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, und dass du zu spät zu meiner Rettung herbeigeeilt bist.

O Vittoria! wir sind alle schwache, gebrechliche Menschen. Indem uns die eine Torheit verlässt, meldet sich schon die andre bei uns an, und wir gestatten ihr gern den Eingang. O freilich war es eine Lüge, dass deine Liebe mir eins und alles sei, denn wäre dies, so hätte ich mich nicht von dieser Schwachheit so gröblich hintergehn lassen.

Schon vor Jahren laborierte ich mit meinem Schwager, dem Grossherzog. In seinem Kabinett bewahrt er Wundersachen, die ich mir nicht zu erklären weiss. Und mag man disputieren und klug sein, wie man will, mich hat noch kein Argument so getroffen, dass es meine Überzeugung sei, nur ein Tor könne auf die Verwandlung der Metalle und auf das Erringen des Goldes hoffen.

Wie dieser Wonnerausch der Liebe alle unsre Kräfte erhöht, wie wir im Glauben, oder Aberglauben, so selig sind, so kamen auch die alten, vergessenen Träume wieder zu mir. Wer kann die Scheidewand ziehen zwischen Glauben und Aberglauben? Ich erinnerte mich nun, dass ich schon einmal mit dem berufenen Deutschen, dem Turneiser gearbeitet hatte, dass ich zu verschiedenen zeiten die Hoffnung genährt, dem Geheimnis ganz nahe auf der Spur zu sein.

Vor einiger Zeit traf ich in diesem wald einen alten Mann welcher Kräuter suchte. Wir kamen ins Gespräch, er sagte mir einiges von Blumen, von der Kraft mancher Gewächse, was mir ganz neu war. Seine wohnung wollte er mir nicht anzeigen, er war überhaupt in allen seinen Reden kurz angebunden, und er schien vielmehr mich vermeiden, als aufsuchen zu wollen.

Ich traf ihn ein andermal wieder, und nun erzählte er mir von einem viel ältern mann, dessen Schüler er sei, und welcher das grosse Mysterium besitze. Es lag ihm aber, so tat er, nichts daran, dass ich den Greis kennenlernte.

Nur wie zufällig fand ich ihn noch einmal, und nun führte er mich auf mein Ersuchen zu einer Waldhütte, wo ich den Magier traf. Auch dieser rückhaltend, kannte mich nicht, wollte mich auch nicht näher kennenlernen. Aber auf meine dringenden fragen gab er Antwort. Kurz, er war nicht abgeneigt, mir einen sichtlichen Beweis seiner Kunst zu geben, wenn ich nämlich Mut genug dazu besitze. Es war von nichts Geringerem die Rede, als mir die Geister meiner Eltern zu zeigen, was mir um so merkwürdiger war, da der Zauberer, so wie ich glaubte, mich gar nicht kannte.

Zu keinem Sterblichen, so hatte ich mein feierliches

Versprechen gegeben, durften ich eine Silbe von diesem Abenteuer erwähnen, darum verschwieg ich auch dir alles, was ich nicht hätte tun sollen. Heute, so war die Verabredung, ging ich zu ihm. Nun die gewöhnlichen Vorbereitungen: er gab mir einen Trank der Weihe, wie er ihn nannte, der mich stärken sollte, um das Ungewöhnliche, oder Erschreckende leichter zu ertragen. Auch er trank davon, um mich ganz sicher zu machen. Kein Mensch war im Zimmer als wir; die Fenster wurden gegen das Sonnenlicht geschlossen, geweihte Kerzen angezündet, magische Kreise zog der Beschwörer, und ein sinnebetäubender Rauch stieg aus seiner Pfanne, und erfüllte das ganze Zimmer. Schon fing meine Nachgiebigkeit an, mich zu gereuen, als wirklich im Dunst meine Eltern erschienen, und mit drohender Gebärde die Zeigefinger gegen mich erhuben. Vielleicht hatte man auf Schrekken oder Entsetzen von meiner Seite gerechnet, da ich aber kaltblütig blieb, so musste man weiterschreiten. Ich war jetzt schon überzeugt, dass der Gaukler mich kenne, und dass alles, vom ersten Augenblick an, auf eine gröbliche Täuschung berechnet gewesen sei. Ich schämte mich vor mir selber. Da erschien im Dampf das Bild jener Isabella von Florenz, dann der ermordete Peretti blutend. Ich wollte mich entfernen, als der Dampf so vermehrt wurde, dass ich zu ersticken fürchtete, und plötzlich standest du, in Qualen, halb nackt, aus vielen Wunden blutend, verzerrten Angesichts da. Dem unerwarteten Anblick war ich nicht gewachsen, ich stürzte nieder, bewusstlos. Nach einiger Zeit traf ich mich im wald wieder, von jenem Menschen geführt, den du wiedererkanntest. – Meine Feinde haben mich überwältigt, und diese meine Schwachheit benutzt; ich fühl es, von diesen Dämpfen bin ich vergiftet und jede hülfe wird vergeblich sein." –

Noch in der Nacht erschienen einige Ärzte.

Siebentes Kapitel

Es war der Winter eingetreten, welcher in Oberitalien eine rauhe und traurige Jahreszeit ist und viel Regen und Kälte mit sich bringt. Der Herzog Bracciano war gestorben und zur Erde bestattet. Vielfache Gerüchte waren seinerhalb verbreitet. Waren es die Orsini, die Gegner in Florenz, die Freunde des in Paris ermordeten Troilo, die sich ihm in Masken genähert und ihn listig fortgeschafft hatten? Das Haus, wo jene Geisterscheinungen vor sich gegangen sein sollten, konnte man im Umfange des Waldes, sosehr man sich auch bemühte, nicht auffinden; derjenige, welchen Vittoria als Mancini erkannt hatte, war seitdem nirgend gesehen worden. So glaubten manche, die sich für die Einsichtigen hielten, ein Fieber habe den Herzog hingerafft, und seine sonderbaren Aussagen zeugten nur von der Krankheit seines Gemütes und einer schon ganz irregeleiteten Phantasie. Die Wundergläubigen dagegen behaupteten, seine Visionen in dem rätselhaften, verschwundenen haus hätten sich, sei es durch einen Magier, sei es auf andre übernatürliche Weise, dem Verstorbenen wirklich gezeigt, um ihm alle Sünden und