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besitze ich ein anmutiges Sommerhaus: der Frühling hat erst begonnen, dort wollen wir in schöner warmer Zeit bis zum Späterbst, uns selbst und der Liebe leben: ein Paradies ist dort; Menschen bedürfen wir nicht, Musik und Bücher nehmen wir mit uns, und, das höchste Kleinod, die Liebe." –

Vittoria, als sie ihr Erstaunen überwunden hatte, fügte sich gern dem plötzlichen Entschluss, und der folgende Tag sah sie schon auf der Reise. –

Sie verweilten in Bologna, beim Grafen Pepoli, der entzückt war, in seinem Palast so edle Gäste aufnehmen zu können.

Beim frohen Gastmahl sagte der Herzog wie im Scherz: "Mich jagt der wütende Sixtus aus meinen römischen Besitzungen hinweg, obgleich er mein Schwager geworden ist, und ich meinen Sohn ihm mit der Tochter seiner Schwester verlobt habe. Ja, mir dünkt noch dies Bologna, als ihm gehörend, unheimlich und ich werde eilen, diese mit Blut gefärbten Staaten zu verlassen."

"Wie erfreulich", sagte Pepoli, "wenn ein Mann und Fürst, der hohe und mutigste, sich in solchen Scherzen ergeht. Es ist, als wenn der Mond sich wirklich fürchtete, von den tessalischen Zauberinnen auf die Erde herabgezogen zu werden."

"Ei, Freund!" sagte der Herzog, "der Zauberkünste und Formeln gibt es gar viele und mannigfaltige. Die wirkung kommt, künstlich und magisch vorbereitet, so unerwartet um eine unschuldige Felsenecke, wie eine kriechende Schlange schleichend heran, und plötzlich sieht sich plötzlich mit seinen Söhnen verstrickt, unentrinnbar, und der Tod grinst hämisch da, wo vor Minuten noch Gesundheit und Übermut lachten." –

Noch am Abend, als eine kleine Gesellschaft sich versammelt hatte, brachte der Kammerdiener dem Grafen ein versiegeltes Blatt. Er eröffnete es in Gegenwart des Herzogs und es entielt nichts, als eine Chiffre. "Aha!" rief Pepoli aus, "da werde ich nach Jahren an ein feierliches Versprechen gemahnt, das ich um alles nicht brechen darf."

Er rief dem Haushofmeister. Dieser musste sogleich ein Fuhrwerk besorgen, um in Begleitung zweier Diener diejenigen, die sich so rätselhaft angemeldet hatten, noch in der Nacht weiterzuschaffen. Er liess ihnen schnell ein Gastmahl anrichten, damit sie erquickt und gestärkt die nächtliche Reise unternehmen könnten, um in der Landschaft, auf einem einsam gelegenen Kastell, einige Tage zu verweilen.

"Als sie allein waren, sagte der Graf: Ihr dürft es wohl erfahren, dass die Fremden von jenen proskribierten Verbannten sind, die der Papst mit unerbittlichem Sinne zu vertilgen sucht. Ein guter Mann, Ascanio, ist mit einem ehemaligen Barigell, Antonio, unten in meinem haus. Jetzt darf ich davon sprechen, da die Zeit alles Geheimnis jener Sache längst entkleidet hat. Dieser Ascanio hat mir in jener Zeit, als ich einen alten Verwandten im Sabiner Gebirge aufsuchte, auf eine edle Art das Leben gerettet. Dem berüchtigten Piccolomini musste ich als Ersatz dafür mit einem feierlichen Handschlag versprechen, diejenigen zu retten, die sich mir mit dieser Chiffer anmelden würden. Nun muss der weichherzige Ascanio doch wieder in die schlimme Verbrüderung, durch Unglücksfälle geraten sein, da er meine hülfe in Anspruch nimmt."

"Aber", fiel Bracciano ein, "Ihr setzt Euch durch Euer Mitleid einer Gefahr aus."

"Die strengen Edikte des neuen Papstes", antwortete Pepoli, "sind auch zu uns hierher gekommen; ich werde es auch niemals wagen, hier in Bologna einen Verbannten aufzunehmen und zu beschützen. Ich sende sie nach dem Kastell dort, das ausserhalb des päpstlichen Gebietes liegt, und das unter Schutzherrschaft des deutschen Kaisers steht, dessen Vasall ich ebenfalls bin."

Man beschloss, sich am folgenden Tage nach diesem schloss zu begeben, denn Bracciano zog es vor, soviel als möglich das päpstliche Gebiet, sowie das Florentinische zu vermeiden, weil er, unter den jetzigen Umständen, in Begleitung der jungen Gemahlin, mit seinen Verwandten dort weder in freundliche noch zornige Berührung kommen wollte.

Bracciano wie Vittoria freuten sich über die Verehrung und Liebe, die ihr Freund Pepoli in Bologna genoss. Erst an diesem Tage hatte er eine Menge verwaister Kinder beiderlei Geschlechts reichlich ausgestattet, und ihnen den Eintritt in das Leben erleichtert. Er sorgte grossmütig für Blinde und hülflose Alte. Jeder arme, der rechtlich war und den Unglück gebeugt hatte, wandte sich mit Vertrauen an den edlen Grafen, und keiner ging ungetröstet von ihm. So nannten ihn die Bedürftigen, Bettler und Kranke nur den Schutzgeist von Bologna, und wenn er sich öffentlich zeigte, drängte sich das Volk um ihn, um ihm ihre Liebe und Verehrung kundzutun. Nicht minder achtete ihn, seines menschenfreundlichen Wesens halb, der ältere und jüngere Adel, er galt allen für ein Muster, nach dem sich der Jüngling bilden müsse. Auch Priester und Gelehrte schätzten ihn hoch, weil er die Wissenschaften ebenfalls auf alle Weise unterstützte. Kurz, er konnte für das Vorbild eines sanften, edlen, wohltätigen Mannes gelten. Er war unvermählt, und hatte bis jetzt die Anmutung sich zu verheiraten, abgewiesen, weil er fürchtete, dass er doch als Gatte, so gross sein Vermögen war, in seiner Wohltätigkeit gehemmt werden dürfte; obgleich seine Freunde auf seine nächsten Verwandten hindeuteten, die, falls er ohne Erben stürbe, seine Reichtümer auf ganz entgegengesetzte Weise anwenden möchten.

Mit der Frühe reiseten die drei befreundeten Wesen von Bologna ab, um sich nach jenem Kastell des Grafen zu