zu machen. Viele, die ihm zu seiner Würde geholfen hatten, wünschten, dass es möglich sei, die Wahl rückgängig zu machen, und Farnese, sowie manche andre, die dem schwachen, stets schweigenden Montalto so oft ihre Verachtung gezeigt hatten, waren jetzt sehr verlegen, als sie sich vor ihm demütigen mussten.
Auch in der Stadt verbreitete sich sogleich Furcht und Entsetzen. Es war altergebrachte Sitte, dass am Tage, wenn der neue Papst gekrönt ward, allen Verbrechern in den Gefängnissen Gnade widerfuhr. Dies wurde auch jetzt allgemein erwartet. Viele Verbannte stellten sich freiwillig, um so an der Amnestie teilzunehmen, und für die Lebenszeit wegen früherer, oft vergessener Verbrechen, freigesprochen zu werden. Sixtus aber, dessen fester Vorsatz war, diesen Untaten für immer einen Damm entgegenzusetzen, liess alle des Todes Würdigen, selbst am Tage seiner Krönung, öffentlich hinrichten. Alle Vorbitten, Einreden waren vergeblich. Einen Burschen, der nur mässig sich gegen einen Häscher im Wortgezänk verteidigt hatte, liess er, sosehr auch selbst die vornehmsten Kardinäle sich für den Unglücklichen verwendeten, hängen. – Alle, die sich im stillen mancher Vergehen bewusst waren, entflohen aus der Stadt. Auf dem land wurde auf seinen strengsten Befehl ebenso unerbittlich verfahren, denn diejenigen, die seine Gebote nicht befolgten, oder nur lau und lässig sie ausrichteten, wurden selbst für das Gesetz in Anspruch genommen, und er liess keinem, der solcher Fehler überwiesen war, Gnade widerfahren.
Jedermann sah ein, dass man sich in der person des gebrechlichen, alten und hinfälligen Montalto geirrt hatte, und dass man, fast wider Willen, einen strengen und wahren Regenten der Kirche gewählt habe, einen echten Papst, der auch, ohne zu zagen wenn er es für notwendig hielt, den Tyrannen spielen würde. Es endeckte sich nun auch, dass er bis jetzt sein Lebensalter vorsätzlich zu hoch angegeben hatte, denn seinen Jahren nach, sowie seiner jetzt entwickelten Kraft und Rüstigkeit war die Aussicht, dass er lange den päpstlichen Stuhl besitzen könne.
Als die grosse Audienz angesagt war, begab sich auch der Herzog Bracciano mit den andern Grossen in den Palast des Vatikans. Es schien, dass der Papst ihn gar nicht beachtete, er redete ihn nicht an, übersah ihn, und Bracciano musste glauben, dass dies vorsätzlich geschehe und ein Zeichen seiner Ungnade sei.
Beunruhigt wendete sich der Herzog an den Kardinal Ferdinand von Florenz; er ersuchte diesen, ihm eine Privataudienz bei Sixtus zu verschaffen. "Der Papst", sagte dieser, "ist natürlich ungehalten, dass Eure Exzellenz, gegen Euer feierliches Versprechen, sich mit Vittoria dennoch vermählt hat."
"Ich gab dies Versprechen", erwiderte Bracciano, "nur dem Papst Gregor, der nicht mehr ist. Ich gab es, weil ich sah, dass der erzürnte Greis es ausserdem zu gefährlichen Extremen treiben würde, die, wenn er ohne Rücksicht handelte, mich zwängen, offen als Rebell ihm gegenüberzutreten. Dann war das Dasein meiner Gemahlin gefährdet, und alle meine öffentlichen wie heimlichen Feinde hätten schnell diesen rechtlichen Vorwand benutzt, auch mich zu stürzen und zu vernichten, denn es war wohl deutlich, dass die Kabale mehr gegen mich, als gegen die arme Vittoria gerichtet war: denn sie wurde dem Papst nur hingestellt, um den Verblendeten, der den Zusammenhang nicht kannte, zu Gewaltschritten anzureizen, damit ich in Gefahr käme. Und wer weiss, wie es diesem Farnese und andern geriet wenn sie durch ihren heroischen Mut nicht diesen Hauptfeind schamrot gemacht und gedemütiget hätte."
"Gesteh ich es nur, geehrter Schwager, dass ich mich Euch auch nicht völlig versöhnen kann", erwiderte der Medicäer. "Ist sie denn so vorzüglich, grossartig und tugendhaft, als Ihr sie wähnt? Hat Euch die leidenschaft nicht verblendet und zu einem unziemlichen Schritte verleitet? Ich rede jetzt nicht vom tod meiner Schwester, sie ist ihrem Schicksal erlegen, sei es Strafe, sei es Krankheit, sie hatte sich tief gegen Euch verschuldet, und Ihr wisst es selbst, wie weder der Fürst, mein Bruder, noch ich, Euch nach diesem Unglück unsre Freundschaft entzogen. Wir verbanden uns im Gegenteil inniger mit Euch und Eurem Interesse. Eures Sohnes wegen, und auf Euren Wunsch strengten wir Mittel und Kredit an, um Eure Güter von der Schuldenlast zu befreien, die Euch drückte, die durch Eure Grossmut und Freigebigkeit so angehäuft war. Ihr verspracht auch mir, Vittoria aufzugeben."
"Eminenz!" rief Bracciano, "seid billig und setzt mich nicht auf diese Weise in Verlegenheit, indem Ihr Worte und Versprechungen anders nehmt, als sie jemals gemeint sein konnten.
Bedenkt doch, was meine Liebe und leidenschaft bedeuten könnte, wenn ich so ruhig auf immer diesem Besitz meiner angebeteten Gemahlin hätte entsagen mögen. Ich musste ja notwenig voraussetzen, dass Ihr, als ein weiser Mann, mein Wort so nahmt, wie es nur gemeint sein konnte: dass ich in diesem Zwiespalt, in diesem kritischen Moment ihr entsagte, und es duldete, dass die Unschuldige eingekerkert wurde. Und sie, Vittoria? Ja, wäre sie eine Bianca Capello, oder nur entfernt ihr ähnlich, so wäre der Handel mit einer listigen Buhlerin bald geschlossen gewesen; sie hätte dann die günstigen Umstände, wie jene abgewartet, falls meine Schwachheit für sie, wie bei jener des Gemahls, fortgewährt hätte. Denn Ihr wisst und bedauert es gewiss, verehrter Freund und Schwager, was Euer erlauchter