ruhten ihr Auge, die süsstönende Rede, die Himmelslippen, alle die Verse, die sie weiss und selber dichtet, schon in dieser verknöcherten, kastanienbraunen Brust? O kommt und reicht mir auch etwas von dieser Nahrung, damit ich doch einige Ähnlichkeit mit ihr bekomme."
"Pfui!" schrie die Alte erbittert, "er sollte doch wenigstens auf eine dezente Art rasen, dass wohlerzogene Frauenzimmer sich über seine Liebesphrasen nicht zu schämen brauchten."
Sie ging böse und scheltend fort und erstattete der herrschaft nur einen sehr unvollkommenen und verwirrten Bericht. Die Signora Julia schickte durch ihren jüngern Sohn eine bedeutende Summe zum Pfarrer, damit ihm der kranke Neffe nicht zu viele Ausgaben veranlasse, auch sorgte sie dafür, dass ein verständiger Arzt ausser dem halbgelehrten Apoteker sich, auf ihre Rechnung, des Leidenden annahm. Auch kühlende Sachen, eingemachte Früchte und andere Erfrischungen besorgte sie, und so hoffte sie, bald von der Besserung und Genesung des Camillo Mattei zu vernehmen.
Drittes Kapitel
Es hatte sich mit Camillo gebessert. Die kräftige frische Jugend kämpfte das Fieber und die Krankheit nieder. Der Beistand, den ihm die Signora Julia durch ihre Bemühung verschafft hatte, indem sie ihm einen verständigen Arzt sendete, die Beruhigung, die sie durch ihre Unterstützung dem alten Priester gewährte, alles dies hatte die Wiederherstellung des jungen Mannes beschleunigt. Er meldete sich bei der Familie, um seinen Dank abzustatten, und die Mutter empfing ihn freundlich, aber zugleich mit einer gewissen Feierlichkeit. Auch Virginia, von dem strengen, beobachtenden Auge der Mutter beherrscht, hatte einen andern Ton gegen ihn angenommen, als den er bisher gewöhnt war, und so fühlte sich Camillo, der nach jener Szene ganz andere Erwartungen mitgebracht hatte, verletzt und gedemütigt; er war verlegen, und wenn ihn die Gesellschaft nicht beschämt hätte, so würde er sein Gefühl wohl in heissen Tränen ergossen haben.
"Ihr werdet nun wohl", sagte die Mutter, um das zögernde Gespräch in Bewegung zu setzen, "zu Euren Eltern nach der Stadt zurückkehren, um weiterzustudieren. Seid Ihr erst etwas vorgeschritten, mein lieber junger Freund, so werde ich nicht ermangeln, Euch meinem Sohn, dem Abte, zu empfehlen, ja ich werde vielleicht die gelegenheit finden, zu Eurem Besten mit dem grossen Kardinal Farnese zu sprechen, der jetzt wahrlich, zunächst unserm Heiligen Vater, den grössten Einfluss auf die kirchlichen Angelegenheiten hat. Zeigt Ihr Euch nun wacker und unterrichtet, darf man später von Eurer Rechtgläubigkeit überzeugt sein, so wird es Euch gelingen, bald in eine einträgliche Stelle versetzt zu werden, von welcher Ihr allgemach höher steigen mögt, um auch Euren teuren Eltern ihre Liebe, und die Opfer, die sie Euch gebracht haben, vergelten und ersetzen zu können."
Vittoria war im inneren über diese wohlgesetzte Rede aufgebracht, aber sie hatte nicht den Mut, in Camillos Gegenwart ihr Erzürnen kundwerden zu lassen, um nicht einen vielleicht unziemlichen Auftritt herbeizuführen. Die Mutter merkte ihre Verstimmung, sie hatte sich aber fest vorgenommen, sich durch nichts in ihrem Entschluss irremachen zu lassen. Camillo erwiderte stotternd und mit hoher Röte im Gesicht: "Signora, ich werde noch acht Tage hier in Tivoli verbleiben, so hat es mir der Arzt befohlen, den Ihr mir zu senden die Gnade hattet. Ich werde dann nach Rom zurückkehren, aber ganz in Zweifel und Ungewissheit, mehr als je, ob ich auch würdig genug sei, mich dem geistlichen stand widmen zu können. Es ist gar zu schmerzlich, sein ganzes Leben einem Berufe zu weihen, den man mit entschiedenem Widerwillen antritt. Ihr wollt mich beschützen – oh, wie glücklich würde ich mich fühlen, wenn Ihr mir irgendwo, sei es in Venedig, Florenz, oder wo es auch wäre, eine Stelle und Aussicht beim Soldatenstande schaffen könntet. Oder wenn sich ein Kaufherr in Genua oder ein Venezianischer meiner annehmen wollte. Ich fürchte, ich bin nicht fromm; zwinge ich mich also, ganz gegen Neigung, in das geistliche Wesen hinein, so ist zu besorgen, dass ich aus Tücke und Widerspruch, wie der Mensch nun einmal ist, auf gar arge Ketzereien geraten, und in dem Zustande Leib und Seele verlieren möchte." –
"Junger Mensch", sagte die Matrone mit kalter Sicherheit, "Ihr kennt Euch selbst noch nicht hinreichend. Folgt meinem Rate, denn er ist gewiss der beste. An meinem eigenen Sohne Marcello erlebe ich es, wie schwer es ist, den Söhnen eine andere Laufbahn, als die der Kirche, zu eröffnen. Beim Soldaten hat der Edelmann immerdar den Vorzug, und alle die grossen Häuser in Italien sorgen dafür, dass bei allen Fürsten in den Ländern ihre Schützlinge und Anverwandten die einträglichen Stellen erhalten. Mit Kaufleuten stehe ich in gar keiner Bekanntschaft, denn meine Verbindungen, durch welche ich Euch nützen könnte, erstrecken sich eben nicht über Rom hinaus. Bei der Bestimmung unseres Lebens dürfen wir nicht zuviel auf unsere Neigungen oder Leidenschaften hinhören, denn das Schicksal des Daseins, dem wir in dem Augenblicke der Bestimmung entgegentreten und es herbeirufen, ist zu ernst, um Spiele und Gewöhnungen der Kindheit, jene leichten Blüten, die den Früchten weichen sollen, mit hinüberzunehmen. Dadurch, dass Ihr uns bekannt seid, dass wir Euch so innig verpflichtet wurden, so dass ich gezwungen bin, für Euch wie für einen lieben Verwandten zu denken und zu sorgen, dadurch, dass es sich fügt, dass wohlwollende gönner und Freunde von