerschmettert der Graf Montomellino. So ward auf gewisse Weise der Wunsch dieses tapferen Mannes erfüllt. Nun erschrak Luigi. Wütend war der Oberst, ein herzhafter Mann, Lorenzo dei Nobili; da dieser sah, wie unglücklich dieser tolle Krieg sich wendete, stürzte er mit seinem geladenen Gewehr aus dem haus heraus; er wollte in die Masse des Volkes hineinschiessen, um sich im tod zu rächen, aber das Pulver fing nicht Feuer, und so ward er im augenblicke von einem jämmerlichen, furchtsamen Menschen niedergeschossen, einem Aufwärter in einem Schulhause. Andere gemeine Männer stürzten hervor und nahmen ihm schnell Ring, Schärpe, seine Flinte und das Geld, das er bei sich trug. Einer schnitt ihm den Kopf ab.
Auf Befehl des Orsini winkte jetzt sein Sekretär, Filelfo, mit einem weissen Tuche aus dem Fenster, als ein Zeichen einer friedlichen Unterhandlung. Man hielt mit Schiessen inne, und Orsini befahl seinen zurückbleibenden Leuten, sich nur zu ergeben, wenn sie einen schriftlichen Befehl dazu von seiner Hand erhielten. Der Lieutenant Anselmo Suardo wurde abgeordnet: auf die Forderung des Luigi, in einem Wagen nach dem Kastell gebracht zu werden, um dem volk nicht zum Schauspiel zu dienen, machte ihn Anselmo darauf aufmerksam, wie unmöglich es sei, dies Begehren zu erfüllen, wegen der Volksmassen, der aufgefahrnen Kanonen und der aufgerichteten Parapetten, welche die Strasse sperrten. Anselmo, um ihn sicherzustellen, nahm ihn unter den Arm, und allentalben machte man ihm Platz. Marcello, der Wütende, drängte sich jetzt hinzu, weil er ihn mit seinen Leuten bis in das Kastell führen wollte. Orsini achtete nicht die dräuenden Blicke, die dieser ihm zuwarf, und zuckte nur mit den Achseln über seine zornigen Gebärden. Als er vor seine Richter trat, affektierte er eine grosse Nachlässigkeit, er war gleichgültig in seinen Reden und kurz in seinen Antworten. Er übergab seinen Degen und sagte nachher: "Oh, hätte ich nur fechten wollen, wie mein Freund Montemellino riet, so hätten wir wohl ganz andere Dinge erlebt, aber jetzt reut mich die ganze geschichte, besonders weil dieser liebste Freund dabei hat umkommen müssen. Die Albernheit hat Blut gekostet, obgleich ihr, meine Herren, wohl nicht bedeutend eingebüsst habt."- Er schrieb hierauf an seine Leute den Befehl, sich zu ergeben weil man indessen von beiden Seiten noch mit Schiessen fortgefahren hatte. Dann, indem er jeden seiner Richter freundlich und höflich begrüsste, näherte er sich dem Kamin, nahm eine Schere, die er dort fand, und beschnitt sich langsam und mit vollkommener Ruhe die Nägel.
Die Bande wurde nun eingefangen und alle führte man nach den Gefängnisse der Stadt. Aus seinem Kerker schrieb Orsini seiner Gattin, die in Venedig war, einen sehr gefassten Brief, den man edel nennen möchte, wenn der Schreiber nicht in einer so verruchten, sondern bessern Sache gefallen wäre. Der Stadt Venedig vermachte er seine schöne Waffensammlung, die im Arsenal zu seinem Angedenken aufbewahrt wurde. Dann erlitt er den Tod und wurde im Gefängnis erdrosselt. Im Dome wurde sein Leichnam am Morgen dem volk zur Schau ausgestellt.
Der Graf Paganelli, oder Pignatello, jener Verruchte, der die Dame